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Kino

26.01.2019

„Schindlers Liste“ ergreift noch immer

Oskar Schindler (Liam Neeson, l.) und sein jüdischer Buchhalter Itzhak Stern (Ben Kingsley) stellen eine Liste von über 1100 jüdischen Arbeitern zusammen, die Schindler zu retten hofft – eine Szene aus dem Film „Schindlers Liste“.
Bild: dpa

Steven Spielbergs Holocaust-Film wird wieder gezeigt. Schüler sind das erste Publikum

Mucksmäuschenstill ist es im Kinosaal. Kein Flüstern, kein Raunen, nur ein Schniefen gegen Ende. Zweifelsohne berührt Steven Spielbergs Film „Schindlers Liste“ die jungen Zuschauer. Aus drei Augsburger Gymnasien sind sie am Freitagmorgen zur Sondervorstellung ins Thalia-Kino gekommen. Sie sind die Ersten, die 25 Jahre nach Entstehen des berühmten Holocaust-Films die technisch überarbeitete Kopie sehen. Am Sonntag, 27. Januar, dem Holocaust-Gedenktag in Deutschland, wird „Schindlers Liste“ in allen Kinos einmalig vorgeführt.

„Man glaubt, dass man weiß, was damals war …“, sagt eine Schülerin des Holbein-Gymnasiums am Schluss nachdenklich. Der Film über Oskar Schindler, der mit seiner Metallwaren-Fabrik 1200 Juden in Polen vor dem sicheren Tod retten konnte, ist nicht nur ihr sichtlich nahe gegangen. „Am Ende habe ich auch geweint, als die überlebenden Schindler-Juden aufmarschiert sind“, bekennt Vivien Fünfer von der Klasse 9b des Stetten-Instituts. „Ich bin beschämt, dass die Menschen damals nicht verstanden haben, welches falsche Denken sie hatten.“ So sagt der SS-Mann Amon Göth, Kommandant des KZ-Lagers Plaszow, im Film in schrecklicher nationalsozialistischer Ideologie zu einer jungen Jüdin: „Du bist kein Mensch im eigentlichen Sinn, eher wie Ungeziefer, Ratten und Läuse…“

Carina Weihmayr aus der 9c des Stetten-Instituts nimmt aus „Schindlers Liste“ Anschauungen mit, die ihr der Unterricht bislang so nicht vermittelt hat. Das willkürliche Töten im KZ ging ihr besonders an die Nieren: „Jeder hat doch das Recht zu leben. Es erschreckt mich, wie die Nazis mit anderen Menschen umgegangen sind.“

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Ihr Lehrer für Deutsch und katholische Religion, Volker Bippus, hat den dokumentarischen Spielfilm schon öfter gesehen. Er erinnert sich auch noch an Kinogespräche mit dem Augsburger Zeitzeugen und Ehrenbürger Mietek Pemper (1920–2011), der als Schreiber von Amon Göth alles aus nächster Nähe erlebt und auch Steven Spielberg beim Drehen beraten hatte. Allerdings hielt Mietek Pemper sich damals im Hintergrund und überließ den Heldenpart dem verstorbenen Itzhak Stern. „In der Filmfigur steckt jedoch zur Hälfte der echte Pemper“, weiß Lehrer Volker Bippus.

„Der Film gehört zur Allgemeinbildung, jeder Deutsche sollte ihn gesehen haben“, meint Holbein-Gymnasiast Jonas. „Schindlers Liste“ sei immer wieder spektakulär, weil er hautnah und emotional miterleben lässt, was die Juden im Hitler-Reich erleiden mussten. Und weil es in Oskar Schindler einen gab, der trotz seines liederlichen Lebenswandels unerschrocken viele Menschenleben rettete. Wenn „Schindlers Liste“ nun einmalig am Sonntag ins Kino kommt, rät Jonas: „Unbedingt anschauen!“

„Schindlers Liste“ läuft im Thalia (10 Uhr), Liliom (14 Uhr mit Einführung von Regina Pemper), Cinemaxx (13.30 Uhr), Cinestar (16 Uhr), Cineplex Aichach, Königsbrunn und Meitingen (jeweils 15 Uhr). Im Thalia können weitere Schulvorstellungen unter der Telefonnummer 0800/8563050 gebucht werden.

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