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Augsburg-STadt

15.05.2015

Polizei bleibt auf Fahrrädern sitzen

Diese sichergestellten Fahrräder stehen seit Wochen im Keller der Polizeiinspektion Augsburg-Süd. Sie wurden vermutlich in der Region gestohlen. Polizist Tobias Eska würde sie gerne den Besitzern zurückgeben. Doch bisher hat sich keiner gemeldet.
Bild: Silvio Wyszengrad

Im Schnitt werden in Augsburg jeden Tag drei Räder gestohlen gemeldet. Doch die Dunkelziffer ist hoch, viele Diebstähle werden gar nicht angezeigt. Die Folge: Polizisten können sichergestellte Fahrräder nicht zurückgeben

Seit zwei Monaten stehen die Fahrräder nun schon im Keller der Polizeiinspektion Süd. Es sind mehr als ein Dutzend Räder. Polizisten haben sie im März in einem Versteck in der Nähe der Fußball-Arena entdeckt. Die Ermittlungen ergaben, dass die Räder wohl in Augsburg und der Umgebung gestohlen wurden. Mehrere Räder waren bei der Polizei als gestohlen gemeldet, die Beamten konnten sie ihren Besitzern zurückgeben. Doch bei den meisten Fahrrädern wissen sie nicht, wem sie gehören. Holt niemand die Räder ab, werden sie zum Fundbüro der Stadt gebracht – und nach einiger Zeit versteigert.

Es ist ein Phänomen, das man bei der Polizei seit Jahren kennt: Immer wieder entdecken die Polizeibeamten Fahrräder, die vermutlich gestohlen worden sind. Doch in vielen Fällen gelingt es nicht, den Besitzer ausfindig zu machen. „Das ist schon erstaunlich“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Denn in vielen Fällen seien die Fahrräder noch einige Hundert Euro wert. Hartmann hat dafür eine Erklärung: „Viele glauben, dass eine Anzeige nichts bringt.“ Doch das sei falsch: Die Aufklärungsquote ist zwar nicht hoch, aber zumindest etwa 16 Prozent der bei der Polizei angezeigten Rad-Diebstähle wurden im vorigen Jahr doch aufgeklärt.

Fahrraddiebstähle sind für die Polizei ein Alltagsgeschäft wie Ladendiebstahl oder Unfallflucht: Im Durchschnitt werden im Stadtgebiet jeden Tag etwa drei Fahrräder als gestohlen gemeldet. Knapp 1200 Raddiebstähle zählte die Polizei vergangenes Jahr. Die Zahlen sind zuletzt leicht gestiegen. Die tatsächliche Zahl der Diebstähle dürfte noch mal um einiges höher liegen. Denn die Dunkelziffer ist relativ hoch, vermutet man bei der Polizei. Die Statistik der Polizei zeigt zudem: In der Großstadt ist das Risiko, Opfer eines Raddiebstahls zu werden, deutlich höher als auf dem Land.

Klassische Reviere der Diebe sind Orte, an denen viele Räder abgestellt werden: etwa am Hauptbahnhof, vor Freibädern oder im Bereich der Universität. Dort schlagen oft Gelegenheitsdiebe zu. „Man nimmt sich ein Rad, das nicht abgeschlossen oder nur schlecht gesichert ist, fährt damit irgendwo hin und wirft es dann einfach ins nächste Gebüsch“, beschreibt Polizeisprecher Hartmann einen typischen Fall. Oft sind es Jugendliche, die sich dazu hinreißen lassen. Rad-Diebstahl ist deshalb ein klassisches Jugenddelikt. Die Hälfte der im vorigen Jahr erwischten Täter war jünger als 21 Jahre. Bei den 14- bis 18-Jährigen liegt der Schwerpunkt. Die Polizei hat darauf reagiert: Es gibt in jedem Revier in der Stadt Beamte, die sich speziell mit Rad-Diebstählen befassen. Oft sind es dieselben Polizisten, die sich auch um jugendliche Straftäter kümmern. „Es gelingt ihnen immer wieder, auch Serien aufzuklären“, sagt Siegfried Hartmann.

Den Gelegenheitsdieb kann man mit einem massiven Schloss gut abhalten. Die Polizei rät aber dazu, gerade wertvollere Räder mit einer eigenen Nummer codieren zu lassen. Anhand der Nummer kann die Polizei dann den Besitzer eines sichergestellten Rades ausfindig machen. Denn Profis lassen sich oft auch von Schlössern nicht stoppen. Etwa im Fall eines Seriendiebes, der die Polizei im Süden von Augsburg beschäftigt. Dort soll ein Dieb in den vergangenen Jahren Fahrräder im Wert von über 60000 Euro gestohlen haben. Der Täter kennt sich gut aus mit Fahrrädern: Er stiehlt gezielt hochwertige Modelle, die meist mehrere tausend Euro wert sind. Der Dieb dringt sogar in Tiefgaragen und Keller von Wohnanlagen und Mehrfamilienhäusern ein und holt sich dort die Räder, ohne Spuren zu hinterlassen. Vieles spricht dafür, dass diese Räder nicht in Augsburg auftauchen, sondern andernorts verkauft werden.

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