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Augsburg

27.05.2014

Sehbehinderte Todesfahrerin bekommt Bewährungsstrafe

Eine sehbehinderte Frau hat beim Abbiegen einen Radfahrer übersehen und den Mann dabei tödlich verletzt. Die Frau wurde zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.
Bild: Symbolbild Sebastian Iwersen (dpa)

Eine 60-jährige Augsburgerin, die sehbehindert ist, übersah beim Abbiegen einen Radler. Sie ließ ihn bewusstlos liegen. Das Gericht verhängte nur eine Bewährungsstrafe.

Ein Autofahrer verschuldet einen tödlichen Verkehrsunfall. Anschließend lässt er das schwerverletzte Opfer hilflos auf der Straße zurück, begeht Fahrerflucht. Eine schlimme Straftat, für die Gerichte die Schuldigen normalerweise längere Zeit ins Gefängnis schicken. Nicht so gestern vor dem Augsburger Amtsgericht.

Und das hatte gar nichts damit zu tun, dass hier eine Frau auf der Anklagebank saß; eine Brasilianerin, die mit ihrem Mann schon lange in Augsburg lebt. Am 3. August vorigen Jahres war die 60-Jährige morgens im Universitätsviertel unterwegs gewesen. Auf Bitten einer Freundin, die verhindert war, wollte sie putzen gehen. Auf dem Weg zu der Arbeitsstelle war sie rechts in die Werner-von-Siemens-Straße abgebogen, übersah dabei jedoch einen geradeaus fahrenden Radler.

Der 72-Jährige stürzte, prallte mit dem Oberkörper gegen die Seitenscheibe, die zersplitterte und blieb bewusstlos auf der Fahrbahn liegen. Der Rentner starb zwei Tage später im Klinikum an den Folgen eines schweren Schädel-Hirn-Traumas.

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Angeklagte stand unter Schock

„Ich bereue das wirklich“, sagte die Angeklagte, immer wieder mit den Tränen kämpfend. „Ich war wie im Schock, ich wollte nur weg.“ Wenige Straßenzüge entfernt stellte sie ihr Auto ordnungsgemäß ab und begann Büros zu putzen, während sie in der Ferne die Sirenen von Polizei und Notarzt hörte.

Dass die Angeklagte (Verteidiger: Peer Braml) im Straßenverkehr mit einem körperlichen Handicap zu kämpfen hat, spielte im Prozess eine wichtige Rolle. Die Brasilianerin ist wegen einer Netzhautablösung am rechten Auge blind. Sie hatte deswegen auch eine besondere Führerscheinprüfung ablegen müssen.

Am Unfalltag hatte sie jedoch versäumt, den Kopf weit genug nach rechts hinten zu wenden. Staatsanwalt Marco Ottaviano sprach von einem kleinen, aber tragischen Fehler.

Anklage beantragte nur Bewährungsstrafe

Obwohl er der Angeklagten „stark ankreidete“, den Schwerverletzten einfach liegen gelassen zu haben, beantragte der Ankläger lediglich einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Das Gericht war sogar noch milder gestimmte. Es verurteilte die Angeklagte zu 16 Monaten auf Bewährung. Außerdem muss die Autofahrerin für 18 Monate den Führerschein abgeben und obendrein eine Geldbuße von 1200 Euro zahlen.

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