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Augsburger Geschichte

24.10.2018

Stadtarchiv: Ein markantes Gebäude und seine Geschichte

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3 Bilder
Der große Bau des ehemaligen Stadtarchivs begrenzt den Stadtmarkt zur Fuggerstraße. Von der Marktgaststätte aus hat man über den Bauernmarkt hinweg die architektonisch schmucklose Hausrückseite im Blick.
Bild: Sammlung Häußler

1885 übersiedelte das Stadtarchiv in das Tabakfabrikanten-Wohnhaus an der Fuggerstraße. Nach dessen Umzug ins Textilviertel wird das Anwesen neu genutzt.

1885 übersiedelte Rund 125 Jahre diente das Gebäude Fuggerstraße 12 zwischen den beiden Zugängen zum Stadtmarkt – abgesehen von einer kriegsbedingten Unterbrechung – als Stadtarchiv. Um 1868/70 wurde es als Wohn- und Geschäftshaus des Tabak- und Schnupftabakfabrikanten Ludwig Sander erbaut. Erst 1866 war an dieser Stelle die Stadtmauer abgebrochen und der Stadtgraben verfüllt worden. Jetzt verläuft die Fuggerstraße auf der einstigen Stadtbefestigung.

Am 2. Februar 1884 leitete ein Mietvertrag die Nutzung des stattlichen Gebäudes als Archiv in die Wege. Dieses Datum trägt der Vertrag zwischen Frida Forster und der Stadt Augsburg. Frida Forster war eine Tochter des Unternehmers Ludwig Sander. Sie hatte das zur Tabakfabrik gehörige Gebäude von ihrem 1876 verstorbenen Vater geerbt. Frida Forster überließ es der Stadt mietweise „zur Benützung für Archiv-, Bibliotheks- oder verwandte öffentliche Zwecke“. So heißt es im Vertrag.

Nach einem Umbau konnten die Archivalien ab April 1885 aus dem Rathaus überführt werden. Die an das nunmehrige Archiv angrenzenden „Rauch-, Kau-, Schnupftabak- und Zigarrenfabriken Lotzbeck & Cie.“ blieben bis 1927 in Betrieb. Nach ihrer Verlegung nach Ingolstadt wurde das Fabrikareal zum Stadtmarkt umgebaut. Im Oktober 1930 konnte er eröffnet werden.

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9500 Regalmeter Archivalien von unschätzbarem Wert

Am 20. September 1902 verstarb Frida Forster. Die Erben, der Gutsbesitzer Ernst Forster und seine Schwester Karolina Gwinner, schenkten am 6. November 1902 „zum Andenken an ihre verstorbene Mutter“ das seit 1884 vermietete Archivgebäude der Stadt Augsburg. Auf einer Gedenkplatte an der Fuggerstraße ist die Hausgeschichte bis 1902 nachlesbar.

Seit 2016 ist das Stadtarchiv am neuen Standort in umgebauten Fabrikgebäuden der ehemaligen Augsburger Kammgarn-Spinnerei (AKS) funktionsfähig. Bereits vor dem Stadtratsbeschluss zur Verlegung des Stadtarchivs im Jahr 2002 hatten Juristen den Schenkungsvertrag von 1902 unter die Lupe genommen: Sie überprüften ihn, ob darin eine Klausel eine Zweckentfremdung und den Verkauf des Archivgebäudes an der Fuggerstraße ausgeschlossen hätte.

Die Juristen fanden in der Schenkungsurkunde keine derartige Bestimmung. Daraufhin wurde der voraussichtliche Verkaufserlös in die Finanzierung des neuen Stadtarchivs (11,6 Millionen Euro) in der AKS eingerechnet. Dort stehen jetzt 4450 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. Das ist mehr als das Dreifache des alten Archivgebäudes. Im umgesiedelten neuen Archiv sind bislang circa 13000 Regalmeter belegt, doch es ist auf einen Zuwachs von weiteren 13000 Regalmetern an Archivgut ausgelegt.

Der vormalige Archivbau an der Fuggerstraße war als Wohn- und Geschäftshaus errichtet worden. Weder statisch, klimatisch noch in puncto Feuersicherheit entsprach das Gebäude den Anforderungen eines Archivs. Trotzdem waren darin etwa 9500 Regalmeter Archivalien von unschätzbarem Wert verwahrt. Das Stadtarchiv ist schließlich das schriftliche und bildliche Gedächtnis Augsburgs. Archiviert sind Urkunden, Verträge, Ratsprotokolle, Erlasse, Akten, Fotos, Karten, Pläne und Plakate jeglicher Art. Allein rund 2200 Regalmeter umfasst die „Reichsstadt-Überlieferung“ von etwa 750.000 Archivalieneinheiten.

Archivgebäude blieb von Sprengbomben verschont

Von diesen stadtgeschichtlich unschätzbar wertvollen Beständen ging im Zweiten Weltkrieg nichts Wesentliches verloren. „Verluste an Archivalien sind soviel wie keine zu beklagen“, konnte 1950 der damalige Archivdirektor Friedrich Deininger feststellen. Er hatte während des Krieges einen Großteil der Archivbestände ins Fuggerschloss Babenhausen in Sicherheit gebracht. Weitere Archivalien überstanden in Kisten verpackt in den Schlössern Neuburg an der Kammel, Kirchheim, Unterwittelsbach und Haldenwang sowie in den Klöstern Mönchsdeggingen und Ettal den Krieg unbeschadet.

Die Auslagerung aus dem bombengefährdeten Augsburg hatte sich gelohnt: Von Sprengbomben war das Archivgebäude zwar verschont geblieben, doch Brandbomben hatten im Februar 1944 das Dach durchschlagen. Eine dicke Sandschicht im Dachboden und die hauseigene Luftschutz-Mannschaft verhinderten größere Brände. Das benachbarte große Marktgebäude dagegen brannte völlig aus. Das Marktamt, die Lebensmittelpolizei und die Marktgaststätte übersiedelten daraufhin in das intakt gebliebene Archivgebäude. Die Amerikaner stationierten darin die Militärpolizei. Am 28. April 1948 wurde die Beschlagnahme aufgehoben. An eine Rückkehr der Archivalien war zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht zu denken, denn die Staatsanwaltschaft des Landgerichts Augsburg benötigte dringend Büroräume.

Augsburger Stadtarchiv hat einen neuen Besitzer

Erst 1952 begann der Wiedereinzug des Stadtarchivs, 1955 war die Neueinrichtung großteils abgeschlossen. Bei der Gebäudesanierung wurde 1953 im Treppenhaus ein Aufzug eingebaut. Ratternd, rumpelnd und quietschend funktioniert er immer noch. Der Aufzug verkörpert inzwischen Technikgeschichte. Das ist auch dem neuen Besitzer des vormals städtischen Archivgebäudes bekannt: Es ist der Augsburger Medienunternehmer (Klassik Radio) Ulrich R. J. Kubak. Er kündigte an, nach einer aufwendigen Sanierung des rund 150 Jahre alten Gebäudes und einem nutzungsgerechten Umbau im Jahr 2020 darin die Unternehmenszentrale von Klassik Radio einzurichten.

Lesen Sie dazu auch: Stadtarchiv: Jetzt spricht der neue Eigentümer

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