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Augsburg

10.08.2020

So wollen Pflegeheime einen Corona-Ausbruch verhindern

Wer einen Bewohner im Christian-Dierig-Haus in Pfersee besuchen will, muss einen Stopp bei Rena Hegel einlegen. Alle Besucher müssen sich bei ihr registrieren.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Für die Mitarbeiter von Augsburgs Senioreneinrichtungen gelten wegen Corona besondere Regeln. Doch gerade in der Urlaubszeit gibt es einige Probleme.

Die Vorbereitungen vor der Urlaubssaison liefen in diesem Jahr bei der städtischen Altenhilfe anders als gewohnt. An alle Mitarbeiter wurden Geschenke verteilt – die „Give-Aways“ beinhalteten ein Kappe zum Schutz gegen die Sonne und ein Hygiene-Gel. Dazu gab es eine Karte „Gut geschützt durch den Sommer“, die unter anderem zwei QR-Codes mit Links zu speziellen Internetseiten enthielt. Hintergrund: Sollten Mitarbeiter der Pflegeeinrichtungen krank aus dem Urlaub zurückkommen, könnte dies schwerwiegende Folgen für die Häuser der Altenhilfe haben.

Augsburgs Pflegeheim-Mitarbeiter kommen aus 29 verschiedenen Nationen

Wer die Codes mit seinem Smartphone scannte, gelangte zu den Schutzmaßnahmen des Robert-Koch-Instituts und den von der Bundesrepublik ausgewiesenen Risikogebieten. „Bei der Altenhilfe arbeiten Mitarbeiter aus 29 verschiedenen Nationen. Vor der Urlaubszeit haben wir sensibilisiert und appelliert, dass Richtlinien eingehalten werden müssen“, sagt Daniela Frumert von der Altenhilfe.

So stehen Serbien und Teile Bulgariens und Rumäniens auf der Liste der Risikogebiete des Auswärtigen Amtes. In den aufgeführten Staaten und Gebieten gilt ein erhöhtes Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren. Wer in diese Länder reist, müsse am ersten Arbeitstag nach dem Urlaub nicht nur einen negativen Corona-Test vorweisen können, sagt Frumert. „Unsere Mitarbeiter müssen auch eine gewisse Quarantänezeit in Deutschland verbracht haben.“

Pflegeheim-Mitarbeiter müssen nach Urlaub teils sieben Tage in Quarantäne

Das hat Konsequenzen für den Urlaub: Dass sie diesen Sommer nicht den gesamten Urlaub bei der Familie in den Heimatländern verbringen können, habe viele Mitarbeiter frustriert. „Normalerweise können viele Arbeitnehmer theoretisch mit einem negativen Corona-Test nach 48 Stunden im Einsatz sein. Die Rückkehr aus Risikogebieten stellt aber für uns in der Pflege ein besonderes Risiko dar. Deshalb haben wir mit dem Gesundheitsamt eine Quarantänezeit von sieben Tagen vereinbart“, erklärt Michaela Weber, Bereichsleiterin bei der CAB Caritas Augsburg Betriebsträger gGmbh. Das sei oft ein Dilemma für die Mitarbeiter. „Aber wir müssen unsere Bewohner schützen. Die Gefahr ist schließlich groß“, so Weber.

Buergerrecherche 

Durch diese Vorgaben soll auch die Planungssicherheit der Einrichtungen gewährleistet bleiben. „Die Mitarbeiter können schlecht eine zusätzliche Woche Quarantäne an ihren Urlaub dranhängen. Dann fehlt uns am Ende das Personal“, sagt Eckard Rasehorn, Chef der Arbeiterwohlfahrt in Augsburg ( AWO). Auch bei der AWO wurden die Mitarbeiter dazu angehalten, die Richtlinien verantwortungsvoll zu befolgen.

Augsburgs AWO-Chef sieht nachlassende Sorgfalt der Besucher

Während sich Mitarbeiter an die vorgeschriebenen Regeln hielten, stelle Rasehorn mit Sorgen eine nachlassende Sorgfalt bei den Besuchern fest: Mund-und-Nasenschutz würden nicht korrekt getragen oder dem Bewohner des Pflegeheims beim Besuch nicht übergestreift. „Pflegekräfte werden direkt angesprochen, obwohl sie per E-Mail oder Telefon angefragt werden sollen“, so Rasehorn. Die Besuchsregelungen hätten sich ansonsten gut eingespielt. Im Christian-Dierig-Haus der AWO in Pfersee könnten die Bewohner an fünf Tagen zwischen 14 und 18.30 Uhr besucht werden. Gäste müssten sich registrieren und den Bewohner in seinem Zimmer besuchen oder die Einrichtung gemeinsam verlassen. „Das ist schon ein großer Verwaltungsaufwand. Für die Registrierung mussten wir extra einen Mitarbeiter abstellen“, sagt Rasehorn.

Bei den städtischen Senioreneinrichtungen der Altenhilfe vereinbaren Besucher Termine. „Besuche finden großteils in Gemeinschaftsräumen oder im Freien statt“, sagt Daniela Frumert. Auch hier müssten die Mitarbeiter der Verwaltung einen erhöhten Arbeitsaufwand in Kauf nehmen. Es müsse Fieber gemessen, Erklärungen erteilt und Daten eingetragen werden. Frumert: „Wir haben eine Hauszeitung veröffentlicht, in der wir Bewohnern und Angehörige unter anderem unsere Besuchsregelungen erklären und für unsere Hygienevorgaben sensibilisieren.“

Heimen entsteht in Corona-Zeit Mehraufwand durch Reinigung und Desinfektion

Michaela Weber von der CAB bestätigt den Mehraufwand. Reinigung und Desinfektion beanspruchen viel Zeit und Bewohner seien aufgrund der Hygienevorgaben ebenfalls vor Herausforderungen gestellt. „Beim Sprechen durch eine Mundschutzmaske werden viele Wörter unverständlich. Gerade ältere Menschen, die nicht so gut hören, verstehen weniger.“ Die Mimik gehe beinahe völlig verloren. „Dabei ist das vor allem für demente Menschen wichtig.“ Sie hofft, dass vor allem eine Regelung bald gelockert wird: „Bei den hohen Temperaturen dürfen wir den Besuchern nicht einmal ein Glas Wasser anbieten. Dabei hätten wir da hygienefachlich keine Bedenken.“

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