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Augsburg

09.09.2019

Schulanfang: So verhalten sich Eltern richtig

Wer am ersten Schultag sein Kind fotografiert, muss aufpassen: Bilder anderer Jungs und Mädchen dürfen ohne deren Einverständnis nicht fotografiert, geschweige denn in sozialen Netzwerken, verbreitet werden. Die Schulen sorgen zum Teil vor.
Bild: Silvio Wyszengrad, Montage: Josef Stegmiller

Über 2200 Kinder gehen am Dienstag erstmals in den Unterricht. Es ist ein Tag, den man festhalten muss. Doch fürs Fotografieren gelten immer strengere Regeln. Was den ersten Schultag in Augsburg sonst noch prägt.

Am Dienstag ist es soweit: Das neue Schuljahr beginnt. Für 2261 Mädchen und Jungs ist dieser Tag in Augsburg etwas ganz Besonderes: Es ist ihr erster Schultag überhaupt. Nicht nur sie werden deshalb aufgeregt sein, sondern auch ihre Eltern und Großeltern.

Der Beginn des neuen Lebensabschnitts, des viel zitierten „Ernsts des Lebens“, soll dann auch für alle Zeit festgehalten werden. Am besten mit Handyfotos und kleinen Videoschnipseln, die schnell in sozialen Netzwerken geteilt werden können, damit auch Freunde und Verwandtschaft an diesem Ereignis teilhaben können. Nur: Ist das in Zeiten strenger Datenschutzregelungen auch erlaubt?

Fotografierverbot gibt es in Augsburg nicht

In Sachsen wurden in diesem Jahr an manchen Grundschulen gleich von vornherein Fotografierverbote erteilt, damit es erst gar nicht zu einem Datenschutz-Verstoß kommt. Das sorgte für Unmut bei den Eltern sowie für Grundsatzdiskussionen. In Bayern gibt es ebenfalls Richtlinien: „Bei schulischen Veranstaltungen, beispielsweise der Einschulung, weisen die Schulleitungen eindringlich darauf hin, dass die Eltern nur ihr eigenes Kind fotografieren dürfen und keine Bilder und Videos mit anderen Kindern oder Personen ohne deren Einverständnis ins Netz gestellt werden dürfen“, erklärt Augsburgs Schulamtsleiter Markus Wörle. Dies sei bei allen hiesigen Schulen seit Langem gängige Praxis. Das gleiche gelte für Videos.

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Rechtsanwalt Maximilian Wendl von der Kanzlei Seitz, Weckbach, Fackler & Partner ist selbst bislang noch kein einziger Fall vorgekommen, in dem eine Privatperson gegen ein Bild auf Facebook oder Instagram vorgegangen wäre. „Die Datenschutz-Grundverordnung findet im rein privaten Gebrauch keine Anwendung. Aber natürlich gilt das allgemeine Persönlichkeitsrecht, das besagt, dass jede Person das Recht am eigenen Bild hat“, erklärt er.

Das bedeutet, dass grundsätzlich eine Einwilligung für die „Zurschaustellung von Fotos“ benötigt wird – jede Person, die darauf abgebildet ist, muss zugestimmt haben. Doch es gibt Ausnahmen. Wendl: „Wenn es sich bei der Person, um eine Person der Zeitgeschichte, also eine berühmte Persönlichkeit, handelt. Oder wenn es um eine Panoramaaufnahme beispielsweise auf dem Rathausplatz geht und die Person nicht im Mittelpunkt steht, sondern nur Beiwerk ist.“

Auch bei minderjährigen Azubis muss man aufpassen

Für Mitarbeiterfotos im Intranet oder Internet gelte wiederum die Datenschutz-Grundverordnung. Hier muss der Arbeitgeber ebenfalls im Vorfeld die Einwilligung der fotografierten Personen einholen. Rechtsanwalt Wendl rät Firmen, bei minderjährigen Auszubildenden neben der Einwilligung der Jugendlichen auch noch die schriftliche Einverständniserklärung der Eltern einzuholen.

An Schulen wird freilich schon seit Langem eine differenzierte Einverständniserklärung der Eltern eingeholt. Sie gilt für die Veröffentlichung von Fotos in der Schule, auf der Homepage oder zum Beispiel auch im Jahresbericht, sagt Wörle. „Die Erziehungsberechtigten entscheiden dann schriftlich, welche Art der Veröffentlichung genehmigt wird. Das heißt, der Schüler wird bei einem Verbot durch die Eltern erst gar nicht auf das Foto kommen“, erklärt der Schulamtsleiter. Schwarze Balken über Gesichtern oder, wie seit jüngstem beliebt, gelbe Smileys, gehörten längst der Vergangenheit an.

Wörle fühlt sich gut gewappnet für das neue Schuljahr. Es sei zwar im Vergleich zum vergangenen Schuljahr ein deutlicher Zuwachs an Schülern zu verzeichnen, dennoch sei das Stadtgebiet mit „Lehrkräften sehr gut versorgt“. In den Augsburger Grundschulen gibt es 168 Schüler mehr als im September des vergangenen Jahres. Allein in diesem Jahr wurden 22 Kinder mehr eingeschult – obwohl 132 Kinder zurückgestellt wurden und rund 240 sogenannte Korridorkinder ein Jahr länger im Kindergarten bleiben.

Wie sich die Zahlen in Augsburgs Schulen entwickeln

„Das liegt an geburtenstarken Jahrgängen und Zuzügen“, erklärt Schulrat Dominik Dennerle. Aufgrund der demografischen Entwicklung werde sich der Trend in den kommenden Jahren auch so fortsetzen. Die Augsburger Mittelschulen konnten im Vergleich zum vergangenen Jahr ebenfalls um 87 auf 5076 Schüler zulegen. Ein Platzproblem gebe es aber nicht. „Jede Klasse wird ihr eigenes Zimmer haben“, sagt Dennerle. Trotz der gestiegenen Schülerzahlen sind im Grundschulbereich sieben und im Mittelschulbereich sechs Klassen eingespart worden. Der Klassenschnitt liege dennoch weit unter den vom Kultusministerium vorgegebenen Richtwerten. Im Schnitt kommen die hiesigen Grundschulklassen auf 20,55 Schüler pro Klasse, die Mittelschulen auf 19,37. Das liege vor allem am hohen Migrationsanteil in den Schulklassen, der im Vergleich zum vergangenen Jahr ebenfalls angestiegen ist. 60 Prozent aller staatlichen Grundschul- und 73 Prozent aller Mittelschulkinder in Augsburg haben ausländische Wurzeln.

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