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Augsburg

18.01.2020

Pflegeheim Haus Marie: Jetzt reden die Gesellschafter

Das Haus Marie in der Oblatterwallstraße ist seit Freitag geschlossen. Die Bewohner mussten in andere Einrichtungen verlegt werden.
Foto: Michael Hochgemuth

Plus Seit Freitag hat das Heim geschlossen, die Bewohner mussten verlegt werden. War die Schließung eine Folge zwischenmenschlicher Differenzen?

Seit Freitag ist das Haus Marie geschlossen. Über 20 Jahre war die Einrichtung in der Jakobervorstadt ein Heim für schwerst pflegebedürftige Menschen. Auf dem Grundstück, das malerisch in der Oblatterwallstraße am Stadtgraben gegenüber des Fünffingerlesturms gelegen ist, wohnten Senioren mit fortgeschrittener Demenz.

Am Mittwoch hatte die Stadt angekündigt, dass das Haus bis Freitagabend geleert sein muss. Dies war der Schlusspunkt der Einrichtung, das Ergebnis jahrelanger Differenzen zwischen den beiden Gesellschaftern der Betreiber-GmbH. Für Werner Harlander, der 51 Prozent der Anteile des Pflegeheims Haus Marie hielt, ist das nicht einfach. „Es war nie die Absicht, das Haus zu schließen“, sagt er gegenüber unserer Zeitung. Armin Rieger hielt 49 Prozent der Anteile. Er sagt: „Ich wollte nicht, dass es so weit kommt.“

2018 eskalierten jahrelange Differenzen

Aber von Anfang an. Armin Rieger gründete das Haus Marie 1998. Zwei, drei Jahre später sei sein Geschäftspartner Werner Harlander mit eingestiegen. Rieger gehört die Immobilie, die Geschäftspartner einigten sich auf die Verteilung der Anteile in der Betreiber-GmbH. Über viele Jahre habe die Zusammenarbeit gut funktioniert, so Harlander. Auch Rieger beschreibt seinen Kompagnon als verlässlichen Geschäftspartner. Doch dann gab es Differenzen. 2018 habe schließlich ein Tropfen das Fass zum Überlaufen gebracht – eine über Jahre geführte Auseinandersetzung sei laut Rieger eskaliert. Rieger warf seinen Geschäftsführerposten hin, Harlander fand eine fristlose Kündigung in seinem Briefkasten. Damals habe er die Immobilie verkaufen wollen, es habe Pläne und Interessenten gegeben, sagt Rieger. Doch er nahm wieder Abstand von seinem Vorhaben. Verschiedene Versuche der Gesellschafter führten zu keiner Einigung.

Dank Investitionen gab es eine Betriebsverlängerung

Der Betrieb im Haus Marie lief indes weiter. Es wurde investiert und eine Betriebsverlängerung um weitere 15 Jahre erwirkt. Mitarbeiter beschreiben, dass sie bei einer Weihnachtsfeier noch auf den Fortbestand des Pflegeheims Haus Marie angestoßen hätten. Ende 2018, Anfang 2019 habe es kein Anzeichen dafür gegeben, dass sich bald etwas ändern würde. Werner Harlander hatten die jahrelangen Differenzen aber mürbe gemacht. „Es gab keine Möglichkeit, sich mit ihm auseinanderzusetzen“, sagt er über Rieger. Harlander kündigte im Februar 2019 seine Geschäftsanteile – wie vertraglich vorgesehen – zum 31. Dezember. Zusammen hätten sie das Heim langfristig nicht führen können, Harlander sagt, er wollte den Weg frei machen, sodass Armin Rieger die Pflegeeinrichtung alleine hätte weiterführen können. „Er hätte alles in der Hand gehabt.“

Armin Rieger: "Mit meinen 49 Prozent wurde ich immer überstimmt"

Nur entwickelten sich die Dinge nicht so, wie sie nach Harlanders Vorstellung sollten. Rieger kündigte im Juni ebenfalls seine Geschäftsteile zum 31. Dezember. Rieger sagt, dass er verschiedene Vorstöße unternommen hätte, etwa die Gesellschaft aufzulösen, die GmbH zu verkaufen. Er wollte einen Antrag auf Liquidation stellen, eine Sonderprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer vornehmen lassen. „Es wurde alles abgelehnt. Mit meinen 49 Prozent wurde ich immer überstimmt. Das Heft des Handelns hatte ich nicht in der Hand“, sagt Armin Rieger. Er habe keine Einblick in die Unterlagen erhalten und hätte so auch den Betrieb nicht übernehmen können. Das sei der Grund der Kündigung seiner Geschäftsteile im Juni gewesen.

Ab dann ging alles schnell: Ab August und September gab es Kontakt mit der Heimaufsicht, im Oktober wurden die Gesellschafter durch die Heimaufsicht aufgefordert, Angehörige, Betreuer und Pflegekassen über den Sachstand und das weitere Vorgehen zu informieren. Rieger gibt an, dass er das nicht habe tun können, weil er keinen Zugang zu Adressen gehabt habe. Harlander wiederum will sich zu diesem Punkt öffentlich nicht äußern.

Die restlichen Wochen des Jahres verstrichen. Dass es im Haus Marie „drunter und drüber“ ging, erfuhr Werner Harlander vor einer Woche aus unserer Zeitung. Er sei von dieser Entwicklung und der Brisanz überrollt worden.

Stadt schloss das Haus Marie

Armin Rieger traf sich vergangene Woche mit einem Anwalt, der die Notgeschäftsführung übernehmen sollte. Doch dazu kam es nicht mehr. Damit war die Geschichte der Pflegeeinrichtung Haus Marie endgültig besiegelt. „Die Heimaufsicht der Stadt Augsburg schließt das private Pflegeheim Haus Marie zum Ende der Woche. Zu diesem Schritt sieht sich die Heimaufsicht gezwungen, weil das Haus führungslos geworden ist“, teilt die Stadt Augsburg am Donnerstag mit.

Für den als „Pflege-Rebell“ bekannt gewordenen Augsburger Armin Rieger ist das Scheitern des gemeinsamen Betriebs die Folge von zwischenmenschlichen Differenzen. „Zum Streit gehören immer zwei. Ich war nicht fehlerfrei.“ Er werde nun einen Insolvenzantrag stellen. Er habe keine Bankvollmacht und wisse nicht, was Sache sei. „Am Ende bin ich wegen Insolvenzverschleppung dran.“ In der Folge will er die Immobilie verkaufen. „Ich will meine Ruhe.“

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