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Augsburger Geschichte

16.01.2019

Thea Rasche war als "The Flying Fräulein" bekannt

Alexander Schrüffer, Direktor der bayerischen Flugzeugwerke in Augsburg, übergab der Kunstfliegerin Thea Rasche am 26. April 1927 ihre neue Maschine.
Bild: Sammlung Häußler

Die erste deutsche Kunstfliegerin flog nach dem Ersten Weltkrieg das Flugzeug "Flamingo" aus Augsburg. Sie war eine Frau, die wusste, was sie will.

1916/17 wurden mitten im Ersten Weltkrieg die Rumpler-Flugzeugwerke am Rand einer großen Wiese an der Haunstetter Straße errichtet. Sie bauten bis Kriegsende rund 350 Doppeldecker für den Kriegseinsatz. Nach 1918 trat im Flugzeugbau in Augsburg eine über siebenjährige Pause ein. Die Wiederbelebung erfolgte durch die am 30. Juli 1926 gegründete Aktiengesellschaft „Bayerische Flugzeugwerke“ (BFW). Sie erwarb die „Rumpler-Hallen“ und zugleich den bankrotten „Udet-Flugzeugbau“ in München-Ramersdorf.

Die Bayerischen Flugzeugwerke transferierten im August 1926 Maschinen und Personal aus Ramersdorf nach Augsburg und setzten an der Haunstetter Straße in den drei 1916/17 erbauten Hallen den Bau des Doppeldeckers „U 12 Flamingo“ fort. Ernst Udet (1896-1941), mit 62 Abschüssen erfolgreichster überlebender Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, hatte 1921 lediglich seinen Namen für das von einem Amerikaner finanzierte Unternehmen Udet-Flugzeugbau gegeben. Als Luftakrobat flog Ernst Udet natürlich eine U 12, ebenso die erste deutsche Kunstfliegerin Thea Rasche.

Die erste in Augsburg gebaute Serie „U 12 Flamingo“ steht Anfang 1927 noch ohne Kennzeichen aufgereiht vor den Produktionshallen an der Haunstetter Straße.
Bild: Sammlung Häußler

Thea Rasche holte ihre Doppeldecker selbst ab

Das Leben von Thea Rasche wurde von etlichen Autoren aufbereitet. 2018 brachten Fernseh- und Radio-Dokumentationen sowie eine Ausstellung die prominente Fliegerin in Erinnerung. In den Rückblenden spielt auch der Flugzeugbau in Augsburg eine Rolle: Thea Rasche flog Maschinen „made in Augsburg“! Es waren zwei U 12 Flamingo und eine M 23. Im April 1927 holte sie ihren ersten eigenen „Flamingo“-Doppeldecker bei den Bayerischen Flugzeugwerken ab.

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1927 war Thea Rasche bereits berühmt. Deshalb bestellte BFW-Direktor Alexander Schrüffer einen Fotografen zum Flugplatz. Die Fotoserie überlebte im Bildernachlass von Alexander Schrüffer. Darin befindet sich eine Autogrammkarte: „Zur freundlichen Erinnerung an die Augsburger Tage - Ihre Thea Rasche. 26. April 1927“. An diesem Tag verließ sie in ihrer U 12b Flamingo – Kennzeichen D 1120 – Augsburg.

Dieser Schul- und Kunstflugdoppeldecker war ein Geschenk ihres Vaters, Direktor der Essener Aktien-Brauerei. Der Vater war ursprünglich absolut nicht mit den fliegerischen Ambitionen seiner 1899 geborenen Tochter einverstanden. 1923 hatte er einen Ehemann für sie ausgesucht, doch eine halbe Stunde vor der Trauung ließ die Braut die Hochzeit platzen.

Bereits als 16-Jährige wurde Thea Rasche vom Fliegen infiziert. Während des Ersten Weltkriegs durfte sie bei einem Militärpiloten mitfliegen. Danach stand fest: Sie wollte selbst fliegen und es Melli Beese-Boutard nachmachen. Diese hatte am 13. September 1911 als erste Frau in Deutschland den Flugschein erhalten. Da die Eltern die Ausbildung verweigerten, sparte sie die Kosten dafür vom Munde ab. Das hatte Folgen: Sie machte zwar am 23. Januar 1923 ihren ersten Alleinflug, doch danach erkrankte sie schwer. Erst im März 1925 erhielt sie den Sportflugschein.

Später war auch der Vater stolz auf sie

„Normal“ zu fliegen genügte ihr nicht: Sie wollte beweisen, dass nicht nur Männer als Luftakrobaten die Massen begeistern konnten. Im November 1925 bekam sie als erste deutsche Frau den Kunstflugschein. Nachdem sie mehrere Preise erflogen hatte, war auch der Vater stolz auf sie und finanzierte ihr 1927 eine in Augsburg gebaute U 12 Flamingo.

Mit ihrer zerlegten U 12 schiffte sie sich in England nach Amerika ein. Thea Rasche beeindruckte mit ihrem fliegerischen Können die Amerikaner. „The Flying Fräulein“ aus Deutschland wurde sogar von US-Präsident Calvin Coolidge empfangen. Am 12. August 1927 – es war ihr 28. Geburtstag – stotterte bei einem Schauflug über New York der Motor und sie musste auf dem Hudson notlanden. Die U 12 erwies sich als schwimmfähig. Beim Abschleppen per Boot sank die Maschine jedoch. Sie konnte geborgen werden, war aber irreparabel. Sie habe aus Augsburg nochmals eine Flamingo erhalten, heißt es in einer Biografie. Das „Civil Aircraft Register Germany“ - das Verzeichnis aller in Deutschland zugelassenen Flugzeuge – führt tatsächlich Thea Rasche für die U 12 – D 1229 als zeitweise Besitzerin auf.

Millionärsgattin finanzierte Maschine

Thea Rasches Traum war es, als erste Frau den Atlantik im Flugzeug zu überqueren. Im Mai 1927 war dies Charles Lindbergh von West nach Ost gelungen. Thea Rasche bekam in Amerika Angebote. Um in den USA zu einer Ozean-Überquerung starten zu dürfen, hätte sie ihre deutsche Staatsbürgerschaft ablegen müssen. Das kam für sie nicht in Frage. Eine Millionärsgattin finanzierte eine für den Fernflug ausgerüstete amerikanische Maschine und ließ den Start in Kanada vorbereiten. Doch die mit Sprit überladene einmotorige Maschine hob nicht ab.

1929 war Thea Rasche wieder in Amerika. Für das „Cleveland Women’s Air Derby“, einen Etappenflug für Frauen, bekam sie eine Maschine zur Verfügung gestellt. Thea Rasche schaffte damit zwar die 5200 Kilometer, gewinnen konnte sie jedoch damit nicht. Die Presse pries sie trotzdem als „Königin der Asse“. Am 24. Oktober 1929 ging ein Börsensturz als „Schwarzer Freitag“ und als Beginn einer Weltwirtschaftskrise in die Geschichte ein. Für Flugabenteuer gab es nirgendwo mehr Sponsoren.

Nach 1945 fristete Thea Rasche ein kärgliches Leben

Thea Rasche hielt sich in Deutschland mit einem gecharterten Kleinflugzeug mit Reklameflügen über Wasser. Im Juni 1930 erwarb sie in Augsburg auf Kredit einen Messerschmitt-Tiefdecker M 23b (Kennzeichen D 1858). Im Frühjahr 1933 konnte sie die Kredit-Raten nicht mehr aufbringen und musste die M 23b abgeben. Thea Rasche trat zwar 1933 in die NSDAP ein, ließ sich aber von den Nationalsozialisten nicht vereinnahmen. Als Fliegerin genoss sie in der ganzen Welt hohes Ansehen und pflegte Kontakte ins Ausland. Das tolerierte das NS-Regime nicht. Thea Rasche wurde „kaltgestellt“. Nach 1945 gelang ihr dann weder fliegerisch noch beruflich ein Neuanfang. Sie lebte zuerst einige Zeit in den USA, danach fristete sie in Essen ein kärgliches Leben. Am 25. Februar 1971 starb sie. In Essen wurde ihrer 2018 mit einer Ausstellung gedacht.

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