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Augsburg

21.10.2016

Täter klopft an der Tür und sticht sofort zu

Er klopfte erst an der Tür, dann stach er zu. Ein Mann musste sich deshalb nun in Augsburg vor Gericht verantworten.
Bild: Andrea Warnecke (dpa), Symbolfoto

Weil ein 24-Jähriger an Drogen kommen will, tötet er fast einen Menschen. Der Richter spricht beim Prozess in Augsburg von "Horror".

Es ist eine Szene wie im Horrorfilm: Ein Unbekannter im Treppenhaus sticht wortlos zu, als die Wohnungstür geöffnet wird. Mit einem Fleischermesser sticht der Mann, der an der Tür geklopft hat, einem 19-Jährigen in den Bauch. Das Leben des Opfers kann durch eine Notoperation im Klinikum gerettet werden.

Acht Jahre Gefängnis

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts hat am Donnerstag den 24 Jahre alten Täter des versuchten Mordes schuldig gesprochen und zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Auch Richter Christoph Wiesner sprach von „Horror“ und von der „Todesangst“ des Opfers. Der 19-Jährige hatte im Prozess als Zeuge ausgesagt. Noch heute leidet er seelisch und körperlich unter den Folgen der Tat, kann nicht mehr zur Schule gehen.

Es ist eine Tat, die im Drogenrausch begangen wurde. Es war ein Novemberabend. Der 24-Jährige besuchte seinen Freund in der Jako-bervorstadt. Im Haus begegneten sie der Nachbarin, die ihnen eine Ecstasy-Tablette verkaufen wollte, doch die beiden hatten kein Geld. Der 24-Jährige pumpte seine Mutter an und kauft die Tablette. In der Wohnung des Freundes tranken die Männer Alkohol, hörten Musik, kostümierten sich als Soldaten. Als die Wirkung des Ecstasys nachließ, wollten die Männer, noch immer maskiert, die Nachbarin überfallen; sie nur erschrecken, um ihr das Ecstasy zu rauben. Doch im Treppenhaus verließ sie der Mut.

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Sie tranken weiter, wobei der 24-Jährige, wie sein Freund dem Gericht berichtete, anders als sonst auffallend aggressiv wurde. Der 24-Jährige faselte jetzt davon, er werde der Nachbarin und dem Mann, der an dem Tag bei ihr übernachtete, den Schädel einschlagen. Ein anderer Nachbar, geweckt durch den Krach im Treppenhaus, brachte sie auf andere Ideen: Er lud sie auf ein Bier in seine Wohnung. Irgendwann entfernte sich der 24-Jährige unbemerkt, ging in die Wohnung des Freundes, bewaffnete sich mit Schlagstock und Fleischermesser und ging zur Nachbarin. Mit Wucht schlug er an die Wohnungstür – und stach zu.

Täter vermindert schuldfähig

Das Gericht kam – gestützt auf ein Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen Richard Gruber – zum Ergebnis, dass der Täter vermindert schuldfähig ist. Die Wahrscheinlichkeit sei hoch, so der Gutachter, dass die Droge bei dem 24-Jährigen, den Arbeitskollegen als ruhig und zurückhaltend schilderten, „Gewaltfantasien ausgelöst hat“. Wie im Prozess zur Sprache kam, hatte der Angeklagte nächtelang am Computer gesessen und sich mit Killerspielen beschäftigt. Studien sähen einen direkten Zusammenhang zwischen Gewaltspielen und Aggression. Staatsanwalt Matthias Neumann widersprach dem Gutachter. Der Angeklagte sei kein typischer Junkie. Zur Tatzeit sei er auch nicht besonders stark betrunken gewesen. Der Täter habe gezielt töten wollen, um an Geld und Drogen zu kommen. Neumann hatte eine Freiheitsstrafe von neun Jahren beantragt. Eine Einweisung in eine Suchtklinik lehnte der Staatsanwalt daher ab.

Das Gericht entschied sich jedoch anders. Wie von Verteidigerin Alexandra Gutmeyr gefordert, wird der 24-Jährige, der nicht vorbestraft ist, zur Therapie in eine Klinik eingewiesen. Zuvor muss er aber eine zweijährige Haftstrafe im Gefängnis verbüßen. Wenn alles für ihn läuft, hat er Chancen, schon nach vier Jahren auf Bewährung frei zu kommen.

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