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Augsburg

12.07.2019

Steht das Kulturcafé Neruda vor dem Aus?

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2 Bilder
Fikret Yakaboyu ist Betreiber des Kulturcafés Neruda in der Alten Gasse in Augsburg.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Der Treffpunkt in der Alten Gasse in Augsburg ist beliebt, doch Anwohner beschweren sich über die Lautstärke. Nun muss ein neues Konzept her, sonst droht die Schließung.

Das Neruda Kulturcafé in der Alten Gasse im Georgs-Kreuzviertel ist seit neun Jahren ein beliebter internationaler Treffpunkt. Doch seit einiger Zeit gibt es für den Betreiber Fikret Yakaboylu erneut Probleme. Die Aktivitäten und die damit verbundenen Geräuschentwicklungen des Neruda stören Bewohner der Alten Gasse. Bereits vor vier Jahren gab es Beschwerden von dem auf der anderen Seite der Straße liegenden Seniorenheim der Diakonie. Damals wie heute wurde das Ordnungsreferat der Stadt eingeschaltet. Mit dem Hofgarten-Carrée konnte das Neruda seine Differenzen beilegen, man schätzt sich nun gegenseitig. Schon damals war der ehemalige Polizist Lothar Roser als Vermittler mit Fikret Yakaboylu vorstellig beim Ordnungsreferat, um nach Lösungen zu suchen.

Kulturcafé Neruda in Augsburg: Schließung droht

Doch nun ist das Neruda wieder dort angelangt wo es vor vier Jahren schon einmal war. Jetzt möchte das Ordnungsreferat ein schlüssiges Konzept von Fikret Yakaboylu, wie es für alle Beteiligten störungsfrei weitergehen kann. Ansonsten muss das Neruda möglicherweise sogar schließen. Dieses Konzept zu erarbeiten, dürfte nicht ganz einfach werden, denn im Neruda ist die Welt zu Hause, und deutsche Ordnungspolitik ist nicht jedem Gast geläufig. Das muss den Besuchern und Freunden des Kulturcafés vom Betreiber vermittelt werden.

Eine weitere Voraussetzung wäre laut Ordnungsreferat die Prüfung der baurechtlichen Erlaubnis durch das Stadtplanungsamt als Vergnügungsbetrieb . Auch zu Jam-Sessions, also eher spontanem, gemeinschaftlichem Musizieren, äußerte sich das Ordnungsreferat: „Falls spontane Jam-Sessions als Bestandteil des Betriebskonzeptes gelten und einen Hauptanziehungspunkt darstellen, müssen sie als Veranstaltungen gewertet werden.“ Gestattet sind zur Zeit zwölf Konzerte im Jahr, da das Neruda nur eine Genehmigung als Schank-und Speisewirtschaft besitzt. Bisher sind es deutlich mehr spontane Musik-Aktionen im Jahr. Doch die Bedeutung des Nerudas als interkultureller Treffpunkt scheint auch der Stadt klar zu sein.

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Das ist das Neruda Kulturcafé von außen.
Bild: Bernd Hohlen

Zwei Mitglieder des Kulturbeirates der Stadt, der zwar nur eine beratende und vermittelnde Funktion hat, waren vor Ort, um sich über die momentane Situation zu informieren. Kulturbeirat Alexander Ratschinskij sagt: „Das Neruda ist eine künstlerische Petrischale.“ Es ist eine Beschreibung der vielfältigen und wachsenden Kultur im Neruda. Durch die weltweite Vernetzung kommen mittlerweile Touristengruppen ins Kulturcafé, staunen, fotografieren.

Auf die Frage wie viele Nationen hier eigentlich zusammenkommen, meint Yakaboylu: „Alle.“ Das wären nach dem Augsburger Strukturatlas 166 Nationen. So viele gibt es in Augsburg. „Ich möchte das interkulturelle Konzept der Kresslesmühle von Hans Ruile fortführen und weiterentwickeln“, sagt Yakaboylu, der als Ehrenamtlicher bei der Kresslesmühle gearbeitet hat. Die vielen Unterstützer des Kulturcafés bestätigen seine Bemühungen, in dem sich jeder auf seine Art für das Neruda einsetzt.

Viele Menschen setzen sich für das Neruda ein

Ein Kulturverein startete etwa eine Online-Petition, Besucher des Cafés wendeten sich an die Redaktion unserer Zeitung und Bewohner des Hauses in der Alten Gasse erklären sich per Schreiben solidarisch mit de Kulturcafé. Dazu schreiben sie: „Der vom Café ausgehende Geräuschpegel ist in der Vergangenheit aufgrund umfassender Bemühungen von Herrn Yakaboylu immer weiter gesunken und liegt heute, trotz Betrieb, auf dem Niveau eines gewöhnliche Nachbarn.“ Die Historie des Hauses weist die letzten 30 Jahre Gaststättenbetriebe aus. Lothar Roser weiß aus seiner Zeit als Polizist, dass hier sogar das Rotlichtmilieu eine Zeit lang zuhause war und die Hauptaktivitäten zwischen zwei und vier Uhr nachts lagen. Sollte das Neruda ausziehen, ist es keineswegs gewiss, ob Ruhe einkehrt. Yakaboylu äußert sich dazu ganz pragmatisch: „Mir sind das Konzept und die Inhalte wichtig. Nur müsste es dann woanders weitergehen.“

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