1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Online-Händler zieht es in die Innenstadt

Trend

01.08.2014

Online-Händler zieht es in die Innenstadt

Copy%20of%20KER_1648.tif
3 Bilder
Die Annastraße hat schon viel erlebt: Mal gab es massenhaft Billigläden, dann wieder Drogerien, Imbisse, Handy-Shops. Ein Trend aber bleibt: Familiengeführte Geschäfte verschwinden aus den 1A-Lagen, weil die Mieten zu hoch sind. Neu ist: Online-Shops machen auch „echte“ Geschäfte auf. Beispiele in Augsburg sind Fabian Freis Kleiderladen „Degree Clothing“ und „Mymuesli“.

Alteingesessene Familienunternehmen schließen ihre Geschäfte. Dafür suchen Shops, die bislang nur im Internet vertreten waren, die Kundennähe. Bremsen hohe Mieten die Entwicklung aus?

Das Gesicht der Innenstadt ändert sich rasant. Traditionsgeschäfte, die den Handel teilweise über Jahrzehnte geprägt haben, schließen; dafür bringen neue Läden Kunden in die City. Mit Millionenaufwand werden Gebäude wie die Anna-Passage, die Ludwigspassagen oder der ehemalige Woolworth in der Annastraße umgebaut. Das Nachsehen haben kleine, familiengeführte Unternehmen, die immer mehr aus den guten Innenstadtlagen verdrängt werden.

40 Jahre etwa gab es die Dr.-Kraus-Apotheke in der Karolinenstraße. Jetzt wird ein Nachmieter für die Ladenfläche gesucht. Das wird nicht einfach, denn gerade die anstehende Mieterhöhung war der Grund für Stefan Kraus, seine Apotheke zu schließen. „Die Kostenstruktur ist durch den Anstieg aus dem Gleichgewicht geraten“, sagt er. Neben der Miete waren das bei ihm auch die Personalkosten. Hochqualifizierte Leute, wie sie eine Apotheke braucht, sind teuer. Trotz guter Lage hat ihn all das jetzt zum Aufgeben bewogen.

Nicht die Miete, sondern Konkurrenz aus dem Internet hat das Geschäft Borderline am Perlachberg vertrieben. Es zieht im Oktober in die Hermanstraße und verkleinert sich um 140 Quadratmeter. „Eigentlich war die Lage perfekt. Wir hatten Laufkundschaft und die Räumlichkeit war auch fast geschenkt“, sagt Chefin Edeltraud Wolf über die Mietkosten von rund 2000 Euro für 200 Quadratmeter. Doch gegen das Internet kam das Geschäft für ausgefallene Kleidung und Wasserpfeifen nicht mehr an. „Die Leute kamen zwar rein und probierten an, aber gekauft haben sie es dann doch online“, so Wolf.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Nach 30 Jahren, davon 13 Jahre im Besitz von Manfred Wohlgemuth, schließt auch das Reformhaus Zeh in der Maximilianstraße. Ihm wurde der Mietvertrag gekündigt.„Das gesamte Gebäude wurde von einer Erbengemeinschaft verkauft und wird jetzt generalsaniert“, sagt Wohlgemuth. Zwar sah er sich nach neuen Räumlichkeiten um, doch seien diese nicht bezahlbar. „Wir Privaten leben von dem Ertrag und der ist bei diesen Mietkosten nicht mehr gesichert“, sagt er. Die Liste ließe sich fortsetzen, auch wenn die Gründe unterschiedlich sind. In der Annastraße schließt der Traditonsschuhladen Leiser seine Filiale, am Königsplatz die Loewe-Galerie von Elektro Anzenhofer und in der Maximilianstraße hat der Lacoste-Store Totalausverkauf.

„Die City lebt davon, dass sie sich weiterentwickelt“

Für Ulrich Mayer vom Innenstadt-Gewerbebeirat sind das normale Entwicklungen. „Handel ist Wandel“, sagt er und sieht den Wechsel in der Geschäftswelt als Chance für die Innenstadt. „Wir brauchen moderne Läden, die Innenstadt lebt davon, dass sie sich weiterentwickelt.“ Ungenutzte Geschäfte sieht er derzeit nicht als Problem. Die Leerstände seien eher unterdurchschnittlich. Überall, wo umgebaut wird, warten ihm zufolge potenzielle Mieter ab, bis sich die Lage normalisiert hat. Bei anderen Objekten wie dem ehemalige Woolworth, wo scheinbar seit Monaten nichts vorwärtsgeht, werde hinter den Kulissen geplant oder auf Genehmigungen gewartet. In den Woolworth will Peek & Cloppenburg einziehen, doch mit dem Beginn des Umbaus ist frühestens im Frühjahr 2015 zu rechnen.

Die steigenden Mieten sieht allerdings auch der Gewerbebeirat als großes Problem für kleinere Unternehmen. „In den guten Lagen der Stadt werden Sie über kurz oder lang keine kleinen familiengeführten Geschäfte mehr sehen“, prophezeit Mayer. Aber er kann der Situation auch etwas Gutes abgewinnen. „Dass die Mieten so steigen, ist ein Zeichen, dass die Innenstadt auf dem richtigen Weg ist“, glaubt er. Wenn die großen Filialisten-Ketten derart hohe Mieten bezahlen, spreche das für Augsburg. Und nur große Läden seien in der Lage, mit Werbekampagnen neue Kunden in die Innenstadt zu locken.

„Es ist natürlich schade um alteingesessene Geschäfte“, sagt Heinz Stinglwagner, Chef der City-Initiative Augsburg (CIA). Doch Wandel sei normal und bereite den Boden für attraktive neue Geschäfte. Allerdings sieht er einen interessanten neuen Trend: Online-Shops zieht es mit Ladengeschäften in die Innenstadt. Die Kunden würden wählerischer und wollten die Ware sehen und fühlen, so Stinglwagner.

Seit wenigen Tagen ist der Laden des Augsburger Lifestyle-Model-Labels Degree am Oberen Graben 15 geöffnet.„Es ist für das Label einfach besser, wenn man einen kleinen Laden hat“, begründet der Inhaber Fabian Frei, warum er seinem Online-Shop eine feste Adresse gegeben hat. „Wir sind näher am Kunden und bieten einen coolen Ort, um abzuhängen.“

Ebenfalls aus dem Internet kommt beispielsweise der Mymuesli-Laden in der Annastraße 32, in dem man sich Biomüsli selbst zusammenmischen kann. „Ich gehe davon aus, dass sich dieser Trend noch verstärken wird und mehr Online-Händler mit Läden in die Innenstadt kommen“, prognostiziert CIA-Chef Stinglwagner.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren