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Elektro-Mobilität

11.12.2019

Tipps für Käufer: Was taugen gebrauchte E-Autos?

Der Markt für gebrauchte E-Autos wächst.
Bild: Friso Gentsch, dpa

Die elektrische Revolution erfasst langsam auch den Gebrauchtwagenmarkt. Die erste Generation der Stromer wechselt in die zweite Hand.

Das Elektroauto verliert zusehends seinen Exotenstatus. Je mehr Modelle die Hersteller auf den Markt bringen und je mehr Autos die Kunden kaufen, desto gewöhnlicher werden die Stromer. Das gilt nicht nur für den Betrieb, sondern auch für den Wiederverkauf. Denn auf dem Gebrauchtwagenmarkt steigt die Spannung ebenfalls und das Akkuauto aus zweiter Hand erobert die entsprechenden Handelsplattformen. Was müssen Sie jetzt wissen?

Die Plattform mobile.de etwa meldet, dass sich die Zahl der angebotenen Elektroautos im Jahresvergleich fast verdoppelt hätte. Dennoch ist das Angebot noch relativ überschaubar, während die Nachfrage langsam anzieht, sagt Andreas Radics von der Strategieberatung Berylls. Kürzere Standzeiten und noch stabile Preise, das hat für die Besitzer einen ausgesprochen angenehmen Effekt: Die Autos hätten in der Regel nicht nur kürzere Standzeiten und fänden schneller einen neuen Besitzer. „Aktuell können wir auf dem Gebrauchtwagenmarkt auch relativ stabile Preise für E-Fahrzeuge beobachten“, sagt der Experte und zitiert Analysen, wonach die Stromer in den nächsten Jahren weniger Wertverlust haben werden als Verbrenner.

Allerdings erwartet er mit der angekündigten Modelloffensive vieler Hersteller ab 2020 auch ein größeres Angebot und kürzere Innovationszyklen, sodass die Preise durchaus wieder schneller fallen könnten. Über kurz oder lang allerdings werde sich der Markt für gebrauchte Elektrofahrzeuge wieder auf ähnliche Wertverluste wie bei konventionellen Autos einpendeln, ist er überzeugt. „Das Elektroauto wird einfach normal.“

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Was ein gebrauchtes E-Auto so schwierig macht, ist die Batterie. Wie der Akku beim Smartphone büßt sie mit der Lebensdauer an Leistung ein. „Und man kann halt nicht hineinschauen“, sagt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenvereinigung KÜS. Er rät Gebrauchtwagenkunden deshalb zu einem ziemlich aufwendigen Programm bei der Probefahrt: „Einmal voll aufladen und dann komplett leer fahren, um die Reichweite zu ergründen und die dann mit dem angegeben Wert des Herstellers vergleichen.“ Und als wäre das nicht schon aufwendig genug, sollte man auch noch die unterschiedlichen Lademöglichkeiten testen, gibt der Experte zu bedenken.

Die Batterie zu wechseln kann schnell sehr teuer werden

Zwar werde der sogenannte „State of Health“, also der Gesundheitszustand des Akkus, von der Bordelektronik individuell ermittelt und gespeichert, und der Hersteller kann diesen Wert auslesen, sagt Marmit. „Dieses Protokoll sollte man sich auf jeden Fall vom Händler holen.“ Aber beim privaten Weiterverkauf ist der Zugriff schwer, selbst wenn erste Drittanbieter damit werben, diese Protokolle zu entschlüsseln. Weil das ein Aufwand ist, auf den sich kaum ein Käufer und Verkäufer einlassen dürfte, hat Maarten Baljet einen anderen Rat parat: Käufer und Verkäufer sollten eine Garantie für die Mindestleistung des Akkus vereinbaren, um alle Unwägbarkeiten auszuräumen und Sicherheit zu schaffen, sagt der Geschäftsführer von BF Analytics.

Angesichts der Unwägbarkeiten mit dem Akku gibt es bei den Herstellern eigene Garantien für die Batterie, die andere Laufzeiten und -Leistungen haben als beim Fahrzeug, und die sich obendrein stark unterscheiden. Und es gibt Hersteller, die zwar das Auto verkaufen, den Akku aber nur vermieten. Wer so einen Wagen mit gemieteter Batterie als Gebrauchten kaufen will, der müsse dann noch mehr Papierkram studieren und prüfen, wie er in den Vertrag einsteigen kann, gibt KÜS-Mann Marmit zu bedenken.

Wo man bei konventionellen Gebrauchten auch mal Reparaturen in Kauf nimmt, sollte man beim Elektroauto zumindest in Sachen Akku keine Kompromisse machen. Denn selbst ein Austauschmotor ist ein Schnäppchen, verglichen mit einem neuen Akku. Technisch ist das zwar bei den allermeisten Fahrzeugen möglich, wirtschaftlich aber absolut unsinnig: „Da werden schnell mal fünfstellige Beträge fällig“, weiß Berylls-Experte Radics. Allerdings zeichne sich auch da eine Lösung ab: „Einzelne Hersteller arbeiten bereits an Batterieangeboten, die quasi runderneuert sind. Sie sind technisch geprüft und fehlerhafte Batteriemodule wurden ersetzt.“

Während der Akku eine große Unbekannte ist, sind Elektroautos ansonsten in der Regel besser in Schuss: „Der Verschleiß der mechanischen Komponenten ist viel geringer als bei einem vergleichbaren Benziner oder Diesel“, sagt Restwert-Experte Dieter Fess von BF Forecast und lobt vor allem die Bremsen, die der Rekuperation sei dank seltener benutzt werden.

Trotzdem, auch bei einem E-Auto ist der übliche Check angeraten, gibt KÜS-Mann Marmit zu bedenken: „Abnutzung, Korrosion, Unfallschäden und Lücken im Serviceheft sind vom Antrieb unabhängig.“ Außerdem sollte ein kritischer Blick den Hochvoltkabeln gelten, die leuchtend orange isoliert sind. „Die dürfen keine Risse oder keinen Verbiss haben“, sagt der Experte und mahnt zugleich zur Vorsicht: „Bitte nur auf Sicht prüfen und nicht berühren!“ Finger weg – für die einzelnen Komponenten mag diese Warnung passen. Doch vor dem gesamten Fahrzeug muss niemand zurückschrecken, so Marmit. Mit dem wachsenden Angebot an Neuwagen wird das E-Auto auch am Gebrauchtwagenmarkt seinen Exotenstatus verlieren. (Thomas Geiger, dpa)

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