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Augsburger Politiker hat Lokalverbot

08.09.2011

Tobias Schley sorgt wieder für Ärger

Tobias Schley
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Tobias Schley

Wegen angeblich ausländerfeindlicher Äußerungen erhält der Augsburger CSU-Politiker von einem Gastronomen vier Mal Lokalverbot.

Der CSU-Politiker Tobias Schley (40) hat wieder einmal Ärger am Hals. Wegen angeblich ausländerfeindlicher Äußerungen hat der aus dem Kosovo stammende Wirt Ilir Seferi, ebenfalls Mitglied der CSU, einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Wilhelm Böld forderte den Stadtrat und CSU-Kreisverbandsvorsitzenden Schley schriftlich auf, bis heute um Mitternacht eine Unterlassungserklärung abzugeben. Schley solle sich verpflichten, das rufschädigende Verhalten zu unterlassen, so der Anwalt gegenüber der AZ. „Außerdem haben wir Tobias Schley Hausverbot für alle Lokale erteilt, die Ilir Seferi betreibt.“

Es geht um eine E-Mail, die der gelernte Diplomkaufmann Schley – beruflich ist er bei der Messe Augsburg tätig – an Johannes Thoben schickte – ein weiterer Parteifreund. Thoben betrieb früher das „Mark’s Steak & Seafood“ in der Annastraße. Jetzt ist Seferi dort der Wirt. Im Internet-Netzwerk Facebook kündigte er die Wiedereröffnung des Lokals als „Dreischwabenküche – Zum Weißen Hasen“ an. Das schmeckte Schley offenbar nicht. In einer Mail an Thoben schrieb er wörtlich: „Mir ist richtig schlecht!!! So viele Fehler in einer Einladung ohne Stil!! Armes Deutschland!!“

Der Kosovare Seferi las das mit Entsetzen. Er floh einst vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat, ist in Augsburg als Wirt bekannt. Die Familie betreibt die Zeughausstuben in der Innenstadt, den Ochsen in Göggingen und den Haunstetter Hof und – seit kurzem – das Mark’s. Seferi wandte sich an unsere Zeitung.

Tobias Schley sorgt wieder für Ärger

Schley sagt dazu: „Mir Ausländerfeindlichkeit zu unterstellen, weise ich entschieden zurück.“ Es habe sich zudem um eine „rein privat gemachte Äußerung“ gehandelt.

Aufgeflogen war diese Äußerung, weil Johannes Thoben sich im Ausland befand, um Urlaub zu machen. Seferi hatte von seinem Geschäftspartner die Schlüssel zu dessen Büroräumen sowie die Erlaubnis erhalten, Thobens E-Mails zu öffnen. „80 Prozent aller Gruppenreservierungen laufen heutzutage über E-Mail“, erklärte der Gastronom. „Die konnten wir uns wegen meines Urlaubs doch nicht entgehen lassen. Also habe ich Ilir Seferi gestattet, alle Mails mit geschäftlichem Betreff zu öffnen.“

Die Betreffzeile der E-Mail, die so viel Ärger verursacht, lautet: Neueröffnung Dreischwabenküche Zum Weißen Hasen. „Als ich das las, dachte ich natürlich, dass es sich um eine Reservierung handelt“, erklärte Seferi. Seine Enttäuschung sei maßlos gewesen. Schley habe ihn auf Reisen in den Kosovo bzw. nach Albanien begleitet. Enttäuscht ist der Wirt vor allem, „weil ich dachte, dass wir befreundet sind“.

Davon geht offenbar auch Schley noch aus. „Der Inhalt meiner Mail richtete sich nicht gegen die Seferis.“ Vielmehr habe er sein „tiefes Bedauern“ darüber zum Ausdruck bringen wollen, „dass ein erfolgreicher Gastronom nach 22 Jahren aufhört“. Damit will sich Seferi, der sich nach eigener Aussage „mit harter Arbeit in Deutschland hochgekämpft“ hat, nicht zufriedengeben: „Tobias Schley ist ein Vertreter des Volkes und hat in dieser E-Mail ausländerfeindliche Äußerungen gemacht. Das kann nicht sein.“

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