29.03.2016

Packender Schönklang

Die Matthäuspassionin St. Anna

„Turba“ ist das lateinische Wort für die Menge. Es kann aber auch Getümmel und Verwirrung bedeuten. Beides setzt Bach in den Chören seiner Matthäuspassion ein. Das Volk kann sich einig sein wie in seinem erschreckend dissonanten Sforzato-Ausruf „Barrabam“, es kann aber auch durcheinandersingen wie in „Ja nicht auf das Fest“. Aus ihrem Chor hebt sich der Evangelist ab. In der andachtsvollen Aufführung des Madrigalchors in St. Anna am Karfreitag setzte Tenor Sibrand Basa in dieser gefürchteten Partie auf eine facettenreiche Dynamik, wagte schöne Piani in den Höhen, berührende Lautmalerei wie in „weinete bitterlich“, deutliche Aussprache und eine sinnvolle Differenzierung beim Sprechtempo der Rezitative.

Die Gesamtleistung von Capella St. Anna, Madrigalchor und Solisten war enorm, auch wenn während der dreistündigen Dauer gelegentlich die Intonation litt. Kirchenmusikdirektor Michael Nonnenmacher hielt bewundernswert die Konzentration der Ausführenden gebündelt; sie gaben unter seiner Leitung ihr Bestes; die Musik wurde ausgekostet, und so fesselte die mit Gambenbesetzung historisch orientierte Aufführung bis zum Schlussakkord nach dem packenden Chor „Wir setzen uns mit Tränen nieder“.

Der stimmschöne, schlanke Bassbariton Thomas Herberich interpretierte gekonnt vielseitig – den Pilatus etwa befehlsgewohnt; Bariton Manuel Wiencke sang die Jesusworte mit großen Legato-Bögen und würdiger Stimmästhetik. Sopranistin Susanne Simenec und Theresa Holzhauser (Mezzo) betörten mit innigem Gesang, Schönklang und ihrer Souveränität. Der Chor beeindruckte mit hervorragender Homogenität, Treffsicherheit, Verständlichkeit. Höhepunkte im teils zu dezenten Orchester waren die Flötenduette wie in der unirdischen Sopran-Arie „Aus Liebe, aus Liebe“, ebenso die Gambenbegleitung Viktor Töpelmanns oder die Violinsoli.

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