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Augsburg

16.09.2019

Polizei kontrolliert Eltern-Taxis vor Augsburger Schulen

Bei der Polizei kennt man Verkehrsprobleme im Umfeld von Grundschulen nur zu gut.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Viele Eltern fahren ihre Kinder mit dem Auto bis zum Schulhaus - auch aus Sorge. Doch wie riskant ist der Schulweg in Augsburg überhaupt?

Er ist immer wieder entsetzt über das Verkehrschaos, das sich fast täglich vor der Grundschule Kriegshaber abspielt. Tobias Bevc begleitet regelmäßig seine Tochter mit dem Fahrrad zur Schule. Die Seitenstraße und Parkplätze seien voll mit Autos. Außerdem werde ziemlich rücksichtslos geparkt, etwa mitten auf einem Fußweg an der Ulmer Straße, der auch für Radfahrer freigegeben ist – nicht nur von Eltern der Grundschüler, sondern auch von anderen Autofahrern.

Kontrolle in der vorigen Woche vor der Centerville-Schule im Augsburger Stadtteil Kriegshaber: Die Polizisten stellten bei mehreren „Eltern-Taxis“ fest, dass die Kinder im Wagen nicht richtig gesichert waren.
Bild: Bernd Hohlen

Bei der Polizei kennt man solche Verkehrsprobleme im Umfeld von Grundschulen nur zu gut. Ausgerechnet von Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren, gehe meist die größte Gefahr für die Schulkinder aus, sagt Polizeisprecher Michael Jakob. Im Durcheinander vor Schule könnten Autofahrer die Kinder leicht übersehen. Oft gehe es hektisch zu, Eltern und Kinder seien in Eile. Das Phänomen der sogenannten Eltern-Taxis ist nach Einschätzung der Polizei ungebrochen. Zwar appellieren Polizei und Schulen regelmäßig an die Eltern, das sie ihre Kinder am besten selbstständig zur Schule gehen lassen sollen. Bewirkt haben die Appelle bisher offensichtlich nicht besonders viel.

Zum Start des Schuljahres ist die Polizei in Augsburg verstärkt im Einsatz

Die Polizei ist deshalb zu Schuljahresbeginn verstärkt vor Schulen im Einsatz. Die Beamten schauen nicht nur auf das Tempo von Autofahrern im Umfeld der Schulen, sie nehmen auch die Eltern-Taxis unter die Lupe. Dabei prüfen die Polizisten auch, ob die Kinder im Auto richtig gesichert sind. Am Mittwochmorgen gab es eine Kontrollaktion vor der Centerville-Schule in Kriegshaber. Vor Ort war auch der Vizepräsident des Augsburger Polizeipräsidiums, Markus Trebes.

Er sagte hinterher: „Unsere Erwartungen wurden leider bestätigt. Mehrere Kinder waren nicht vorschriftsmäßig gesichert.“ Betroffene Eltern reagierten darauf öfter mit Ausreden: Man fahre ja nur ein paar Meter, das Tempo sei ja nicht hoch. Markus Trebes lässt das nicht gelten. „Schon bei 20 Stundenkilometern kann bei ungesicherten Kindern im Fahrzeug größter Schaden entstehen“, sagt er.

Aus Sicht der Polizei sind die Eltern-Taxis in den meisten Fällen sowieso überflüssig. Es sei viel besser, wenn die Kinder es lernten, sich selbstständig und sicher im Straßenverkehr zu bewegen, sagt Polizeisprecher Michael Jakob. Er rät, den Schulweg mit den Kindern mehrfach gemeinsam abzugehen und sie auf Gefahren hinzuweisen. Wichtig sei auch, lieber eine sichere als die kürzeste Strecke zur Schule zu wählen. Danach könnten sich Schulkinder alleine auf den Weg machen. Die Gefahren, die auf dem Schulweg lauern, werden von den meisten Eltern offenbar überschätzt. Viele fahren ihr Kind bis zum Schultor, weil sie Angst haben, es könnte auf dem Weg zur Schule und zurück verunglücken. Dabei ist diese Angst aus Sicht der Polizei unbegründet. Das Risiko, dass ein Kind in Augsburg auf dem Schulweg in einen Unfall verwickelt und dabei verletzt wird, ist gering.

Die Zahlen aus der Unfallstatistik der Augsburger Polizei belegen diese Einschätzung. So zählte die Polizei im gesamten vorigen Jahr im Augsburger Stadtgebiet 15 Schulwegunfälle, bei denen es Verletzte gab. Und das bei zehntausenden Schülern, die täglich in der Stadt unterwegs sind. Nicht bei jedem Unfall muss ein Auto im Spiel gewesen sein. Auch ein normaler Sturz vom Rad kann in die Statistik einfließen, sofern die Polizei davon erfährt. Erfasst werden alle Verkehrsunfälle von Kindern und Jugendlichen bis 15 Jahre, die sich auf dem Weg von und zu Schulen, Schulveranstaltungen oder Horten ereignen.

Seit über zehn Jahren gab es keinen tödlichen Unfall mehr

Einen tödlichen Unfall auf dem Schulweg gab es im gesamten Bereich des Augsburger Polizeipräsidiums, der bis ins Nördlinger Ries reicht, seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Und das, obwohl die Zahl der Autos in dieser Zeit deutlich zugenommen hat. Michael Jakob geht nicht davon aus, dass alleine glückliche Fügung dahinter steckt. Es werde auch viel für die Sicherheit auf den Schulwegen getan – etwa durch Kontrollen oder Schulwegtrainings für Kinder.

Noch bis Ende September gibt es verstärkt Kontrollen vor den Schulen. Aber auch danach schaue die Polizei immer wieder bei Schulen vorbei, sagt Sprecher Michael Jakob. Ständig können die Beamten aber nicht vor Ort sein. Das musste auch Tobias Bevc erfahren, der das Verkehrschaos vor der Grundschule Kriegshaber der Polizei und dem Ordnungsamt schilderte. Dort habe man ihm zwar Verständnis signalisiert, sagt der Vater. Gleichzeitig habe man ihm aber auch wenig Hoffnung gemacht, dass die Kontrollen verstärkt werden können. Dafür reicht das Personal nicht. Tobias Bevc hat daraufhin selbst etwas unternommen und jene Autofahrer angezeigt, die allzu dreist Verbote ignorierten.

Lesen Sie auch den Kommentar: Eltern-Taxis: Appelle alleine fruchten nicht

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16.09.2019

Immer noch besser als diese Helicopter-Eltern, welche ihre Kinder zur Schule fliegen!

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16.09.2019

Der Grund die Kinder mit dem Auto zur Schule zu fahren ist weniger die Angst dass diese im Verkehr verunglücken sondern eher dass Sie auf dem Weg von irgendwelchen Irren aufgegabelt werden.

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16.09.2019

Wenn es hier um sexuellen Missbrauch gehen sollte: Da droht die Gefahr sehr sehr viel häufiger im persönlichen Umfeld (Bekanntenkreis, Familie) als auf dem Schulweg. Leider.

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16.09.2019

@ Herr Anan

Dieser Pauschalvorwurf gegen Eltern ist nicht fair. Wenn ich meine Kinder nicht sexuell missbrauche, dann kann mir Ihre Statistik ziemlich egal sein. Dann ist ein begleiteter Schulweg sicherer. Das ist eine mögliche Antwort den Täterschutz in diesem Land.

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16.09.2019

Ich sehe hier keinen pauschalen Vorwurf gegen uns Eltern. Familie ist mehr wie nur die Eltern.
Fakt ist, dass der Missbrauch in erster Linie in Vereinen, Verbänden, Bekanntkreis und im Familienkreis statt finden. Ist übrigens bei Mord genauso.
Das Elterntaxi als Schutzmaßnahme vor sexuellem Missbrauch zu nennen ist deswegen weit hergeholt. Als nächstes wird das Elterntaxi begründet, dass das Kind durch den Pollenfilter im Auto vor Heuschnupfen auf dem Schulweg geschützt wird ...
100 % Sicherheit gibt es nicht und wird es nie geben ... außer man bleibt zuhause. Und da sterben bekanntermaßen die Leut.

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16.09.2019

Und - wie oft ist das in den, sagen wir mal, letzten 5 Jahren vorgekommen?
Ihre Hypohese ist doch purer Unsinn.
2 Faktoren spielen bei em "ZurSchulefahren" gewichtige Rollen: Bequemlichkeit (ich nenne dies bewusst an erster Stelle) und Verkehrssicherheit,

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16.09.2019

Diese gleichen Kinder und Eltern gehen dann auf die Straße um für den Klimaschutz zu demonstrieren.

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16.09.2019

Das zweifle ich jetzt einfach mal an ;-)

Die Frage bleibt, ob wir nicht hier die wahren Mehrheiten sehen.

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16.09.2019

Genau das gleiche Problem wie überall - die einen prangern an dass die (Nutz)Tiere nicht ordentlich gehalten werden und die anderen kaufen das billigste Fleisch ……. hier sind s die Autofahrer-Eltern gegen Radler -Eltern, dann haben wir die Fußgänger gegen die E-Roller-Fahrer …..mich kotzt das mittlerweile an …… wie wär s denn mal mit leben und leben lassen? Es gibt nicht die einzig seligmachende Wahrheit - in keinem Bereich

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