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Augsburg

01.03.2019

Seehofer ist jetzt Ehrenbürger - Protest auf dem Rathausplatz

Der Augsburger Neu-Ehrenbürger Horst Seehofer will sich nach eigener Aussage weiter für Augsburger Belange einsetzen. Im Video-Interview erklärt er, was er damit meint und was ihn mit Augsburg verbindet.
Video: Nicole Prestle/Niklas Molter

Innenminister Horst Seehofer ist neuer Ehrenbürger von Augsburg. Vor der Zeremonie in Rathaus gab es Protest - aber auch eine Dankeschön-Aktion.

Der Eintrag datiert auf den 16. Februar 2009. Es ist ein Satz, der von großer Bedeutung für die spätere Entwicklung der Stadt Augsburg und der Region werden sollte. „Die Uni-Klinik kommt!!!“, schrieb Horst Seehofer ins Goldene Buch der Stadt. Es war der Antrittsbesuch des damals frisch gekürten Ministerpräsidenten, der ihn im Februar 2009 ins Rathaus führte.

Jenen Satz, der als politische Ansage zu verstehen war, versah der CSU-Politiker zudem am Ende mit drei Ausrufezeichen. Seehofer erntete für diese Aussage anfangs viel Spott, weil der Kampf um die Universitätsklinik in Augsburg in vielen Jahren zuvor gescheitert war. Doch seit 1. Januar 2019 hat Augsburg eine Uniklinik.

Horst Seehofer trägt sich nochmal mit einer klaren Ansage ins Goldene Buch der Stadt ein

Am Freitag, 1. März, hat sich der Kreis geschlossen. Seehofer, mittlerweile als Bundesinnenminister tätig, kam einmal mehr ins Rathaus. Dieses Mal in einer ganz besonderen Mission in eigener Sache. Seehofer wurde zum Ehrenbürger der Stadt Augsburg gekürt. Fast auf den Tag genau zehn Jahre nach seinem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Und natürlich wurde mit Spannung erwartet, wie sich der nunmehr 39. Ehrenbürger der Stadt Augsburg positioniert.

Seehofer wusste, dass die Stadt wieder das Goldene Buch auslegen würde. Dieses Mal sollte er die Unterschrift am 1. März als Ehrenbürger setzen. Um exakt 12.11 Uhr setzte sich Seehofer auf den Stuhl am vorbereiteten Platz, wo das Goldene Buch lag. Er ließ sich etwas Zeit. Wohl auch deshalb, um von den vielen anwesenden Medienvertretern gefilmt und fotografiert zu werden. Dann nahm Seehofer den Füllfederhalter und schrieb: „Das Werk ist getan!!! Weitere Werke werden vom Ehrenbürger unterstützt!!!!“

Bild: Silvio Wyszengrad

Dass Seehofer sich um die Universitätsklinik hohe Verdienste erworben hat, das kam in der knapp zweistündigen Veranstaltung immer wieder zur Sprache. Von einem „Jahrhundertprojekt“ war wieder die Rede. Der Festakt fand am Vormittag vor 250 geladenen Gästen statt. Draußen vor dem Rathaus war zur gleichen Zeit eine Protestaktion, die sich gegen die Ernennung von Seehofer als Ehrenbürger richtete.

Knapp 20 vorwiegend junge Leute waren dem Aufruf einer Jugendorganisation gefolgt. Die Polizei war mit einem größeren Aufgebot vor Ort. Der Protest auf dem Rathausplatz richtete sich vor allem gegen Seehofers Flüchtlingspolitik. Redner war unter anderem Frederik Hintermayr, der für die Linkspartei im Bezirksrat sitzt. Er kritisierte, Seehofer habe den öffentlichen Diskurs „nach rechts gerückt“. Seehofer habe etwa den Satz gesagt, Migration sei die „Mutter aller Probleme“. Ihn ausgerechnet in einer Stadt wie Augsburg mit einem Migrationsanteil von knapp 50 Prozent zum Ehrenbürger zu machen, sei eine „Frechheit“, sagte Hintermayr.

Innenminister Seehofer wird Ehrenbürger in Augsburg

Innenminister Horst Seehofer ist in Augsburg angekommen. Oberbürgermeister Kurt Gribl wird ihn zum Ehrenbürger ernennen. Während eine Gruppe Seehofer vor dem Rathaus für die Uniklinik dankte, protestierte eine andere gegen seine Flüchtlingspolitik.

Gepostet von Augsburger Allgemeine - Augsburg am Freitag, 1. März 2019

Draußen wird nicht nur gegen Ehrenbürger Horst Seehofer protestiert

Direkt vor dem Rathaus hielt eine Gruppe, zu der auch CSU-Politiker gehörten, ein Transparent hoch: „Danke Horst für die Uniklinik“. Drinnen im Rathaus war es eine entspannte Atmosphäre, zu der die drei Laudatoren und Ehrenbürger Seehofer selbst mit ihren Äußerungen beitrugen. Es war herauszuhören, welche Dimension die Universitätsklinik für die weitere Entwicklung der Stadt haben kann.

In dieser Form zum ersten Mal trugen Oberbürgermeister Kurt Gribl und Seehofer vor, dass die Idee einer Uniklinik für Augsburg keineswegs ein Zufallsprodukt gewesen sei. Der damalige OB-Kandidat Gribl erinnerte an seinen Wahlkampf im Jahr 2007, als Seehofer ihn bei einem Auftritt unterstützte: „Schon damals war das Klinikum ein Thema. Seehofer sagte, da muss man halt dann eine Uniklinik machen.“ Im November 2008 besuchten OB und der damalige CSU-Landtagsabgeordnete Bernd Kränzle den Ministerpräsidenten Seehofer in München. Und dieses Mal ging es wieder ums die Zukunft des Großkrankenhauses in Augsburg. So erkläre sich auch die Chronologie, dass Seehofer dann im Februar 2009 den fast schon historischen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt setzte.

Horst Seehofer: "Die Uniklinik ist etwas Bleibendes"

Aus dem Munde von Ehrenbürger Seehofer war über die Vorgeschichte ebenfalls einiges zu erfahren: „Mein Eintrag ins Goldene Buch im Februar war eben nicht dem Zufall geschuldet.“ Das, was ihn danach erwartet habe, wühle ihn sogar heute noch etwas auf: „Es gab Bemerkungen wie ’halt ein typischer Seehofer’ sowie Häme und Spott.“ Ein CSU-Landtagsabgeordneter habe ihn in München mit den Worten empfangen, „er weiß, wie man eine Uniklinik in Augsburg verhindert“.

Dass das Projekt trotz vieler Widerstände durchgezogen werden konnte, führt Seehofer auf den Einsatz „großer Persönlichkeiten“ zurück. Dazu er explizit den Namen von Prof. Klaus Peter, der viele Jahre ein Uniklinik in München geleitet hat. Peter habe sich bei der Entwicklung der Uniklinik Augsburg extrem eingebracht, sagte Seehofer. Die Unipräsidentin, die Klinik selbst und der Wissenschaftsrat hätten das Projekt ebenfalls positiv unterstützt: „OB Gribl war der Motor.“

Seehofer nahm auch Bezug zur eigenen Rolle: „Der eigentliche Kern der Politik ist es, Bleibendes zu schaffen.“ Routineaufgaben würden von Mitarbeitern viel besser umgesetzt. Ein Politiker müsse aber auch Visionen entwickeln und diese später umsetzen: „Die Uniklinik ist etwas Bleibendes.“ (mit jaka)

Lesen Sie dazu unseren Kommentar: Horst Seehofer ist ein Freund der Augsburger

Horst Seehofer ist Ehrenbürger der Stadt Augsburg geworden - für seine Verdienste um die Uniklinik. Wir zeigen den Festakt im Rathaus in Bildern.
28 Bilder
Horst Seehofer ist jetzt Ehrenbürger von Augsburg
Bild: Silvio Wyszengrad

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Die Diskussion ist geschlossen.

01.03.2019

Herr Seehofer sie hätten viel mehr als diese Auszeichnung verdient aber der letzte Schritt und Mut hat vielleicht gefehlt....schade

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02.03.2019

Für was hat er es denn verdient?

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01.03.2019

Das soll wohl ein Witz sein, ein Seehofer, der während dem Wahlkampf gehetzt und gespalten hat bekommt einen solchen Titel.
Als Innenminister komplett unbrauchbar, das Heimatministerium komplett Sinnfrei....Aber klar, Gribl will auch paar Punkte gut machen...

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01.03.2019

Mit Ihrer Meinung stehen Sie,
zumindest in Bayern, mit einer Minderheit , heute im Regen da. ;)

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