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Augsburg

06.09.2019

Neue Plärrerwache: Wie Polizei und Sanitäter für Sicherheit sorgen

Zum Start dieses Plärrers wurde die neue Wache auf dem Festgelände in Betrieb genommen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Polizei und Rotes Kreuz sorgen dafür, dass sich die Besucher auf dem Plärrer sicher fühlen können. Wie sie mit dem neuen Gebäude zurechtkommen.

Es begann am Autoskooter. Warum dort drei Gruppen von Plärrerbesuchern aneinander gerieten, lässt sich nicht mehr genau sagen. Vielleicht war es ein zu heftiger Rempler auf der Fahrbahn, es folgte ein Wort auf das andere. Jedenfalls entstand eine Schlägerei. Und als Polizisten eingreifen, richtete sich die Wut vor allem eines Mannes plötzlich gegen die Beamten. Für den aggressiven Mann war es der letzte Besuch auf dem diesjährigen Herbstplärrer. Die Stadt hat ihm verboten, das Gelände noch einmal zu betreten.

Fälle wie dieser sorgen bei den Polizisten auch für Schreibarbeit. Formblätter müssen ausgefüllt werden, Aktennotizen werden verfasst. An Abenden, an denen es ruhiger zugeht in der Plärrerwache, nutzt Peter Seidenbusch die Zeit für solche Arbeiten.

Deutlich größere Wache seit dem Herbstplärrer

Seit diesem Plärrer hat der Chef der Wache dafür sogar ein eigenes Büro. Bislang saß er direkt im Eingangsbereich des Wachgebäudes. Anders ging es nicht, es gab zu wenig Platz. Das hat sich jetzt geändert. Lange haben die Beamten darauf gewartet, zum Start des Herbstplärrers wurde eine neue, deutlich größere Wache eingeweiht

Es ist Donnerstag, 20 Uhr. Den ganzen Nachmittag hat es geregnet, die Temperatur liegt nur bei knapp über zehn Grad. Entsprechend leer sind die Gassen zwischen den Fahrgeschäften an diesem Abend. Den meisten ist es draußen zu kalt. Peter Seidenbusch trägt zu seiner Uniform trotzdem ein kurzes Hemd, ihm macht das kühle Wetter nichts aus. Er geht eine Runde über den Platz, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Der Herbstplärrer 2017 öffnet seine Tore - und mit ihm einige Neuheiten. Wir haben die neue Achterbahn "Berg und Tal" getestet. Hier können Sie im Video mitfahren.
Video: Andreas Schopf

In den Zelten stehen die Menschen schon auf den Bänken. Im Binswanger-Zelt ruft der Sänger gerade ein lang gezogenes "Sauuufeeeen" in die Menge. Die Krüge klirren, das Bier fließt. Auf dem Plärrer wird eine Menge Bier getrunken. Trotzdem halten sich die Probleme mit Betrunkenen in Grenzen. Etwa zehn bis 20 Auseinandersetzungen gibt es innerhalb der zwei Wochen im Schnitt. Das sei für ein Fest dieser Größenordnung nicht besonders viel, sagt Peter Seidenbusch. Manches Dorffest mache mehr Probleme. Die Sicherheitslage auf dem Fest hat sich nach Einschätzung des erfahrenen Beamten in den vergangenen Jahren ständig verbessert. Dazu komme, dass es unter der Woche inzwischen auch ruhigere Abende gebe, an denen weniger los ist. Früher sei der Festplatz eigentlich fast immer voll gewesen, sagt Peter Seidenbusch.

Rotes Kreuz ist sehr zufrieden mit der neuen Plärrerwache

Rund 25 Beamte der Bereitschaftspolizei sind an diesem Abend da, um die Polizisten der Innenstadt-Inspektion zu unterstützen. Früher war die Wache so eng, dass nicht alle Beamten gleichzeitig drinnen Platz hatten. Sie mussten draußen unter einem Gartenzelt sitzen. Jetzt gibt es im oberen Stockwerk der neuen Wache einen großen Aufenthaltsraum mit Küche. Deutlich mehr Platz haben auch die Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes, die in der Wache ihren Dienst tun. Früher wurde es schon eng, wenn zwei Patienten gleichzeitig behandelt werden mussten, jetzt ist Platz für bis zu fünf Personen. "Wir sind sehr zufrieden mit den neuen Räumen", sagt Michael Gebler, der Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Augsburg.

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So fesch zeigen sich die Besucher auf dem Augsburger Plärrer
Bild: Valterio D'Arcangelo

Sanitäter Harald Erbe leitet an diesem Abend das Team von sechs Helfern des Roten Kreuzes. Insgesamt sind rund 120 Ehrenamtliche in den beiden Festwochen im Einsatz. Probleme mit Betrunkenen gebe es nur selten, sagt Harald Erbe. In der ersten Plärrerwoche zählte das Rote Kreuz elf Betrunkene, die versorgt werden mussten. "Auf dem Oktoberfest ist diese Zahl schon erreicht, bevor das erste Fass angestochen worden ist", sagt Geschäftsführer Michael Gebler.

Sanitäter Harald Erbe vom Roten Kreuz kümmert sich um einen Volksfestbesucher mit Kreislaufproblemen.
Bild: Peter Fastl

Auch Angriffe gegen Sanitäter – ein Problem, das in den vergangenen Jahren zugenommen hat – gibt es auf dem Plärrer so gut wie keine. "Hier werden wir noch als Helfer in der Not wahrgenommen und die Menschen sind dankbar, dass wir da sind", sagt Harald Erbe.

Die wenigsten Plärrer-Patienten müssen ins Krankenhaus

Das Nachtleben auf der Maximilianstraße sei für die Einsatzkräfte des Roten Kreuzes schwieriger als der Plärrer. Das liege wohl auch daran, dass die Besucher des Volksfests vor allem Bier trinken, vermutet Harald Erbe. In der Maxstraße dagegen dominierten die "härteren Sachen". Die meisten Patienten in der Plärrerwache kommen mit kleineren Wehwehchen. Meist geht es um ein Pflaster – oder um Kreislaufprobleme. Die wenigsten Plärrer-Patienten müssen mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gefahren werden.

Es ist jetzt 22 Uhr. Vier Bereitschaftspolizisten verlassen die Wache, um noch mal einen Rundgang über das Gelände zu machen. In den Zelten ist die Stimmung jetzt auf dem Höhepunkt. Eine zweite Gruppe von Polizisten schaut sich derweil die Umgebung des Platzes an. Am Steg über die Wertach kontrollieren sie mehrere Jugendliche, die dort herumstehen. Saufgelage vor dem Platz werden so verhindert. Und die Besucher können sich auch sicher fühlen, wenn sie nach dem letzten Bier den Heimweg antreten.

Hier lesen Sie weitere Geschichten über den Plärrer:

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