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Risse in der Wand

04.03.2009

Sorge um Sicherheit des Augsburger Stadtarchivs

Georg Feuerer vom Stadtarchiv in Augsburg

Das Historische Stadtarchiv in Köln liegt in Trümmern. Seit die Bilder vom katastrophalen Einsturz zu sehen sind, beschleicht auch Mitarbeiter des Augsburger Stadtarchivs ein mulmiges Gefühl. Von Eva Maria Knab

Von Eva Maria Knab

Das Historische Stadtarchiv in Köln liegt in Trümmern. Seit die Bilder vom katastrophalen Einsturz zu sehen sind, beschleicht auch Mitarbeiter des Augsburger Stadtarchivs ein mulmiges Gefühl.

"Es ist nicht auszuschließen, dass hier Ähnliches passieren könnte", sagte am Mittwoch Georg Feuerer als Vertreter der Archivleitung. Auch im Gebäude an der Fuggerstraße lagern tonnenschwere Lasten mit wertvollen Dokumenten. Dabei gilt der Altbau seit Langem als marode.

Statiker haben das denkmalgeschützte Archivgebäude aus dem 19. Jahrhundert zum letzten Mal im Jahr 2002 untersucht. Man fand kleinere Risse. Letztendlich seien die Fachleute damals aber zu dem Ergebnis gekommen, dass keine relevanten Schäden vorlagen, sagt Feuerer. Trotzdem hat er jetzt ein ungutes Gefühl, wenn er an seinem Arbeitsplatz sitzt. "In Köln haben sich die Statiker geirrt."

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Seit Langem bauliche Probleme

Bekannt ist, dass es in Augsburg große Probleme mit dem Stadtarchiv gibt: Seit Langem ist es mit historischem Material überfüllt. Dokumente zu tausend Jahren Stadtgeschichte lagern dicht an dicht in einem Regalsystem, das zehn Kilometer lang ist. Das Papier wiegt Tonnen. "Wir haben ein Schwerlastlager in einem früheren Wohngebäude", sagt Feuerer. In Köln war das Stadtarchiv in einem Zweckbau untergebracht, der speziell für schwere Lasten geplant wurde.

Sorgen machen sich nicht nur die Mitarbeiter des Augsburger Stadtarchivs. Andere Fachleute sehen ebenfalls Gefahren für die wertvollen Archivalien im Haus an der Fuggerstraße. Durch die extrem starken Deckenlasten in dem Wohngebäude könne es durchaus Probleme mit der Statik geben, meint Dr. Peter Fleischmann. Er ist Leiter des Staatsarchivs an der Uni und kennt sich mit dem Thema aus.

Auch Wissenschaftler der Uni Augsburg haben in den vergangenen Jahren mehrfach Alarm geschlagen. Sie sehen Augsburgs historisches Erbe ebenfalls in Gefahr. Denn im Keller des Stadtarchivs sind Mauern feucht, unterm Dach herrscht im Sommer große Hitze. Das historische Papier nehme durch bauliche Mängel und deren Folgen Schaden, warnten die Historiker Rolf Kießling und Christoph Becker wiederholt (wir berichteten). Sie sprechen von "katastrophalen Zuständen".

Jetzt warnt ein Forscher aus München: "Köln ist überall", sagt der Wirtschaftshistoriker Dr. Peter Geffcken. Auch dort habe man trotz Rissen im Gebäude geglaubt, es werde schon nichts passieren. Geffcken forscht viel über Augsburger Themen. Er sieht im Stadtarchiv erhebliche Mängel, was einen modernen Brandschutz angeht. "Schon 1983 hatte ich den Albtraum, das Archiv brennt ab." Geffcken mahnt die Stadt dringend zu handeln. Aus Sicht der Wissenschaft hat das Stadtarchiv europaweite Bedeutung.

Keinen Grund zur Sorge sieht Baureferent Gerd Merkle. Das Stadtarchiv werde im Rahmen des Bauunterhalts regelmäßig überprüft. Falls nach dem Unglück in Köln aber eine weitere Überprüfung gewünscht sei, werde er der Sache nachgehen. Der überfällige Umzug des Archivs in neue Räume wird noch Jahre dauern. Seit 2002 gibt es einen Grundsatzbeschluss im Stadtrat. Viele andere Projekte gelten allerdings als dringlicher. Der Umzug auf das Gelände des neuen Textilmuseums wurde auf 2013 verschoben.

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