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Augsburg

23.01.2019

Parken in der Innenstadt: Der Mobilo dümpelt vor sich hin

Seit dem Jahr 2012 gibt es in Augsburg den Mobilo, der das Parken und die Fahrt im Nahverkehr günstiger machen soll.
Bild: Silvio Wyszengrad

Augsburg will um Kunden für den Handel kämpfen. Der Rabatt-Münze fürs Parken und den Nahverkehr droht aber das Aus. Ein anderes Angebot ist erfolgreicher.

Der Mobilo ist in etwa so groß wie eine Eineuromünze. Seit seinem Start im Jahr 2012 soll er ein kleines finanzielles Dankeschön von Augsburger Geschäftsleuten an ihre Kunden sein. Mit dem Mobilo sollen sie beim Parken oder im Nahverkehr sparen. Wer an der Kasse seine Rechnung begleicht, bekommt in teilnehmenden Geschäften einen Mobilo oder auch mehrere ausgehändigt. Die Läden entscheiden das selbst, nach welchen Regeln der Mobilo vergeben wird. Der Wert der Münze liegt bei 50 Cent.

In ausgewählten Parkhäusern sowie in Bus und Tram kann der Mobilo eingesetzt werden. Teilnehmende Geschäfte erkennt man daran, dass an deren Schaufenstern Mobilo-Aufkleber zu sehen sind. Gedacht war der Mobilo als ein Angebot, das den Innenstadthandel beleben soll. Doch er ist nie so richtig in Fahrt gekommen. Einer, der dies so beurteilt, ist Marcus Vorwohlt. Er ist Chef des Textilhauses Rübsamen und zugleich ein engagierter heimischer Wirtschaftsvertreter. Rübsamen hat den Mobilo von Anfang an im Angebot. Vorwohlt sagt: „Er dümpelt vor sich hin.“

Der Handel will noch keinen Abgesang anstimmen

Den Abgesang will der Geschäftsmann dennoch nicht anstimmen. Noch nicht. Gegenwärtig gibt es im Handel eine Bestandsaufnahme, wie Geschäftsleute den Mobilo bewerten. Angestoßen hat diese Überprüfung der Innenstadt-Gewerbebeirat, der nicht nur in diesem Fall eng mit der Stadt zusammenarbeitet. Zuständig ist Augsburg Marketing. Die City Initiative Augsburg (CIA) ist im Vorjahr in dieser neuen Gesellschaft aufgegangen. Die CIA mit Citymanager Heinz Stinglwagner hatte vor Jahren den Anstoß für den Mobilo gegeben. Im Jahr 2014 hatte er bemängelt, dass der Handel den Mobilo nur „zögerlich“ einsetze. Heute sagt er: „Wir bewegen uns auf einem stabilen Niveau.“

60.000 Mobilos wurden zuletzt pro Jahr eingelöst. Sie sind in etwas mehr als 100 teilnehmenden Geschäften und Lokalen erhältlich. Stinglwagner räumt ein, dass es kaum Werbung für den Mobilo gibt. Dabei wäre die Vermarktung wichtig, um die Münze den Kunden näherzubringen. Die Bürgerumfrage im Jahr 2014 hatte diese Einschätzung verdeutlicht. Die Frage lautete: „Kennen Sie den Mobilo und falls ja, nutzen Sie diesen auch?“ Das Ergebnis war für Handel und Politik niederschmetternd. Mehr als 4000 Antworten gingen ein. Gerade mal 3,7 Prozent der Teilnehmer gaben an, dass sie den Mobilo kennen und nutzen. Mehr als jeder Zweite kannte ihn, ohne ihn zu nutzen. 43,3 Prozent wussten mit dem Mobilo nichts anzufangen. Stinglwagner sagt heute, dass die Akzeptanz des Zahlungsmittels nicht gravierend erhöht worden sei.

Der City-Gutschein ist deutlich erfolgreicher als der Mobilo.
Bild: Silvio Wyszengrad

Der City-Gutschein legt kräftig zu

Ganz anders sieht es mit einem anderen Projekt aus, das ebenfalls von der CIA initiiert wurde. Es geht um den City-Gutschein, den es für Privatleute im Wert von zehn, 25 und 50 Euro zu kaufen gibt. Seit November 2015 gibt es diese Gutscheine. „Im Jahr 2018 haben wir für die Gutscheine ohne den Dezember insgesamt 214.000 Euro umgesetzt“, bilanziert Stinglwagner. Weil Gutscheine gerne als Weihnachtsgeschenk genommen werden, sei mit einer Steigerung zu rechnen. Zum Vergleich: Der Jahresumsatz im Jahr 2017 lag bei 210.000 Euro. Dass Gutscheine gut ankommen, bestätigt Rübsamen-Chef Vorwohlt: „Die Aktion läuft.“ Das Textilhaus nimmt die Gutscheine entgegen. Wird der Wert eines Gutscheins beim Einkauf nicht komplett benötigt, wird der Rest ausbezahlt. So halten es viele Geschäfte.

Für Stinglwagner ist die Handhabe ein wesentlicher Grund für den Erfolg. Die Nachfrage steigt. Darauf wurde reagiert. Bei den Verkaufsstellen ist Bücher Pustet vor Kurzem hinzugekommen.

Bald steht eine wichtige Entscheidung an

Wie es beim Mobilo weitergeht, hängt vom Ausgang der Evaluierung ab. Im städtischen Wirtschaftsausschuss soll es im Frühjahr einen Bericht geben, um danach über das weitere Vorgehen zu beraten. Geschäftsmann Vorwohlt will den Mobilo noch nicht ganz abschreiben: „Das Ding könnte funktionieren, muss aber auf die geänderten Bedürfnisse von Kunden abgestimmt werden.“

Was das Thema Parken angeht, setzte der Handel auch auf ein anderes Projekt. Nach diversen Verzögerungen – der Stadt fehlte zuletzt das Personal – soll Ende 2020 ein neues Parkleitsystem in Betrieb gehen. Das alte war im Zuge des Umbaus des Königsplatzes im Jahr 2012 abgeschaltet worden. Der Handel hofft, dass die Innenstadt für die Kunden dann leichter erreichbar sein wird.

Lesen Sie auch den Kommentar: Der Erfolg des Mobilo hängt an den Händlern

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