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Augsburg

19.08.2019

Teure Doping-Bestellung im Untergrundlabor

Ein Bodybuilder hat für 450 Euro Medikamente geordert, die die Muskeln wachsen lassen. Am Ende fällt die Strafe jedoch geringer aus, als zunächst gefordert
Bild: Frank May, dpa (Symbol)

Ein Bodybuilder hat für 450 Euro Medikamente geordert, die die Muskeln wachsen lassen. Am Ende fällt die Strafe jedoch geringer aus, als zunächst gefordert

Unter dem hellblauen Hemd zeichnen sich deutlich die Erfolge des Angeklagten beim Muskelaufbau ab. Aber hat der 26-Jährige beim Bodybuilding auch zu unerlaubten Mitteln gegriffen? Zumindest für den angeklagten Fall kann ihm nur der Versuch des Dopings nachgewiesen werden, sodass er zu einer Geldstrafe von 2700 Euro verurteilt wird.

Ja, er habe die ihm von der Staatsanwaltschaft vorgehaltenen Arzneien im April 2017 bestellt, bei einem sogenannten Untergrundlabor im Darknet. Und er habe dafür 450 Euro bezahlt. 450 Euro für Arzneien (Testosteron und Boldenon) für den Muskel- und Kraftaufbau im Sport, im Bodybuilding. Das ist prinzipiell auch gar nicht verboten, wenn man Maß hält. Strafbar würde es, wenn das erlaubte Maß – wie dem Angeklagten vorgehalten – um das 37-Fache überschritten wird. Deswegen hatte der 26-Jährige, der bei einer Sicherheitsfirma arbeitet, einen Strafbefehl über 3600 Euro erhalten. Aber: Über seinen Verteidiger Moritz Wahlster-Bode lässt der Angeklagte bestreiten, die Medikamente erhalten zu haben, und lässt Einspruch gegen den Bescheid einlegen. Auch in der Hauptverhandlung vor Richterin Birgit Demeter bleibt er dabei: bestellt ja, aber nichts bekommen. In einem Rechtsgespräch versuchen Richterin Demeter, Staatsanwältin Ulrike Hahn-Oleownik und Verteidiger Wahlster-Bode eine verfahrensvereinfachende Absprache – vergeblich.

Dopingmittel bestellt

Ein 50-jähriger Zollermittler aus Essen berichtet dem Gericht vom Hintergrund der Angelegenheit. Bereits seit 2016 habe man gegen ein anderweitig verfolgtes russischstämmiges Brüderpaar ermittelt. Sie hatten im Bereich Hamm/Nordrhein-Westfalen als Dopingmittel-Grundstoff eingestufte Substanzen vor allem aus China bezogen und dann weiterverarbeitet. Teils seien Tabletten hergestellt worden, teils kleine Glasampullen produziert worden. Und dann seien diese Substanzen übers Internet an Kunden verkauft worden. Wer – wie der Angeklagte – eine Bestellung per E-Mail abgeschickt hatte, habe zunächst einen zu zahlenden Preis und eine Bankverbindung genannt bekommen. Unmittelbar nach dem Geldeingang bei den Verkäufern sei dann die Ware versandt worden – üblicherweise mit der normalen Post. Dass einmal eine Sendung nicht beim Kunden angekommen sei, sei wohl sehr selten vorgekommen, so der Zollermittler, denn die allermeisten Kunden des Labors seien „Stammkunden“ gewesen. Auch der Angeklagte habe 14-mal bei dem Labor eingekauft.

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Letztendlich habe man aber keine Sicherheit dafür, dass der Angeklagte seine 14. Sendung auch tatsächlich erhalten habe. Eine Hausdurchsuchung bei ihm war in dieser Hinsicht ergebnislos verlaufen. Noch bei einem anderen Versender hatte der 26-Jährige Dopingmittel bestellt. Dafür war er bereits im vergangenen Jahr vom Augsburger Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 1200 Euro verurteilt worden.

Kamen die Dopingmittel in Augsburg an?

Staatsanwältin Hahn-Oleownik stellte klar, dass der von ihr ursprünglich erlassene Strafbefehl über 3600 Euro noch von einer vollendeten Tat ausgegangen war. Nach der Hauptverhandlung sei jetzt zu berücksichtigen, dass der angeklagte Erhalt der Arzneimittel nicht sicher belegbar sei und dass von einer – allerdings ebenfalls strafbaren – Versuchstat auszugehen sei. Sie plädierte für eine Geldstrafe von 2700 Euro, die in Verbindung mit der 1200-Euro-Vorstrafe zu einer Gesamtstrafe von 3300 Euro führen solle.

Verteidiger Wahlster-Bode wollte maximal von einer „straflosen Vorbereitungshandlung“ seines Mandanten durch die gestandene Bestellung und die Bezahlung der verbotenen Medikamente sprechen. Er hielt eine Gesamtstrafe von 2100 Euro für angemessen. Der Angeklagte selbst sprach in seinen letzten Worten von „einer Episode in seinem Leben“, die er bereits wieder beendet habe.

Richterin Demeter entschied in ihrem Urteil auf Versuchsstrafbarkeit. Die vom Zeugen beschriebene Vorgehensweise seitens des Labors lasse vermuten, dass die Arzneimittel an den Angeklagten versandt worden sind. Ob er sie erhalten habe oder die Sendung irgendwo auf der Strecke geblieben sei, sei nicht feststellbar. Anhand der entsprechenden Antidrogenvorschriften des Strafgesetzbuches verurteilte sie den 26-Jährigen zu einer Gesamt-Geldstrafe von 2700 Euro, gebildet aus dem aktuellen Verfahren und der Strafe aus dem vorangegangenen Verfahren. Verteidigung und Staatsanwaltschaft verzichteten auf Rechtsmittel, das Urteil erlangt somit Rechtskraft.

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