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Augsburg

22.10.2017

Stadt kämpft um Pfand-Kaffeebecher

Täglich werden in Augsburg geschätzte 27.000 Einwegbecher genutzt und dann entsorgt. Ein Pfandsystem als Ersatz ist zunächst gescheitert.
Bild: Silvio Wyszengrad

Umweltreferent Reiner Erben hätte gerne ein einheitliches Pfandsystem für Mehrwegbecher. Warum aber zum Beispiel Bäckereien lieber eigene Wege gehen.

Jeden Tag landen allein in Augsburg schätzungsweise rund 27000 Einweg-Kaffeebecher im Müll. Etlich davon schlimmstenfalls in der Natur. Umweltreferent Reiner Erben will weiter darum kämpfen, Bäckereien und Cafés von einem einheitlichen Pfandsystem mit Mehrwegbechern zu überzeugen. Die Bemühungen seiner Partei (Grüne) und der SPD haben nämlich einen herben Dämpfer erlitten. Das Pfandsystem der Firma Recup, das die Stadt neulich einigen Betrieben vorgestellt hat, hat diese aus verschiedenen Gründen nicht überzeugt.

Der Grundgedanke sei absolut richtig und wichtig“, sagt Stefan Wolf von der gleichnamigen Bäckerei mit den zahlreichen Filialen. „Man muss schon sehen, was da an sinnlosem Müll produziert wird.“ Dennoch glaube er nicht an das Konzept des Start-Up-Unternehmens Recup. Wie berichtet, offeriert die Münchner Firma der Gastronomie Becher aus dem Kunststoff Polypropylen, der als recycelbar gilt. Die Becher können 500 Mal verwendet werden. Für einen Euro Pfand kann der Kunde der teilnehmenden Cafés das To-Go-Gefäß behalten und auch in anderen Gastro-Betrieben zurückgeben.

Die Deutsche Umwelthilfe geht davon aus, dass sich ein Mehrwegbecher bereits nach fünfmaligem Gebrauch ökologisch lohnt. In sieben deutschen Städten ist das Recup-System mit einer eigenen Edition eingeführt, darunter auch in München. Zudem habe man deutschlandweit 400 Betriebe als Partner, heißt es bei Recup. An die 60.000 Mehrwegbecher seien derzeit im Umlauf. In Augsburg gilt es aber als vorerst gescheitert. Die Betriebe gehen lieber eigene Wege.

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Eigene Becher mitbringen

„Letztendlich sind diese Mehrwegbecher auch aus Kunststoff und liegen irgendwann im Gebüsch“, befürchtet Stefan Wolf bei dem Recup-System. Zudem findet er einen Euro Pfand als Anreiz, um den Becher aufzubewahren, zu gering. Seine Bäckerei wolle lieber ein internes Mehrwegsystem ohne Plastikbecher einführen. Man sei gerade am Testen. Abgesehen davon könne der Kunde seinen eigenen Becher mitbringen und befüllen lassen, betont der Geschäftsführer. So wird es auch in anderen Bäckereien oder Gastrobetrieben in der Stadt gehandhabt.

Im Henry’s am Rathausplatz etwa bekommt der Gast sogar 30 Cent Rabatt, wenn er seinen eigenen Kaffeebehälter dabei hat, erzählt Betreiberin Katharina Ertl, die seit wenigen Wochen auch eigene Mehrwegbecher anbietet. In seiner Bäckerei seien die Einwegbecher für das kommende Jahr zwar schon bestellt, berichtet Christian Balletshofer. Aber man beschäftige sich derzeit mit dem Thema kompostierbare Trinkgefäße. „Wir schauen, dass wir uns ökologisch aufstellen.“

Die Landbäckerei Ihle plant, noch in diesem Jahr ein eigenes Mehrwegsystem einzuführen. „Weil eine abgestimmte Lösung auf sich warten lässt“, meint Geschäftsführer Willi-Peter Ihle. Sein Kollege vom Qualitätsmanagement, Jürgen Schweier, sagt, man sei von der Becher-Qualität der Firma Recup nicht überzeugt. Zudem lebe dieses System von den Lizenzkosten. „Wir steuern die Dinge lieber selber.“ Umweltreferent Reiner Erben bedauert, dass bei den Firmen noch keine Bereitschaft zur Teilnahme an einem gemeinsamen System zu erkennen ist. „Ich hätte mir gewünscht, für einen Pilotversuch eine der großen Augsburger Bäckereien gewinnen zu können.“ Aber man wisse aus anderen Städten, dass viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse.

So lief es in Freiburg

Einer, der das bestätigen kann, ist Michael Broglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg. Die Stadt im Breisgau war die erste deutsche Kommune mit einem eigenen Mehrwegsystem. Im November 2016 wurde der FreiburgCup eingeführt, ein Becher aus spülmaschinenfestem Kunststoff mit eigenem Stadtlogo darauf. Das Konzept ist das, wie bei Recup. Anfangs machten 16 Betriebe mit, inzwischen sind es 92, erzählt Boglin. Dennoch habe man in Freiburg auch das Problem, Großbäckereien zu gewinnen. „Ihnen ist das eigene Branding wichtig.“ In Wasserburg am Inn hat man eine etwas andere Erfahrung gemacht.

In der kleinen Stadt sowie in der größeren Nachbarstadt Rosenheim wird mit Recups gearbeitet. Auch die dort ansässige Großbäckerei Bergmeister, die 19 Filialen hat, ist dabei. „Bei den Teilnehmern werden diese Becher als gute Werbung betrachtet, weil sie ihnen ein nachhaltiges Image verpassen“, berichtet Wasserburgs Klimaschutzmanager Josef Allio und fügt hinzu: „Aber wir sind eine Kleinstadt. Viele Leute hier sind bedacht. Das ist nicht so, wie in großen Städten, wo jeder gerne sein eigenes Süppchen kocht.“ Augsburgs Umweltreferent Reiner Erben will nicht aufgeben: „Die Stadt wird ihre Bemühungen für ein Pfandsystem fortsetzen.“ Ein Augsburger Café gibt es allerdings, das die Mehrwegbecher der Startup-Up-Firma Recup künftig verwendet: Im „Bricks“, das demnächst in der Maximilianstraße neu eröffnet, will man diese Becher ausgeben. „Wenn wir den ersten Schritt machen, gehen andere vielleicht mit“, sagt die 23-jährige Betreiberin Nadja Weinrich. Man wolle bei bestimmten Themen „first mover“ sein, auch beim Umweltschutz. „Wenn es die Kunden annehmen, ist es gut. Wenn nicht, liegt das nicht an uns“, fügt ihr Geschäftspartner Fabian Sageder dazu.

Sollte das mit dem Pfandsystem gar nicht klappen, sagt Grünen-Politiker Erben, müssten die Menschen sensibilisiert werden, auf Einweggefäße zu verzichten. Doch erst mal landen weiterhin in Augsburg täglich um die 27.000 der To-Go-Becher im Müll.

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03.11.2017

Gründe für ein einheitliches Pfandsystem in Augsburg

Die Bäckereiketten machen sich beim Pfandsystem Recup Sorgen um die Nachhaltigkeit eines Plastikbechers gegenüber eines Pappbechers. Das ist verständlich und nachvollziehbar. Auch wir vom Forum Plastikfreies Augsburg finden die Lösung eines Mehrwegplastikbechers nicht ideal. Dennoch unterstützen wir das Rebcup-Pfandsystem aus mehreren Gründen:
-der Recup-Becher wurde nachhaltig entwickelt und enthält keine Schadstoffe
- der Becher ersetzt 500 Einweg-Pappbecher und verhindert damit viel Müll
- er ist 100 % recyclebar und erfüllt damit die Kriterien der Kreislaufwirtschaft nach Cradle to Cradle- durch das günstige Pfand richtet er sich an Coffee-to-Go-Trinker, die sich keinen eigenen Becher anschaffen möchten
- der Becher schafft durch ein eigenes Stadt-Branding lokale Verbundenheit
- das Recup-System wird auch in anderen bayerischen Städten verwendet, untern anderem in München. Damit ist es für Pendler interessant, die sich in Augsburg einen Kaffee kaufen und den Becher dann in München abgeben bzw. umgekehrt. Das führt zu einem Austausch der stadteignen Becher und wird so zum Trend-Objekt.
- der Becher ist auch für andere Sachen geeignet und kann beispielsweise in Schulen bei Festen oder zur gesunden Pause eingesetzt werden

Da die Stadt leider keine rechtlichen Möglichkeiten hat, Einweg-Becher zu verbieten, führt kein Weg an einem einheitlichen Pfandsystem vorbei. Eine Alternative, beispielsweise mit Edelstahlbechern, würde ein Pfand von 10 Euro kosten. Da kann man sich den Becher auch gleich selbst kaufen. Das ist nicht immer möglich und gerade für Menschen, die nur gelegentlich einen Coffee-to-Go nehmen, keine Lösung. Den eigenen Becher mitzubringen ist natürlich immer die bessere Lösung.

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22.10.2017

Datschiburg bleibt Datschiburg ! jeder redet davon was gutes zu tun , aber wenn es den anschein hat das ein anderer auch nur einen Cent mehr verdihnen Könnte ist es schon mal sehr schlecht und kommt für einen selber nicht in Frage !! wie währe es den damit , die Kaffee verkäuver dürften nur noch becher mit ihren eigenen Nahmen verkaufen und müsten für jeden ihrer gefundenen becher den Tatsächlichen Preis des Beseitigen Bezahlen !!! ob ihnen danach noch ihr Geschäft gehören würde ?? es sollte sich jeder mal Fragen was die Wegwerf Geselschaft der Algemeinheit in Wirklichkeit Kostet !!! auf dem Weinachtsmarkt klapt es ja auch mit den Teuren Pfandbechern und keiner ist daran pleite gegangen an einem Stadt Logo !!! und wenn ein Becher weg ist hat der verkäufer auch noch ein kleines Zubroht verdient !! den der angeblich ach so teure einkauf ist in wirklichkeit deutlich billiger !!!

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20.10.2017

Warum hat man heute keine Zeit mehr, den Kaffee in Ruhe zu trinken! Welche Mißkultur ist es, seinen Kaffee auf der Straße zu trinken? Hier müßte die Regierung eingreifen und einfach ein Gesetz erlassen, damit dieser Schwachsinn aufhört.

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20.10.2017

Bitte nicht schon wieder ein Gesetz... . Wenn ich icht die Zeit habe mich 10 Minuten hinzusetzen trinke ich auch keinen Kaffee. Dafür sehe ich auch icht so wichtig aus wie der im Boss-Anzug, über den Rathausplatz stürmend.... .

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03.11.2017

Oje, welch engstirnige Weltanschauung doch manche vetreten. ToGo heißt nich zwangsläufig das ich den Kaffee auch im gehen trinken muss, sondern eben nur nicht vor Ort verzehre. Das kann mehrere Gründe haben. Mir sagt der Ort nicht zu an dem ich den Kaffee gekauft habe oder ist überlaufen, ich bin Pendler und trinke den Kaffee unterwegs, ich will lieber an einen öffentlichen Platz oder bringe den Kaffee jemandem mit oder eben ich trinke ihn tatsächlich unterwegs aber wer sind Sie bitte, mir auch nur eine dieser Möglichkeiten mit einem Gesetz verbieten zu wollen? Wie ich trinken offensichtlich auch viele andere ihren Kaffee nicht vor Ort und das ist OK und dagegen ein Gesetz anzustreben ist nur lachhaft.

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