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Augsburg

14.11.2013

Patient stirbt nach Darmspiegelung: Arzt vor Gericht

Der Notarzt konnte den Patienten noch reanimieren. Doch der 60-Jährige starb zehn Tage später. Nun ist der Fall vor gericht.
Bild: Johannes Eisele, dpa (Symbolbild)

Es sollte eine Routine-Untersuchung werden - doch dann gab es Komplikationen. Ein 60-Jähriger fiel ins Koma und wachte nie mehr auf.

Nach langwierigen Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft den Internisten wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Ab 21. November beginnt vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Matthias Ernst der auf sechs Verhandlungstage anberaumte Prozess gegen den 66-jährigen Mediziner. Ihm werden mehrere ärztliche Kunstfehler zur Last gelegt. Zehn Zeugen und zwei Sachverständige werden gehört.

Überdosierung führte wohl zum Tod

Den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Arzt dem Patienten zunächst zur Vorbereitung der Untersuchung ein Narkotikum und ein Betäubungsmittel gespritzt haben. Als die beruhigende Wirkung nicht sofort eintrat, soll der Internist noch einmal diese Mittel injiziert haben. Während der Spiegelung verschlechterte sich – wohl infolge der Überdosierung – die Atmung des Patienten, sein Kreislauf wurde instabil.

Nun soll der Arzt mehrmals Gegenmittel injiziert haben, später noch einmal ein Betäubungsmittel. Zwischendurch soll er mit der Darmuntersuchung begonnen haben. Erst nach einer Stunde alarmierte der Internist den Notarzt. Dann soll er das Behandlungszimmer verlassen haben, ohne den Patienten zu beatmen und zu überwachen.

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Als der Notarzt eintraf, war Hans-Jürgen W., so die Ermittlungen, bereits blau angelaufen. Er atmete nicht mehr, gab keine Lebenszeichen von sich. Der Patient konnte reanimiert werden. Alle ärztliche Kunst war aber vergebens.

Mediziner stand bereits einmal vor Gericht

Die Anklage wirft dem Mediziner unter anderem vor, er hätte bereits unmittelbar nach dem Auftreten der ersten Komplikationen zu Beginn der Untersuchung den Notarzt rufen müssen. Der Facharzt, der von einem Münchner Anwalt vertreten wird, ist inzwischen nicht mehr in der Praxis tätig.

Bereits 2006 hatte der Arzt im Rahmen eines gerichtlichen Vergleichs an einen Augsburger Fotoredakteur 30000 Euro Schadensersatz und Schmerzensgeld bezahlt. Der Redakteur hatte geklagt, weil der Mediziner seiner Ansicht nach einen Darmtumor bei einer Verdachtsuntersuchung im Dezember 2000 nicht erkannt hatte. Die Krebserkrankung war dann erst zwei Jahre später festgestellt worden. Durch die zeitliche Verzögerung, so hatte der Kläger argumentiert, sei seine Lebenserwartung verringert worden.

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