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03.12.2012

Präzise trotz Größe

Der Oratorienchor in evangelisch St. Ulrich

Choristen können auch hervorragende Gesangssolisten sein. Das bewies das Konzert in der evangelischen Ulrichskirche: Drei der vier Solisten singen in Münchner Rundfunk- oder Opernchören. Auf dem Programm standen vier der sechs Kantaten (I, IV–VI) aus dem Weihnachtsoratorium von Bach, ein Publikumsmagnet. Die Aufführung war ausverkauft. Außerdem sang der renommierte, vor zehn Jahren gegründete Schwäbische Oratorienchor, den Orchesterpart spielten Mitglieder des hochkarätigen Bayerischen Staatsorchesters, es dirigierte Chorgründer Stefan Wolitz.

Trotz hundertköpfigem Chor und nicht gerade sparsam bestücktem Orchester gelang ihm eine bewundernswerte Präzision im Zusammenspiel, auch wenn bei dieser Größe dem filigranen und historisch orientierten Spiel Grenzen gesetzt sind. Die Chorstimmen – etwa der Sopran – und der Klangkörper insgesamt intonierten und artikulierten genau, Chor und Orchester stimmten zusammen, die drei Piccolotrompeten spielten wie aus einem Mund, auch wenn nicht alle Solisten stilistisch auf einer Wellenlinie lagen.

Strahlend schwerelose Höhen und Stimmschönheit

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Schwierige Solovorspiele wie das Piccolo-Terzett zu „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“, das Horn-Duett zu „Fallt mit Danken“, die Oboen-Strecken und das Violin-Duo in der Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ wurden souverän, die Streichersoli beseelt gespielt.

Wie in den verwandten Passionen Bachs ist die Tenorstimme auch Evangelist in besonders hoher Lage. Andreas Hirtreiter meisterte den enormen Anspruch eindrucksvoll, zunehmend lockerer. Benjamin Appl war ein junger Luxus-Bass, der neben seiner Stimmschönheit selbst in virtuosen Partien differenziert interpretierte. Der betörend lyrisch-volle Mezzosopran Jennifer Crohns entfaltete sich zunehmend, zugleich phrasierte die finnische Sängerin historisch bewusst und artikulierte plastisch. Sopranistin Priska Eser beeindruckte mit strahlenden, schwerelosen Höhen. Das Aufführungsniveau war durchweg begeisternd hoch. Entsprechend begeistert geriet auch der Applaus.

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