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04.07.2010

Rund ums Rathaus ist der Luftraum der Mauersegler

Rund ums Rathaus ist der Luftraum der Mauersegler
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Mauersegler machen fast alles in der Luft: fressen, schlafen und sie pflanzen sich dort sogar fort. In Augsburg sieht man sie dieser Tage oft. Dasselbe gilt für Fledermäuse, die derzeit ihre Jungen aufziehen. Fotos: dpa/Kaya

Ein Frühsommerabend auf dem Rathausplatz. Es ist noch hell und das Wetter ist schön. Die Menschen sitzen in den Eiscafés oder auf den Stufen des Augustusbrunnens. Kaum jemand hat einen Blick dafür, wie ein Trupp pfeilschneller Flieger mit lauten "sri"-Rufen durch die Gassen saust. Doch wer den lustigen Gesellen bei ihrem rasanten "Fangspiel" im Luftraum über der Augsburger Altstadt zuschaut, wird keinen Zweifel haben: Diese Vögel haben jede Menge Spaß!

Es handelt sich um Mauersegler. Sie kommen Ende April aus ihren Winterquartieren im südlichen Afrika zu uns, um hier ihre Jungen groß zu ziehen. Was den Neststandort betrifft, sind sie nicht besonders anspruchsvoll. Nur hoch muss er sein und überdacht.

In Mitteleuropa brüten Mauersegler als echte Kulturfolger hauptsächlich in mehrgeschossigen Gebäuden. Sie finden Platz in Rollladenkästen, Mauernischen oder unter schief sitzenden Dachziegeln. Ursprünglich waren Felswände der natürliche Brutplatz. Heute sind Felsbrüter unter den Mauerseglern selten.

Mauersegler tun fast alles in der Luft: fressen, fortpflanzen und sogar schlafen. Da aber Eier und Jungvögel nicht fliegen können, müssen sie für ihr Brutgeschäft festen Untergrund aufsuchen. Dabei beschränkt man sich als Mauersegler allerdings auf das Notwendigste. Die Eier werden einfach auf den nackten Boden gelegt.

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Als Nahrung dienen Fluginsekten, die - wie soll es anders sein - im Flug erbeutet werden. Bei schlechtem Wetter müssen Mauersegler in andere Regionen ausweichen. Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Tiere dabei durchaus mehrmals im Jahr die Alpen überqueren. Die Nestlinge verfallen in dieser Notzeit in eine Art Tiefschlaf. Auf diese Weise können sie einige Tage ohne Nahrung überdauern.

Dem Mauersegler auf den ersten Blick sehr ähnlich ist die Mehlschwalbe. Allerdings ist sie kleiner und kontrastreich schwarz-weiß gezeichnet. Auch Mehlschwalben haben sich im Lauf der Evolution menschliche Gebäude als wichtigsten Brutplatz zu eigen gemacht. Unter Dachvorsprüngen bauen sie aus Lehm Kugelnester. Das nötige Baumaterial finden die Zugvögel vor allem in Pfützen. In Augsburg hat sich in Pfersee eine Kolonie dieser eifrigen Insektenjäger angesiedelt.

Zurück zum Rathausplatz, wo mittlerweile die Dämmerung eingebrochen ist. Um die erleuchteten Straßenlaternen fliegen vom Licht irritierte Nachtfalter. Plötzlich flattert ein kleiner schwarzer Schatten vorbei. Es ist eine Fledermaus auf der Jagd nach ihrem Frühstück, das sie über Ultraschalllaute ortet. Den Tag hat sie zusammen mit einigen Artgenossen in einem Dachstuhl in der Altstadt verbracht.

Jetzt ziehen Fledermäuse ihre Jungen groß

Die meisten Fledermausarten ziehen zurzeit ihren Jungen groß. Dazu finden sich die Weibchen zu kleinen bis sehr großen Kolonien, den Wochenstuben, zusammen. Die Männchen leben, je nach Art, während des Sommers als Einzelgänger oder in kleineren Gruppen zusammen. Im Herbst finden beide Geschlechter wieder zusammen. Dann ist Paarungszeit, bevor es ins Winterquartier geht, wo die Fledermäuse dicht gedrängt und kopfüber hängend in Winterschlaf verfallen.

Heute sind zahlreiche Tierarten, die unsere Gebäude als Brutplatz, Rückzugsraum oder Überwinterungsquartier nutzen, selten geworden und zum Teil sogar vom Aussterben bedroht. Mit einer nachsichtigen Gebäudesanierung, einer naturnahen Gartengestaltung und einer gewissen Toleranz ist oft schon ein wichtiger Beitrag für den Erhalt geleistet. Nicolas Liebig

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