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Augsburg

30.10.2019

So teuer wird der Umbau des Hauptbahnhofs

Ein Bild am Dienstagmittag am Augsburger Hauptbahnhof: Die Arbeiten an den Bahngleisen 5 und 6 gehen voran. Nach Stand der Dinge sollen die Gleise dann im April 2020 wieder in Betrieb gehen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Finanzentwicklung steht mal wieder in der Kritik. Wird das Projekt wirklich bis zu 300 Millionen kosten? Die Verantwortlichen reagieren gelassen – und bauen weiter.

Nicht zum ersten Mal steht der Umbau des Hauptbahnhofs im Schwarzbuch des Deutschen Steuerzahlerbunds. Kritisiert wird einmal mehr die Kostenexplosion beim „Jahrhundertprojekt“: Bis zu 300 Millionen Euro könnten es bis zur Fertigstellung werden, so der Bund der Steuerzahler.

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Der Augsburger CSU-Stadtrat Rolf von Hohenhau ist Präsident des Bayerischen Steuerzahlerbunds. Er wettert seit Jahren gegen die ausufernden Kosten und scheut sich nicht, CSU-Oberbürgermeister Kurt Gribl in die politische Verantwortung zu nehmen. Von Hohenhau verweist darauf, dass bei ersten Überlegungen für die Untertunnelung Kosten von 70 Millionen Euro genannt wurden. Dies war im Jahr 2006. Die Stadtwerke Augsburg, die in Abstimmung mit der Deutschen Bahn den Umbau managen, gehen jetzt von 230 bis 250 Millionen Euro an Kosten aus. Im Sommer 2023 soll das Projekt beendet sein.

Eva Weber zu Hauptbahnhof: 300 Millionen sind für mich in keiner Weise nachvollziehbar

Die Kritik des Steuerzahlerbunds war am Dienstag Thema bei einer Veranstaltung der Stadtwerke. Das Verkehrsunternehmen informierte über den Kauf von elf Straßenbahnen, die ab 2022 in Augsburg fahren sollen. Geschäftsführer Alfred Müllner sagte in einer ersten Reaktion, „dass mich die Zahl von 300 Millionen überrascht“. Sie sei unzutreffend und müsse zurückgewiesen werden. Eva Weber, Finanz- und Wirtschaftsreferentin der Stadt, griff den Steuerzahlerbund an: „Die 300 Millionen sind für mich in keiner Weise nachvollziehbar.“ Die Zahl werde durch keinerlei Ausführungen belegt.

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Stadt und Stadtwerke gingen dagegen transparent mit den Kosten um. In der Stadtratssitzung Anfang Mai habe Geschäftsführer Walter Casazza auf die Kosten Bezug genommen und erwähnt, dass es „im schlimmsten Fall“ 250 Millionen Euro werden könnten. Eva Weber, die für die CSU als OB-Kandidatin antritt, sagt auch, dass das Anfangsprojekt mit 70 Millionen Euro „überhaupt nicht mit dem Bahnhofsumbau zu vergleichen ist, der jetzt erfolgt“. Niemand freue sich über steigende Kosten, dennoch gelte: „Der Bahnhof musste umgebaut werden.“ Das sei der Wunsch der Augsburger und aller, die regelmäßig am Bahnhof verkehren.

Der Umbau läuft unter dem Schlagwort „Mobilitätsdrehscheibe“. Ziel ist, eine direkte Verbindung zwischen Bahn- und Tramverkehr zu schaffen. Dazu wird der Bahnhof untertunnelt, es gibt drei Ebenen: Oben fahren die Züge, die mittlere Ebene ist die Verteilerebene, unten fahren Trams. Für Fahrgäste gibt es kurze Wege: Aufzüge und Rolltreppen werden installiert, um für Reisende den Weg zu Tram und Zug bequem zu gestalten.

 

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9 Bilder
Schwarzbuch der Steuerzahler: Diese Projekte in Bayern verschwenden Steuern
Bild: Britta Pedersen, dpa

Arbeiten am Hauptbahnhof Augsburg gehen weiter - unabhängig von politischer Diskussion

Unabhängig von der politischen Diskussion gehen die Arbeiten weiter. Seit Mitte vergangener Woche sind die Bohrpfähle unter den Gleisen 5 und 6 fertig. Diese 24 Meter langen, im Erdreich versenkten Pfähle bilden die Außenwände der Straßenbahnhaltestelle auf beiden Seiten des späteren Tunnels. Erst im Jahr 2021 wird das Erdreich für die Straßenbahnhaltestelle zwischen den Bohrpfählen ausgehoben. Diese Bauweise dient dazu, dass oben die Personengleise möglichst schnell wieder in Betrieb gehen können.

Seit Abrücken der Großbohrgeräte am Donnerstag werden für die auf den Bohrpfählen ruhenden Bahnsteige und die Bahnsteigunterführung die Bewehrungen montiert, eingeschalt und Ende November wird betoniert. Ab Dezember werde dann der Deckel betoniert. Jürgen Fergg, Sprecher der Stadtwerke, sagte am Dienstag: „Voraussichtlich Anfang April gehen die Gleise 5 und 6 wieder in Betrieb.“

Auf der Ostseite – hier steht das Hauptgebäude des Bahnhofs – wird das Erdreich unter dem Bau ausgehoben. Derzeit wird noch im Technikgeschoss oberhalb des Straßenbahntunnels, aber unter dem Bahnhofsvorplatz gearbeitet. Der Treppenabgang, der künftig aus der Empfangshalle heraus in die Bahnsteigunterführung/Verteilerebene führt, ist betoniert, bis hierhin ist der Aushub fertig. Es folgt im nächsten Schritt der Abriss der Bohrpfahlwand im zweiten Untergeschoss. Es ist jene Ebene, in der die Straßenbahnen fahren. Der Aushub muss ebenfalls bald stattfinden. Dieser wird über den fertigen Tunnel in der Halderstraße abgefahren.

Hauptbahnhof Augsburg: Gleise 5 und 6 gehen im April 2020 wieder in Betrieb

Die Bauarbeiten sind vom Wetter weitgehend unabhängig. Es gibt nur eine kurze Weihnachtspause. Der Fahrplan für das Jahr 2020 steht ebenfalls: Im April werden die Gleise 5 und 6 wieder in Betrieb gehen, dann wiederholt sich der Vorgang zum Bau des nächsten Bahnsteiges: Aushub unter den Gleisen 3 und 4, Herstellen einer sicheren Baugrube, Setzen der Bohrpfähle für die Straßenbahnhaltestelle, Aufbau der Bahnsteigunterführung und der Bahnsteige. Dies dauert bis Dezember, ab Mitte Dezember 2020 fahren die Züge über die Gleise 3 und 4 wieder. Auf der Ostseite werden die Arbeiten unter dem Empfangsgebäude bis in den Sommer dauern.

Die Untertunnelung des Bahnhofs soll 2023 abgeschlossen sein, sodass ab August 2023 die Trams unterhalb der Gleise verkehren können. In den 230 bis 250 Millionen Euro, die momentan von den Stadtwerken als Kosten aufgelistet werden, sind etwaige Kostensteigerungen im Bausektor eingerechnet. Das Projekt Mobilitätsdrehscheibe samt Bahnhofsumbau wird mit dem Höchstsatz von 83 Prozent der förderfähigen Kosten von Bund und Land bezuschusst.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Skandalös am Augsburger Bahnhof sind nicht die Kosten

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30.10.2019

>> Eva Weber, die für die CSU als OB-Kandidatin antritt, sagt auch, dass das Anfangsprojekt mit 70 Millionen Euro „überhaupt nicht mit dem Bahnhofsumbau zu vergleichen ist, der jetzt erfolgt“. Niemand freue sich über steigende Kosten, dennoch gelte: „Der Bahnhof musste umgebaut werden.“ <<

Bahnhofsmodernisierung schön und gut - die Frage ist aber, MUSSTE man einen Tramtunnel bauen, wenn man eigentlich nicht den wirklichen Willen zum Ausbau des Tramnetzes hat?

Denn wenn nicht mal die Uniklinik mit tausenden Arbeitsplätzen und Besuchern eine schnelle Verbindung ins Zentrum hat, gibt es wohl wenig andere Ziele die überhaupt noch eine Straßenbahn rechtfertigen.

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