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Kabarett

24.10.2017

So tickt der Augsburger

Zum Schieflachen, wie Roland Krabbe (von links), Silvano Tuiach und Gabriela Koch die Augsburger aufs Korn nahmen.
Bild: Siegfried Kerpf

Geisterfahrer und Herr und Frau Braun sezieren scharfsinnig ihre Mitmenschen

Es war ein Abend, der wie im Fluge verging. Und der dem Publikum ein vergnügtes Lächeln in die Gesichter zauberte. Mit ihrem nach 18 Jahren nun wieder gemeinsamen Programm legten Herr und Frau Braun (Roland Krabbe und Gabriela Koch) & Geisterfahrer (Silvano Tuiach) im brechend vollen Spectrum eine glänzende Premiere hin. Nach dem Motto „So klein isch die Welt!“ sezierten sie scharfsinnig das Wesen nicht nur des typischen Augsburgers, sie karikierten auch die Strömungen unserer Zeit, von denen sich der Mensch von heute gerne mitreißen lässt.

Geisterfahrer Tuiach präsentierte sich als eifriger Bücherleser, der seine Zuschauer an den Früchten seiner Lektüre teilhaben lässt. In wenigen Minuten entfaltete er eine „Geschichte der Welt“, beginnend mit der Ursuppe, dem Paradies und der Arche Noah, bis hin zur „Sandburg auf den Sandberg“, wo man den Madjaren trotzte, und schließlich ins Augsburg heute, „der westlichsten Stadt der Türkei“.

Die Szenen folgten Schlag auf Schlag, die Übergänge waren geschickt gesetzt. Es joggten herein Herr und Frau Braun, Selbstoptimierer par excellence, die nur noch per App ihre Körperfunktionen, den guten Schlaf oder den „Happy-Life-Faktor“ bemessen. Ob die Sonne gerade scheint, das weiß nicht der Himmel, sondern das Handy.

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Eine Glanznummer war wieder „Herr Braun“ als „Professor Steinhäger“, der über das Gehirn des Augsburgers referierte. Dessen „Räumlichkeitsgehirn“ trage dazu bei, dass er, „wenn er beim Obi in Stadtbergen seinen Nachbarn trifft, ausruft: So klein isch die Welt!“ Das Zwischenhirn sei für „die sensorischen Eindrücke“ zuständig. Der Augsburger nehme das Umschalten einer Ampel von Rot auf Grün zu spät wahr, sich fragend: „Ist das jetzt wirklich das Grün, auf das ich gewartet habe?“

Über die Rituale von heute sinnierte Silvano Tuiach, insbesondere über das „Weihnachtsritual“. Eines davon ist der in den Wochen davor oft gehörte Ausruf, wenn man mit Leuten was ausmachen möchte: „Nein, vor Weihnachten nimmer!“ Tuiach begegnete auch wieder in seiner beliebten, schrullig-grantelnden Figur des „Herrn Ranzmayr“, der seiner Frau nicht mal den neuen Relaxsessel gönnt.

Immer wieder in neuer Zusammensetzung traten die drei Kabarettisten an: Die Brauns, Reihenhausbesitzer in Hammel, lauschten andächtig dem Versicherungsmenschen (Tuiach), der ihnen als Schutz vor Einbrechern empfiehlt, um ihr Haus einen Wassergraben mit Piranhas zu ziehen. Als „Bergvagabunden“, die in guter Freundschaft den Gipfel erreicht haben, brachen die beiden Herren in einen handfesten Streit darüber aus, ob die Gipfel in der Ferne jetzt die Spitzen vom Prediger- oder dem Milchberg sind. Berta Beitelrock (Gabriela Koch), Klofrau vom Stadtmarkt, Preisträgerin einer Verdienstmedaille der Stadt Augsburg, kommt, nachdem sie rührend offen von ihrem Berufsalltag berichtet hat, zum Schluss: „Der Stadtmarkt ohne Klofrau ist wie der Stadtrat ohne Kränzle.“

Zum Schieflachen zuletzt die Nummer, bei der sich Herr und Frau Braun als amerikanische Touristen von Tuiach im schönsten Bavarian-Englisch die Besonderheiten der Stadt zeigen lassen. Angesichts des Perlachturms erklärte er stolz: „This is the tower, where Michael comes out.“ Was bei dem herausgekommen ist, was Herr und Frau Braun & Geisterfahrer entwickelt haben, das kann sich wirklich sehen lassen!

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