Newsticker

DIHK: 40 Prozent der Betriebe im Reise- und Gastgewerbe akut von Insolvenz bedroht
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Sozialdemokrat Clemens Högg starb für ein besseres Deutschland

Augsburger Geschichte

10.03.2020

Sozialdemokrat Clemens Högg starb für ein besseres Deutschland

Der Augsburger Clemens Högg mit seiner Familie. Das Bild dürfte um 1920 entstanden sein. Högg starb im KZ Bergen-Belsen.Foto: Archiv AWO Schwaben

Plus Der Augsburger war Mitbegründer der Arbeiterwohlfahrt und ein Kämpfer gegen das Regime der Nationalsozialisten. Seinen Einsatz bezahlte er mit seinem Leben.

Clemens Högg war vor 1933 die bedeutendste sozialdemokratische Persönlichkeit in Schwaben – und er war ein Mann mit bewegendem Schicksal. Noch in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 wurde er im KZ Bergen-Belsen ermordet. Hier ein Blick auf sein Leben.

Vorausgegangen war eine Evakuierung in Viehwaggons. Zusammen mit 6000 bis 7000 kranken und erschöpften Häftlingen war Högg zunächst vom KZ Oranienburg-Sachsenhausen verlegt worden, weil die Front sich dem Konzentrationslager bedrohlich genähert hatte. In bergen-Belsen verliert sich seine Spur im Grauen der letzten Tage des NS-Regimes. Irgendwo in der Anonymität der Heide um Bergen-Belsen wird er verscharrt worden sein.

Die Enkelin von Clemens Högg, Gabriele Rauch, am Gedenkstein für ihren Großvater in Bergen-Belsen.
Bild: Jens-Christian Wagner


Die Erniedrigung des Clemens Högg nahm auch posthum kein Ende. Nach der Befreiung des KZ Bergen-Belsen durch die Engländer wird sein Todesdatum von Amts wegen auf den 11. März 1945, also vor jetzt 75 Jahren, festgesetzt. Bergen-Belsen war für ihn der schreckliche Endpunkt einer „Topografie des Terrors“.

Höggs Leidenszeit beginnt im KZ Dachau, ehe er ins Konzentrationslager Oranienburg-Sachsenhausen deportiert wurde. Dort erfuhr er eine „Sonderbehandlung“, bei der er fast erblindete und die zur Beinamputation führte. Ironie des Schicksals: Sein Peiniger dort war der aus Augsburg stammende SS-Oberführer und dortige Lagerkommandant Hans Loritz. Mit ihm und seinen SS-Leuten setzte sich Clemens Högg in Augsburg vor 1933 bei „Straßenschlachten“ auseinander. Und er war nun dessen blinder Rache schutzlos ausgeliefert.

Ein Gedenkstein erinnert in Bergen-Belsen an Clemens Högg

Im ehemaligen KZ Bergen-Belsen erinnert ein von der Arbeiterwohlfahrt vor zwei Jahren auf dem anonymen Gräberfeld aufgestellter Gedenkstein an ihn. Warum musste der 1880 im württembergischen Wurzach geborene Clemens Högg, der das Schmiedehandwerk erlernt hatte, diesen Leidensweg auf sich nehmen? Er war dem Hass der Nationalsozialisten vor allem als Vorsitzender der SPD in Schwaben sowie als „Motor“ und Gründungsinitiator der schwäbischen und der Augsburger Arbeiterwohlfahrt besonders ausgeliefert. Und er war einer der schärfsten örtlichen Kritiker der NS-Ideologie.

Zunächst wirkte er in Neu-Ulm, wo er in schwierigen Zeiten das Bürgermeisteramt ausübte und ebenfalls die AWO gründete. Beruflich zur Augsburger MAN wechselnd, engagierte er sich in Neu-Ulm und in Augsburg: In beiden Städten half er mit, dass die Wirrnisse der Räterepublik zu keinen größeren Schäden führten. Bis 1933 wurde er Mitglied des Bayerischen Landtags und des Augsburger Stadtrats. Und wie könnte es anders sein: Im Landtag entschied er sich für die Mitgliedschaft im Ernährungsausschuss: Die Probleme der Kleinen Leute waren für ihn der Maßstab seines Handelns.

In Mickhausen fanden Augsburger Kinder Erholung

Und praktisch war er veranlagt. Mit eigenen Mitteln erwarb er im Staudenort Mickhausen ein Anwesen, in dem bedürftige Augsburger Kinder Erholung finden konnten. Dass dies den NS-Gewaltigen ein Dorn im Auge war, ist klar: Das Heim wurde enteignet. Hierdurch wurde gleichsam der Anfang vom schlimmen Ende symbolisiert: Der Missachtung fremden Besitzes folgte bald die Vernichtung von Menschen, die nicht ins Weltbild passten. Und auch der Schwabe Clemens Högg musste so sein Leben für ein besseres Deutschland lassen.

Termine: Arbeiterwohlfahrt und SPD gedenken am Mittwoch, 11. März, um 11 Uhr im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung an der KZ-Opfermauer des Westfriedhofes an den Todestag von Clemens Högg vor 75 Jahren. Sprechen werden die SPD-Bundestagsabgeordnete Ulrike Bahr und Heinz Münzenrieder. Ebenfalls am Mittwoch wird um 19 Uhr im Kino Liliom, Unterer Graben, der Dokumentarfilm „Die Stille schreit“ von Josef Pröll gezeigt. Danach ist Gelegenheit zur Diskussion.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren