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Augsburg

24.09.2020

Stellenabbau in Augsburg: Söder will Wirtschaft nicht allein lassen

Markus Söder, Hubert Aiwanger und Eva Weber beim Wirtschaftsgespräch in Augsburg.
Bild: Ulrich Wagner

Plus Die Krise geht weiter: Faurecia will 140 Stellen abbauen. Welche Maßnahmen die Politik nun ergreifen möchte. Es geht um viel Geld für den Wirtschaftsstandort Augsburg.

Der Goldene Saal im Rathaus gilt als gute Stube der Stadt Augsburg. Hier trifft man sich oft, wenn es etwas zu feiern gibt. Der Anlass am Donnerstag war dagegen wenig erfreulich: Die Wirtschaftsregion Augsburg ist schwer angeschlagen. Große Firmen wollen Stellen im vierstelligen Bereich abbauen. Ganz aktuell bekannt geworden sind die Pläne des Automobilzulieferers Faurecia, 140 Stellen am Standort zu streichen. Die Politik ist alarmiert. Die Lage der Wirtschaftsregion wird deshalb zur Chefsache.

Am Donnerstagvormittag trafen sich 20 ausgewählte Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu einem Wirtschaftsgespräch im Goldenen Saal. Der Anstoß kam aus München. Ministerpräsident Markus Söder ( CSU) war vor Ort. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ( Freie Wähler) und die aus dem Kreis Augsburg stammende Arbeitsministerin Carolina Trautner (CSU) unterstrichen mit ihrer Teilnahme, welche Priorität die Wirtschaftsregion Augsburg derzeit bei der Staatsregierung einnimmt.

Viele schlechte Nachrichten aus den Firmen in der Region Augsburg

Es waren zuletzt keine gute Nachrichten, mit denen die heimischen Firmen in die Schlagzeilen geraten sind. Beim Flugzeugteilehersteller Premium Aerotec sind 1000 von 3500 Stellen in Augsburg in Gefahr. Bei der Firma MAN Energy Solutions sind es 800 Arbeitsplätze, die wegfallen sollen. Auch das Roboterunternehmen Kuka reduziert Personal. Keine Hoffnung gibt es für die 200 Beschäftigten des Automobilzulieferers Wafa. Der Betrieb schließt zum Jahresende. Am Mittwoch hatte der Autozulieferer Faurecia zudem bekannt gegeben, sich von 140 Mitarbeitern am Standort trennen zu wollen.

Die bayerische Staatsregierung hat auf die wirtschaftlichen Nöte in Augsburg zwischenzeitlich reagiert. Es gibt einen 100-Millionen-Euro-Plan, der die Wirtschaftsregion zukunftsfähig machen soll. Gefördert werden Investitionen in Zukunftstechnologien. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Förderung der Künstlichen Intelligenz, kurz KI. Forschungseinrichtungen, die in Augsburg im Innovationspark sitzen, werden profitieren. Die Firma MAN Energy Solutions bekommt fünf Millionen Euro als Anschub, um sich in der Wasserstoff-Technologie zu profilieren. Die Firmen Quantron und Freudenberg wollen einen Brennstoffzellen-Lkw entwickeln, knapp vier Millionen Euro sind für dieses Projekt bestimmt. Zehn Millionen gehen ferner in die Luftfahrt.

Markus Söder spricht von einem Technologiesprung für Augsburg

Nach dem Wirtschaftsgespräch im Rathaus betonte Söder, "dass wir in der Krise keinen allein lassen". Die Region sei hart gebeutelt. "Aber in jeder Krise steckt eine Chance". Es gehe jetzt darum, Augsburg einen Technologiesprung zu geben. Daher werde viel Geld investiert. Das 100-Millionen-Euro-Paket sei ein Bekenntnis zu Augsburg in schwieriger Zeit.

Die Polizei begleitete mit einem Großaufgebot den Besuch von Markus Söder im Rathaus - wegen möglicher Demonstrationen von Corona-Kritikern.
Bild: Ulrich Wagner

Neu ist, dass die Universität noch stärker vom Freistaat unterstützt werden soll. Das neue Rechenzentrum werde vorgezogen, es werde schneller fertig. Zusätzlich sollen 42 neue Professorenstellen im nächsten Jahr geschaffen werden. In diesem Jahr sind es bereits 18 Stellen.

Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber (CSU) verwies darauf, dass der Anstoß für das Finanzpaket des Freistaats aus Augsburg gekommen sei. Die Augsburger Allianz für Arbeit, in der Wirtschaftskammern, die Agentur für Arbeit und Gewerkschaften sitzen, habe ein tragfähiges Konzept vorgelegt. Ziel werde es jetzt sein, dass beim Thema Künstliche Intelligenz die von der Wissenschaft ausgearbeiteten Ideen schnell in den heimischen Betrieben ankommen. Davon könnten zudem Firmengründer profitieren. Augsburg sei ein Standort, der für junge, neu gegründete Firmen - sogenannte Start-ups - gute Perspektiven biete.

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger setzt auf Wasserstoff

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger informierte, dass erste Fördergelder bereits ausgezahlt seien. Es bestehe Handlungsbedarf für Augsburg. Aiwanger verwies auf die gegenwärtige Arbeitslosenquote von sieben Prozent im Stadtgebiet Augsburg. Das ist deutlich schlechter aus der Durchschnitt im Freistaat, in Bayern liege die Quote nur bei 4,1 Prozent. Aiwanger gilt als großer Unterstützer der Wasserstofftechnologie. Für Augsburg und MAN Energy Solutions ergeben sich nach seiner Einschätzung gute Entwicklungsmöglichkeiten. Er erklärte: "Augsburg wird Wasserstoffregion."

Das Wirtschaftsgespräch, an dem auch Vertreter der großen Augsburger Firmen teilnahmen, fand hinter verschlossenen Türen statt. Wie es aus Teilnehmerkreisen hieß, ging es unter anderem darum, wie schnell die Augsburger jetzt die vom Freistaat geförderten Projekte anpacken wollen. "Es war wichtig, den Entscheidern in München unsere Projekte aus erster Hand vorzustellen", sagte Wirtschaftsreferent Wolfgang Hübschle. Den Verantwortlichen in Augsburg sei dabei klar, dass Forschungsergebnisse sich dann schnell im Wirtschaftsleben niederschlagen müssten, damit Jobs erhalten bleiben und neu entstehen.

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