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Augsburg

20.08.2020

Prozess in Augsburg: 23-Jähriger attackiert Sanitäterin und Polizei

In Augsburg wollte ein 23-Jähriger eine Sanitäterin schlagen, auch auf Polizisten ging er los. Dafür landete er nun vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya (Symbolfoto)

Plus Ein 23-Jähriger muss vor Gericht, weil er eine Sanitäterin schlagen wollte. Auch gegenüber der Polizei wurde er aggressiv. Er stand bereits unter Bewährung.

Angriffe auf Vollstreckungsbeamte und Rettungskräfte werden seit 2017 härter bestraft. Der Gesetzgeber hat damit auf die zunehmende Aggression gegen Einsatzkräfte reagiert. Gerichte können bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe gegen Täter verhängen. So sah es für einen jungen Augsburger gar nicht gut aus, der jetzt vor dem Amtsgericht auf der Anklagebank saß.

So hat sich die Zahl der Straftaten in Augsburg verändert

Diese Zahlen sind zwar nur begrenzt aussagekräftig. Sie hängen zum Beispiel auch davon ab, wie stark die Polizei im Drogenmilieu kontrolliert oder wie viele Schwarzfahrer von den Stadtwerken angezeigt werden. Aber ein Trend lässt sich daraus durchaus ablesen. Und der zeigt deutlich nach unten. Die Kriminalität ist so niedrig wie nie in den vergangenen zehn Jahren. Erfolge kann die Polizei auch auf Gebieten vorweisen, die viele Bürger betreffen – bei den Wohnungseinbrüchen und bei der Straßenkriminalität. Auf beiden Feldern sind die Zahlen ebenfalls rückläufig.

Der 23-Jährige, bereits einschlägig bekannt, hatte im August vorigen Jahres vor dem Kesselhaus, einem Augsburger Nachtclub, einen größeren Polizeieinsatz ausgelöst. Es war weit nach Mitternacht, als es zwischen jungen Leuten einer Geburtstagsparty und anderen Clubgästen zu einer Schlägerei kam. Weil es Verletzte gab, wurden die Polizei und Sanitäter gerufen. Während einer der Verletzten im Rettungswagen versorgt wurde, versuchte der Angeklagte, sich Zutritt zu dem Wagen zu verschaffen.

Mann schlägt nach Notfallsanitäterin: Fall landet vor Augsburger Justiz

Eine Notfallsanitäterin schubste ihn aus dem Fahrzeug, der betrunkene Mann schlug zu. Seinen Faustschlag ins Gesicht konnte die 23-Jährige jedoch abwehren. Mehrere Polizisten, durch Hilferufe alarmiert, stürzten sich auf den Täter. Der Mann habe wie wild unverständliches Zeug geschrien und sich „wie ein Berserker gegen seine Festnahme gewehrt.“

Im Prozess beschrieb einer der Polizisten die Situation als „sehr chaotisch“. Erst als zur Unterstützung zwei weitere Funkstreifen eintrafen, konnte der Täter an Händen und Füßen gefesselt werden. Doch der 23-Jährige leistete trotz der Fesselung weiter Widerstand, beschimpfte, bedrohte und bespuckte Polizisten. Er bekam eine Spuckhaube aufgesetzt, wurde für den Transport in den Arrestraum des Polizeipräsidiums in einen Rollstuhl gesetzt.

Im engen Fahrstuhl des Präsidiums sei es noch einmal tumultartig geworden, berichteten Polizisten vor Gericht. Der Tobende habe versucht, sie mit Kopfstößen zu attackieren. Wie einer der Polizisten aussagte, beendete er die Attacken mit einem Faustschlag ins Gesicht des 23-Jährigen. Wenig später mussten seine Kollegen jedoch noch einmal Pfefferspray einsetzen, um eine Leibesvisitation vornehmen zu können.

Fast jeder zweite Beamte ist in Bayern von Beleidigungen, Angriffen oder Widerstandshandlungen betroffen. Innenminister Herrmann hält die Entwicklung für „besorgniserregend und absolut inakzeptabel“. In der Mehrzahl der Fälle sind Alkohol und Drogen im Spiel. Der Minister fordert harte Strafen, wie er im Juni bei der Veröffentlichung der neusten Kriminalstatistik sagte.

Angriff aus Sanitäterin: 23-Jähriger legte sich wiederholt mit Polizei an

Der Angeklagte (Verteidiger: Marco Müller) hatte sich schon vor dem Vorfall vor dem Kesselhaus wiederholt vor Diskotheken mit Türstehern und der Polizei angelegt. Erst im vorigen November hatte ihn ein Gericht deswegen zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Da die jetzt angeklagten Taten noch vor der Gerichtsverhandlung im November passiert waren, hat der 23-Jährige nicht gegen Bewährungsauflagen verstoßen. Das erspart ihn das Gefängnis.

 

Das Amtsgericht hat die im Ersturteil verhängte Freiheitsstrafe auf zwei Jahre erhöht, ausgesetzt zur Bewährung. Dem Angeklagten half ein Bericht der Jugendgerichtshilfe, wonach er sich in jüngerer Zeit positiv entwickelt habe. Der 23-Jährige, der als Lagerist arbeitet, befindet sich in therapeutischer Behandlung. Als Auflage des Gerichts muss er sich außerdem für ein Anti-Aggressionstraining anmelden.

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