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Augsburg-Stadt

25.05.2014

Tote Giraffe: Wie gefährlich leben die großen Tiere?

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Giraffe Kiano im Februar dieses Jahres im Zoo: Der acht Monate alte Bulle starb in dieser Woche, weil er vor einem Zebra erschrak und mit dem Kopf gegen eine Metallstrebe prallte.

Der tödliche Unfall von Giraffen-Bulle Kiano reiht sich in eine Serie von Todesfällen bei den Giraffen ein. Tierrechtler üben deshalb hefige Kritik, der Zoo weist das zurück. Doch Probleme gibt es, wie der Blick zu den Elefanten zeigt

Sie sind beeindruckende Tiere. Im Augsburger Zoo sind die Giraffen der Hingucker auf dem großen Afrika-Panorama. Kommt ein neues Giraffenbaby auf die Welt, dann nehmen viele daran Anteil. Doch sind Giraffen für die Haltung in Tierparks wirklich geeignet? Kritiker setzen sich seit langem für ein Verbot von exotischen Tieren in Zoos ein. Der Tod der erst acht Monate alten Giraffe Kiano hat die Diskussion wieder einmal befeuert. „Die Giraffenhaltung in Zoos ist tierschutzwidrig und ineffizient“, sagt der Diplom-Zoologe Peter Höffken von der Tierrechtsorganisation Peta.

Tierschützer kritisieren Inzucht

Giraffenbulle Kiano starb, weil er sich vor einem Zebra erschreckte und mit dem Kopf gegen eine Metallstrebe prallte. Die Tierschützer kritisieren, dass es immer wieder zu solchen Unfällen kommt. Sie kritisieren unter anderem Inzucht, enge Boxen und rutschige Böden. Tatsächlich wäre ein tödlicher Unfall, wie er am Mittwoch im Augsburger Zoo geschehen ist, in freier Wildbahn so nicht passiert. Dass die empfindlichen Tiere mit der Begründung des Artenschutzes gehalten werden, hält man bei Peta für ein vorgeschobenes Argument: „Einen Beitrag zum Artenschutz leisten Zoos nicht, denn Giraffen können nicht wieder ausgewildert werden.“

Der neue städtische Umweltreferent Reiner Erben (Grüne) sieht allerdings keinen Grund, dem Zoo wegen des Todes der Giraffe mit Skepsis zu begegnen. „Nach meinem Eindruck wird dort eine sehr gute Arbeit gemacht“, sagt Erben. Erben war am Donnerstag, direkt nach dem Tod von Kiano, im Zoo und ließ sich vor Ort von Direktorin Barbara Jantschke über den Tiergarten informieren. Der Zoo habe unter der Führung von Jantschke viel unternommen, um die Haltungsbedingungen vieler Tiere zu verbessern. Allerdings, so Erben, habe auch der Zoo nur ein sehr eng begrenztes Budget. Seine Partei lehne Zoos nicht grundsätzlich ab, sehe aber die Notwendigkeit einer möglichst artgerechten Haltung.

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Immer wieder starben Giraffen

Der junge Bulle Kiano reiht sich ein in eine Reihe weiterer Todesfälle bei den Augsburger Giraffen. In den vergangenen Jahren starben immer wieder Giraffen – allerdings, wie man beim Zoo betont, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Kianos Vater Marvin starb Anfang März mit 19 Jahren, nachdem sein Kreislauf nicht mehr mitmachte. Im Januar 2013 stürzte das trächtige Giraffen-Weibchen „Lada“ in seinem Stall und starb. Im Jahr 2010 musste Giraffe Jamie wegen eines Knicks in der Halswirbelsäule eingeschläfert werden, 2007 war ein Giraffenbaby zehn Tage nach seiner Geburt an einer Immunschwäche gestorben. Erschreckend für Giraffen-Liebhaber war ein Fall 1991, als das fünf Wochen alte Baby Gabi von seiner Mutter in einen Wassergraben gestoßen und mit Huftritten erschlagen worden war. Dass die Haltung von großen exotischen Tieren nicht immer unproblematisch ist, zeigen auch die Elefanten im Augsburger Zoo. Im Oktober 2011 hatte die Elefantenkuh Sabi einen Tierpfleger angegriffen und schwer verletzt.

Sabi kam damals in einen anderen Zoo, jetzt leben nur noch zwei betagte Elefanten in dem veralteten Gehege. Das Problem ist: Gerade die großen Tiere sind ein wichtiger Anziehungspunkt für die Zoobesucher – auf sie kann ein Tierpark eigentlich nicht verzichten. Die Elefanten bräuchten ein neues Areal, sonst könnten die Dickhäuter nicht mehr in Augsburg gehalten werden, sagte Zoochefin Jantschke im Herbst. Doch die Pläne für einen Neubau sind derzeit nur vage. Es fehlt das Geld. Im Kooperationsvertrag der neuen Stadtregierung von CSU, SPD und Grünen steht unter Punkt 13 lediglich: „Das Projekt Elefantenhaus soll unter dem Vorbehalt der Finanzierbarkeit umgesetzt werden.“

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