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Augsburg bloggt

27.03.2017

Sie sieht Augsburg jetzt mit anderen Augen

Ein ungewöhnliches Fahrrad? Miriam Lochner geht mit offenen Augen durch die Stadt. In ihrem Blog schreibt sie über ihre Beobachtungen in Augsburg, aber auch über das Leben.
Bild: Jakob Stadler

Miriam Lochner kam zum Studium nach Augsburg und blieb. Im Blog „Auxkvisit“ hat sie die Stadt kennengelernt. Sie schreibt über ihr Leben, Dating und verteilt auch mal Zettel.

Der kleine Post-it-Zettel leuchtet pinkfarben und sticht einem sofort ins Auge. „Heute kann total toll werden. Wenn Du es willst“, steht darauf. Ein kleiner Motivationsschub, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann klebt seit Wochen hie und da in Augsburg. Miriam Lochner hat diese Zettel geschrieben.

Das Schreiben ist ihr wichtig, sie hat es aber nicht zu ihrem Beruf gemacht. Die 36-Jährige ist Artdirektorin und arbeitet in einer Augsburger Werbeagentur. In ihrer Freizeit schreibt sie seit Anfang 2015 in ihrem wunderschön illustrierten Blog Auxkvisit über die Stadt, kulturelle Veranstaltungen, Restaurants, aber am meisten eigentlich über ihr eigenes Leben.

Dabei macht sich auch vor sehr persönlichen Themen nicht halt und plaudert schon einmal von ihren Dating-Erfahrungen über die Handy-App Tinder. Mal ist es eine kleine Randnotiz von einem Treffen, mal holt sie weit aus. Ein Auszug:

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Dating wird bei den Über-30-Jährigen immer schwieriger. Verständlich – da wird die Luft eben dünner: Die meisten in diesem Alter sind vergeben, kurz davor zu heiraten, stecken in einer Scheidung oder befinden sich deswegen in Therapie.

Lochner schreibt nicht nur über die Liebe

Dabei sind es aber keine Abhandlungen, die in jeder Frauenzeitschrift zu finden sind, sondern immer ihre ganz persönlichen Sichtweisen, stets unterhaltsam, oft sehr komisch. „Ich will in meinem Blog das echte Leben abbilden“, sagt sie und ist dabei oft ehrlicher als ihre Mitmenschen. So stellt sie bei der Augsburger Lesung von Michael Nast aus seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“ im fast voll besetzten größten Saal des Cinemaxx-Kinos fest:

Auf die Frage, wer alles bei Tinder sei, erhoben sich nur sechs Hände – come on!

In dem Blog der bekennenden Singlefrau geht es aber um viel mehr als um das mögliche Kennenlernen der großen Liebe. In ihrer Wahlheimat Augsburg blickt sie genau hin. „Ich bin hier hängen geblieben. Aber die Stadt entwickelt sich so positiv, da will man nicht mehr weg.“ Zum Studium kam die gebürtige Münchnerin, die in Neuburg an der Donau aufwuchs, nach Augsburg. Am Anfang sei das nicht immer einfach gewesen. Inzwischen ertappt sie sich immer mehr dabei, ein Augsburger geworden zu sein:

Dir ist soeben dein erstes „Hoi!“ aus dem Mund gerutscht. Deine Zunge blutet noch ein bisschen, denn eigentlich wolltest du das doch nie. Sonst hat sich aber niemand gewundert. Warum auch. Sagt man hier eben so. Hoi!

Sie schreibt über das Jugendfestival Modular, führt ein fiktives Interview mit der Campus-Cat, der berühmten Katze auf dem Unigelände, oder testet den Brunch im Tante Emma, oder lästert einfach einmal eine Runde über die gerade gesehene Folge von „Germanys next top Model“.

"Wenn ich mich quäle, höre ich lieber gleich wieder auf"

Zum gerade schwelenden Plakate-Streit gibt sie ebenfalls ihre Meinung in einem Blogbeitrag ab:

Und deswegen sollte Augsburg da die Anzahl der Plakate nicht bewusst minimieren, sondern lieber Anreize und Informationen bieten, wie man der Verschandelung vorbeugen kann.

Mit dem Blog verdient sie kein Geld, wird gelegentlich zu einer Vorstellung der Bluespots, auf ein Festival oder zur Vorstellung des neuen Ikea-Katalogs eingeladen. Miriam Lochner schreibt bei Auxkvisit regelmäßig einen Beitrag, postet mal ein Foto auf Facebook oder auf Instagram. „Ich arbeite aber ohne Redaktionsplan. Ich muss Lust zum Schreiben haben und investierte dann auch mal sechs bis acht Stunden. Wenn ich mich quäle, höre ich lieber gleich wieder auf“, sagt sie. 12.000 Mal wurde ihre Seite im vergangenen Jahr angeklickt. „Das ist wenig und viel zugleich“, sagt sie.

Das Radler, das fehlt

Eine Leserin ist wohl auch Bürgermeisterin Eva Weber, die ihr eine Nachricht schrieb. „In meiner persönlichen Vorstellung habe ich geschrieben, dass ich in Augsburg das österreichische Gösser-Radler vermisse. Eva Weber hat mir geschrieben, wo es dies in Augsburg zu kaufen gibt.“

Seit Miriam Lochner ihren Blog schreibt, geht sie aufmerksamer durch die Stadt, sieht Augsburg jetzt mit anderen Augen. Und muntert die Augsburger mit ihren Zetteln auf. Wie mit dem Spruch: „Heute kann Mega werden. Wenn Du es willst.“

In unserer Serie „Augsburg bloggt“ stellen wir Augsburger vor, die Online-Tagebücher zu den unterschiedlichsten Themen führen.

Den Blog „Auxkvisit“ finden Sie unter www.auxkvisit.de oder auf Facebook und Instagram.

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