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Klapps-Festival

14.10.2013

Scheußlich, schaurig, schicksalsschwer

Gerhard Seiler gibt bei Shakespeare-Szenen in seinem Figurentheater vollen Einsatz mit Stimme, Spiel und Temperament. Eine lebensgroße Puppe erzeugt magische Momente

Schauspieler oder riesige Puppe? Auf der Bühne thront reglos in sich versunken die Königin in Renaissancerobe. Selbst als sie zum Leben erwacht und sich bewegt, bleibt die Spannung zunächst bestehen. Bis Puppenspieler Gerhard Seiler (Hannover) dieser Königin seine hohe Fistelstimme leiht und im ausverkauften Abraxas am Samstagabend im Klapps-Festival eine Sternstunde des Puppenspiels anbricht.

London im Jahr 1600: Elizabeth I. feiert Geburtstag. Das Alter setzt ihr zu und sie wünscht Aufheiterung. Zum Glück ist Sir Archibald unter ihren Gästen und seine Torte entpuppt sich als niedliches Theaterchen. „Spielt mir meinen Shakespeare, aber in Eile!“, lautet der Befehl. Vielleicht das mit den Hexen? Schon schwirren die scheußlichen Weiber als Stabpuppe durch die Lüfte und raunen ihre Zaubersprüche. Den ehrgeizigen Macbeth, der kerzengerade im Kleid eines römischen Kaisers auftritt, gilt, es unter Blitz und Donner zu bezirzen. Blut soll er vergießen. Schaurig ist die Szene, die Gerhard Seiler von seiner Kanzel herab dirigiert – temperamentvoll die Marionetten führend, lustvoll die Dialoge sprechend und wirkungsvoll Shakespeares Verse im O-Ton deklamierend. Er gibt alles.

Ein, zwei Szenen genügen, um die Klassiker des englischen Dichters im Schnelldurchlauf mit Vergnügen zu erfassen. Den fiesen Jago, der Othello, den edlen Mohren, zum rasend eifersüchtigen Mörder seiner geliebten Desdemona macht. Puck, den dickbäuchigen, geschwänzten Schelm, der seine anmutige Elfengebieterin Titania zur blinden Liebhaberin eines rechten Esels macht. Die zierliche Julia, die statt ihres angebeteten Romeo den Shakespeare selber im Bett hat, bis endgültig die Lerche ihr Schicksal besiegelt.

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Seiler spielt Jahrmarkttheater auf höchstem Niveau. Er übertreibt die Handlung, lässt den Emotionen freien Lauf. Als Stimmwunder und begnadeter Komödiant macht Seiler Theater im besten Sinne unterhaltsam, aber er verrät zu keinem Zeitpunkt den großen Dramatiker. Riesiger Applaus, glückliche Gesichter.

Don Camillo stark gespielt, aber schwach geschrieben

Groß war die Vorfreude und groß auch der Andrang, als die Puppenspiel-Version der mit Fernandel und Gino Cervi überaus erfolgreich verfilmten Geschichten von dem streitlustigen Dorfpfarrer Don Camillo und seinem nicht weniger resoluten Erzrivalen, dem kommunistischen Bürgermeister Peppone, am Freitag zur Aufführung kam. Die hohen Erwartungen konnte das Puppentheater Dornerei (aus Neustadt an der Weinstraße) nur teilweise erfüllen.

Dies lag nicht am ebenso herzhaften wie gekonnten Spiel von Markus Dorner, der seine Guckkastenbühne mit Handpuppen im Alleingang souverän im Griff hatte. Mit bewundernswertem Einsatz spielte und sprach er beide „Helden“, hantierte mit allerlei Viehzeug (Ochs, Esel, Schaf, Hund und Camillos Lieblingshenne Columbina) und radelte höchstpersönlich über den Marktplatz des hier Pulcinella genannten Örtchens.

Wie sich Camillo und Peppone schlagen und vertragen, wie sie sich buchstäblich zusammenraufen, sorgte auch als Puppenspiel für manchen Lacher. So zeigten die Jagd-Episode (mit den wildernden Streithähnen, einem übermotivierten Hund und umherfliegenden Beutehasen) und ein Zigarre rauchender Camillo, wo die Stärken einer Puppen-Version liegen können.

Das schwach geschriebene Stück litt jedoch unter einem allzu klamaukbetonten Konzept, dessen Gegenwartsanspielungen dem Aufkommen einer „typisch“ italienischen Atmosphäre mehr schadeten als nützten. Die einzelnen Episoden waren von unterschiedlicher Qualität und enthielten so manche Längen. Hinzu kam, dass ausgerechnet die Don-Camillo-Figur, die hier wie ein Kasperle im Priestergewand anmutete, wenig sympathisch wirkte und viel zu salbungsvoll sprach.

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