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Augsburg

09.08.2015

Störenfriede im Flößerpark

An naheliegenden Tankstellen decken sich Besucher des Flößerparks oft mit Alkohol ein. Die Oase der Ruhe in Lechhausen zieht nach Auskunft von Nachbarn und Streetworkern aber auch Störenfriede an.
Bild: Mateusz Roik

Polizei und Ordnungsdienst drängen die Besucher in Lechhausen zurück. Doch das Wohlgefühl in der Gegend hat stark gelitten

Von Andreas Alt

Tagsüber wirkt das Lechufer an der Radetzkystraße ganz friedlich. Leute sitzen auf den blau-weißen Liegestühlen oder Bänken und genießen die Sonne, Spaziergänger sind unterwegs, Kinder sind auf dem Spielplatz, Sportler spielen Tischtennis oder Basketball. Wenn es dunkel geworden ist, ändert sich das Bild. Dann treffen sich dort andere Leute, werden laut, streiten, oft von Alkohol befeuert.

„Die schreien auch hier rüber“, sagt Johann Dachser, einer der Anwohner am Lechufer, „und zwar mit Ausdrücken, die man nicht wiederholen kann.“ Bedroht fühlt er sich nicht, aber doch massiv gestört. Er spricht für viele Nachbarn, die mit dieser nächtlichen Geräuschkulisse erhebliche Probleme haben.

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Auf der anderen Seite der Neuburger Straße, nur wenige Schritte entfernt, sind Hannelore Stiller und ihr Ehemann gerade dabei, den himmelblau gestrichenen hölzernen Zaun um ihr Grundstück abzubauen. Der wird jetzt durch einen Metallzaun ersetzt, nachdem er nachts schon zum wiederholten Mal eingedrückt worden ist. „Diese Gruppen besorgen sich Alkohol an der nahen Tankstelle, und dann ziehen sie hier durch. Da werden auch Flaschen an den Hauswänden zerschlagen“, beklagt sich die Lechhausenerin. Und an St. Elisabeth sei in der Nacht zuvor ein Plexiglasschild der Pfarrbücherei samt Verankerung von der Wand gerissen worden.

Wer sind diese Gruppen? Ganz genau weiß das Hannelore Stiller nicht. Die Polizei kann nicht viel tun: Es fehlen Zeugen und konkrete Hinweise auf die Täter. Es können auch nicht ständig Streifen vorsorglich im Bereich der Lechbrücke unterwegs sein. „Wir können außerdem nur repressiv tätig werden“, sagt der Leiter der Polizeiinspektion Lechhausen, Stefan Speer. Mehr bringe Sozialarbeit der Stadt und von Fachverbänden.

Das geschieht auch bereits. Seit einiger Zeit schaut der Sozialverband SKM mit seinem Streetwork-Mobil regelmäßig beim Flößerpark vorbei. Nach Beobachtung von Sozialarbeiter Knut Bliesener sind die Probleme dort seit dem vergangenen Jahr hochgekocht. Er trifft am Flößerpark, besonders an dem von Bäumen und Gebüsch umwachsenen Tischtennisplatz Menschen „in bunt gemischter Besetzung“ an: Obdachlose, die sein Hauptklientel sind, aber auch Leute, die in Lechhausen wohnen, Jugendliche, Drogenkonsumenten. Die SKM-Mitarbeiter reden mit denen, die sie kennen, und versuchen nach seinen Worten, sie dazu zu bewegen, diesen Platz nicht mehr aufzusuchen.

Dieter Hegner, Streetworker beim Stadtjugendring (SJR), versucht die Jugendlichen ins Jugendhaus Fabrik bei der Schillerschule zu ziehen und sie damit von den nächtlichen Treffen wegzubringen. Ganz gut geklappt hat das vor einiger Zeit in der Hammerschmiede. Dort hatte sich ein Spielplatz am Sanddornweg zu einem ähnlichen Brennpunkt entwickelt. Viel nächtlicher Lärm entstand, Bänke wurden angezündet. Die Stadt hat jetzt die Sitzgelegenheiten weitgehend entfernt und den Aufenthalt so unattraktiver gemacht. Die Folge: Die Jugendlichen gehen inzwischen lieber ins Jugendhaus Café Unfug, eine ehemalige Sparkassen-Baracke auf einer Verkehrsinsel zwischen Hans-Böckler- und Neuburger Straße.

Am Flößerpark hat der SJR zunächst mal ein Basketballturnier und ein Grillfest veranstaltet. Aber aufsuchende offene Jugendarbeit kann laut Hegner nur fruchten, wenn sich die Jugendlichen darauf einlassen. Das heißt, es wird wohl einige Zeit dauern. Zu den Jugendveranstaltungen haben sich Erwachsene mit ihren Bierflaschen dazugesetzt, was der Streetworker nicht gern sieht: „Die meisten Jugendlichen wollen mit denen nichts zu tun haben, aber es gibt Ausnahmen.“

Alkohol wird ander Tankstelle gekauft

Nach Aussage von Janina Hentschel vom Kriminalpräventiven Rat der Stadt kommen am späten Nachmittag zunächst vor allem Ältere zum Flößerpark und trinken Alkohol, den sie sich oft an der Tankstelle besorgt haben. Abends und nachts kommen dann noch Jugendliche dazu. Polizei und Ordnungsdienst hätten sie anfangs aus der vorderen Gegend verdrängt. Im Bereich der Tischtennisplatten seien sie allerdings viel näher an den Anwohnern. Sie fügt hinzu: „Unter zehn Leuten findet sich meist nur ein Streitsüchtiger. Aber für die Anwohner ist jetzt die Schmerzgrenze überschritten. Das Sicherheitsgefühl in der Gegend ist stark zurückgegangen.“

Diejenigen, die sich als Ruhestörer hervortun, handgreiflich werden oder Sachen beschädigen, würden gerade identifiziert und sollen stärker betreut werden. Konkrete Maßnahmen sind laut Hentschel noch nicht spruchreif. Außerdem gebe es Gespräche mit dem Amt für Grünordnung und dem Stadtplanungsamt, um das Lechufer auszulichten. Damit sollen sich diese Leute dort nicht mehr so bequem niederlassen können. Dass damit alle Probleme für alle Zeit gelöst sind, kann sie freilich nicht versprechen.

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