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16.02.2018

Nach der Enttäuschung kam die Wut

Eisschnelllauf Die 45-Jährige verpasste auf ihrer Paradestrecke über 5000 Meter eine Medaille. Sie musste sich mit Platz acht zufriedengeben. Doping-Kontrolleure bekamen ihren Ärger zu spüren

Pyeongchang Claudia Pechstein ist froh, diesen großen Mann an ihrer Seite zu haben. Andere empfinden das anders. Matthias Große ist Trainer, Lebensgefährte und offenbar auch Sprecher. Als der deutschen Eisschnellläuferin nach ihrem enttäuschenden achten Platz über 5000 Meter mal die Worte fehlen, springt einfach Große sein. Er weiß genau, was Pechstein fühlt, was sie sagen möchte. Zumindest nickt sie bei seinen Ausführungen zustimmend.

Platz acht, das ist enttäuschend. Eine Medaille hätte es werden sollen, dann hätte die 45-Jährige ihre olympische Karriere beenden können. So aber hat sie noch im Bauch der Eiskunstlaufarena versprochen, noch mindestens vier Jahre weitermachen zu wollen. Also bis Peking 2022. „Wenn ich da noch lebe“, sagt sie. Das soll wohl eine Art Humor sein.

Tatsächlich ist sie verärgert. Als sie das Eis verlässt und plötzlich die Doping-Kontrolleure vor ihr stehen, verliert Deutschlands Rekord-Winter-Olympionikin die Beherrschung. Wütend zerreißt sie das Formular für den Dopingtest. „Das kann doch nicht wahr sein. In diesem Moment mit dem Formular zu winken“, echauffierte sich Pechstein. Da kann auch Matthias Große nicht helfen. Lange Zeit war nicht klar gewesen, ob Große überhaupt mit zu Olympia darf. Letztlich aber gab es das Okay vom Deutschen Olympischen Sportbund, als „Mentaltrainer“ ist er offiziell dabei. Er begleitet Pechstein durch die Mixed-Zone, die Begegnungsstätte mit den Journalisten. Er gibt vor, wo sie stehen bleiben wird. „Alles ganz entspannt“, sagt er. Nach Entspannung aber sieht Pechstein nicht aus.

Nach ihrem Rennen lässt sie sich neben der Strecke auf eine Bande fallen. Sie ist völlig erschöpft. Mehr als 15 Sekunden fehlen ihr auf die Olympiasiegerin Esmee Visser. Die Holländerin ist gerade erst 22 Jahre alt geworden, Pechstein steht vor ihrem 46. Geburtstag. So sehr hatte sich die Berlinerin ihre zehnte Medaille bei ihrer siebten Olympia-Teilnahme gewünscht. Doch schon zu Beginn der Spiele hatte sie eine Enttäuschung verkraften müssen. Nicht sie, sondern Kombinierer Eric Frenzel war zum Fahnenträger gewählt worden.

Vielleicht auch, weil Pechstein noch immer die Vergangenheit nachhängt. Sie war wegen Dopings gesperrt. Sie sieht dies nach wie vor als ungerechtfertigt an und erklärt die damals auffälligen Werte mit einer vererbten Blutanomalie. Während ihrer Sperre lernt sie Große kennen. Er kommt nicht vom Fach, kennt sich mit Eisschnelllauf und Mentaltraining nicht aus. Er war vielmehr an der Militärakademie in Minsk, später wurde er Unternehmer. Er ist im deutschen Team nicht unumstritten.

Pechstein aber braucht ihn, auch wenn er ihr im Rennen nicht helfen kann. Pechstein geht schnell an, vielleicht zu schnell. Zum Ende hin geht ihr die Kraft aus, die Rundenzeiten werden immer schlechter. Selbst auf Bronze fehlen ihr fast zwölf Sekunden. „Am Ende ist es egal, ob ich Vierte werde oder Achte“, sagt sie. Es ging um alles oder nichts, ums Siegen oder Sterben. „Bei mir war es heute mehr Richtung sterben“, sagt sie.

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