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Aufenthaltsqualität

06.06.2019

So wirken Augsburgs Plätze auf die Bürger

Auf diesem Areal liegt die große Hoffnung Lechhausens. Wenn die Sozialstation von der Kirchenstiftung St. Pankratius – wie auf der Bautafel zu sehen – errichtet ist, kann die Platzgestaltung beginnen. Gegenüber vor dem Schlössle muss die Stadt erst noch die Decke der früheren Unterführung tieferlegen.
Bild: Michael Hochgemuth

Wie zufrieden die Stadtteilbewohner mit den diversen Zentren sind. Es hängt nicht allein von der Größe ab. Landschaftsarchitekt Friedrich Kots wird die Außenanlage vor der neuen Sozialstation in der Mitte Lechhausens gestalten

Impressionen von drei Augsburger Plätzen, die eigentlich nicht unterschiedlicher sein könnten.

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Frühmorgens an einem regnerischen Wochentag sieht man dem menschenleeren Inninger Dorfplatz nicht an, wie viel Potenzial er hat. Sitzbänke im Grünen, ein überdachter Pavillonbereich und ein Brunnen mit Retro-Charme: Der Inninger Dorfplatz ist eine kleine Oase der Ruhe, mitten in der Stadt. Das etwa 1000 Quadratmeter große Areal ist ein generationenübergreifender Anziehungspunkt. Von Jugendlichen, rastenden Radfahrern bis zu Spaziergängern aus dem nahe gelegenen Seniorenheim. „Wenn die Sonne scheint, sitzen wir gerne hier“, erzählt eine Dame, die – wie ihr Begleiter mit Rollator – an diesem Tag aufgrund des schlechten Wetters nur am Platz vorbei flaniert. Befragt nach Verbesserungswünschen fällt beiden nur eine Telefonzelle ein. Das ist wohl ziemlich nah dran an wunschlos glücklich. Zumal Handys deutlich handlicher sind.

Was auf den ersten Blick wirkt wie modernisierter historischer Ortskern, ist in Wahrheit ein künstlich geschaffenes Idyll. „Vor der Eingemeindung im Jahr 1972 war Inningen ein Dorf mit einer Hauptstraße, hatte aber nie einen richtigen Mittelpunkt“, erinnert sich Peter Oßwald, Erster Vorsitzender der Arge Inningen. So reifte die Idee eines zentralen Dorfplatzes. Dafür setzte sich seit 2001 unter anderem der ehemalige Stadtrat Willi Leichtle ein. Der Verein Inninger Dorfplatz e.V. wurde eigens gegründet und im Dezember 2009 wurde der Platz offiziell eingeweiht. Eingebettet zwischen der Kirche St. Peter und Paul, Pfarrhaus, ehemaligem Rathaus und ehemaliger Schule liegt der Dorfplatz zentral dort wo auch ein historisch gewachsener Dorfplatz zu finden wäre. „In der Nähe sind auch Hofladen, Ärztezentrum und Apotheke – das ist der Ortsmittelpunkt“, freut sich Peter Oßwald. „Der Dorfplatz ist ein kleines Juwel geworden“, schwärmt er. Das direkt angrenzende ehemalige Rathaus ist weiterhin belebt: Unter anderem beherbergt es das Büro der Arge Inningen, die Vereinsräume des Jugendrates und den Vorkindergarten Zauberkreisel.

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Der Dorfplatz steht jedem frei. Beliebt ist er beispielsweise als Hochzeitslocation. Er war aber auch schon Bühne für Dorffeste, Oldtimershows, Musikgruppen, Flohmarkt und den alljährlichen Neujahrsempfang. Ein offener Platz zieht anderswo in der Stadt auch ungebetene Gäste an. In Inningen scheint die Welt noch in Ordnung. „Wir hatten bisher keine Probleme mit Leuten, die man nicht auf dem Dorfplatz haben will“, so Peter Oßwald. Das Schlimmste was hier mal vorkam? Eine Bierflasche, die aus dem Brunnen gefischt werden musste.

Anderswo in Augsburg würde man das wohl als Luxusproblem einstufen. Beispiel Helmut Haller Platz: Das Areal vor dem Oberhauser Bahnhof ist als Treffpunkt für Suchtkranke bekannt. „Hier setzt man sich auch bei schönem Wetter nicht hin“, findet eine junge Mutter mit Kind. Ein älterer Herr wünscht sich „mehr Sicherheit“. Erst vor Kurzem habe er beim Weg zu den Altglascontainern beobachtet, wie eine Frau penetrant bedrängt wurde von einer Gruppe, die sie um Geld anbettelte. „Wir brauchen hier mehr Polizeipräsenz“, findet der Rentner. „Warum die Stadtverwaltung da nicht mehr tut, verstehe ich nicht.“ Ute Pongratz hält sich bisweilen am Helmut-Haller-Platz auf. Allerdings nur in der Nähe von der Gastonomie Bob´s. Die Branderstraße fungiert hier als eine Art Grenze, welche die normale Bevölkerung von der anderen Seite trenne. Vom Überschreiten dieser Grenze rät sie ab: „Drogenhandel, Alkoholiker, Messerstechereien – die Polizei muss hier oft anrücken“, so Pongratz. Doch auf der – im wahrsten Wortsinn – anderen Seite des Platzes finden sich viele gute Gründe, dem Platz einen Besuch zu erstatten.

Veranstaltungen wie das Musikfestival Sommer am Kiez beispielsweise oder eine Open-Air-Ausstellung über die Augsburger Fußball-Legende, welche dem Platz den Namen gab. „Im Sommer ist hier alles anders“, sagt Ute Pongratz. Die Stadt kennt allerdings auch die Schattenseite des Helmut-Haller-Platzes und bemüht sich, die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Nicht nur mit optischen Maßnahmen wie einem Hochbeet-Garten, sondern auch hinter den Kulissen. So finden suchtkranke Menschen vor Ort Beratung beim „beTreff“ (Betreuten Treff) in der Branderstraße.

Zugegeben: Ein italienischer Sandstrand ist die bestmögliche malerische Kulisse für den Verzehr von Eis. In Lechhausen braucht man ein bisschen Fantasie, um sich statt der Kreuzung am Schlössle das azurblaue Meer vorzustellen. Vor dem Eiscafé Crema Gelato rauschen Autos statt Wellen, doch immerhin das Eis ist original-italienisch. An einem regnerischen Tag fällt das Dolce-Vita-Lebensgefühl in Augsburg besonders schwer, doch der Passant Ömer Tiryaki weiß: Sobald es wieder wärmer wird, sind die Stühle vor dem Café von Sonnenanbetern umkämpft.

Derzeit ist das Eiscafé die einzige Einladung zum Pausieren an dem Platz, der seit Sanierung und dem Umbau auch Ärztehaus und Rewe beherbergt. „Es fehlt hier ein zentraler Punkt, wo man sich aufhalten kann und will“, findet Elisabeth Haugner. „Ich würde mich freuen über ein Café oder etwas ähnliches“, sagt Helene D. Beide haben Grund zur Freude, denn auf der anderen Straßenseite wird bereits an dieser Vision gearbeitet: Der Neubau Grüner Kranz soll neben Gastronomie, Sozialstation und seniorengerechten Wohnungen auch einen Zugewinn an Aufenthaltsqualität bringen. „Vorher war das ein unklar gestalteter Platz, nun wird das städtebaulich aufgewertet“, sagt Friedrich Kots. Der Landschaftsarchitekt Friedrich Kots zählt zu den Zuständigen für die zukünftigen Außenanlagen.

Bis Gastronomie, Bepflanzung und Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen, ist allerdings Geduld gefragt. Ende 2020 sollte der Bau abgeschlossen sein, so die Prognose. Wie realistisch das ist, wird sich noch zeigen müssen. Walter Wölfle von der Aktionsgemeinschaft Lechhausen sieht das Projekt als weiteren Meilenstein, der sich nahtlos in das Konzept der „schönen neuen Mitte von Lechhausen“ einfügt. Der Stadtplatz soll „Lechhausen für Jahrzehnte nutzen“, hofft Wölfle, der sich optimistisch gibt.

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