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Augsburg

07.05.2015

Trinker und Drogensüchtige am Kö: Passanten zeigen Verständnis

Die Trinker-Szene kehrt zurück an den Königsplatz. Wie reagieren Passanten und Streetworker darauf?
Bild: Anne Wall

Am neuen Königsplatz versammeln sich wieder Trinker und Drogensüchtige. Doch wie reagieren die Menschen in Augsburg darauf? Wir haben uns umgehört.

Polizisten gehen auf und ab. Der städtische Ordnungsdienst ist ebenfalls vor Ort. Dies ist derzeit das gewohnte Bild auf dem neu gestalteten Königsplatz, wo die Sicherheitskräfte vor allem Süchtige und Obdachlose im Auge haben.

Passanten fühlen sich von der Szene, in der es bisweilen auch zu Schlägereien kommt, offenbar nicht besonders belästigt. Dies ergab eine kleine Umfrage unserer Zeitung. Auch ein Alkoholverbot, das gesetzlich prinzipiell durchzusetzen wäre, halten viele nicht für sinnvoll und umsetzbar. „Es kann relativ schnell und unverschuldet passieren, dass man auf Sozialleistungen angewiesen ist“, meint zum Beispiel die 45-jährige Dorothea Wiesemann. „Das macht mich betroffen, aber eine Stadt muss mit dieser Situation leben.“

Streetworker wollen langfristige Verbindung mit den Menschen aufbauen

Diese Auffassung vertritt auch Knut Bliesener vom Sozialverband katholischer Männer (SKM). „Es ist ein Wunschtraum zu glauben, dass Augsburg mit Randgruppen keine Probleme hat. Eine Stadt wie Augsburg muss sich das leisten können und die Probleme anpacken.“ Das tut Bliesener verstärkt seit einem Jahr im Rahmen eines Streetwork-Projekts. Mit einem gesponserten Wohnmobil sind er und seine Kollegen mehrmals pro Woche in sozialen Brennpunkten der Stadt unterwegs.

So wollen die Streetworker langfristige Beziehungen zu Obdachlosen und Süchtigen aufbauen und so ein Vertrauensverhältnis schaffen. „Dann können wir helfen, Unterkünfte zu finden und medizinische Behandlung anzubieten“, so Bliesener. Das Kunststück sei dabei, ständig mit den Betroffenen in Kontakt zu bleiben.

Viele Passanten akzeptieren Randgruppen

Eine große Hilfe für die Sozialarbeiter ist auch die weitgehende Akzeptanz, die Passanten den Randgruppen entgegenbringen. „Wenn es nicht zu viele werden, ist es okay. Man kann sich den Platz ja auch teilen“, zeigt Muhammad Akrami Verständnis.

Für den 18-Jährigen ist ein Miteinander kein Problem, solange sich alle gut benehmen. Mit gemischten Gefühlen betrachtet indes Dominik Kaspar die immer größer werdende Trinkerszene am Kö. „Zu Beginn waren nur wenige auf den Bänken, jetzt werden es langsam immer mehr.“

Der Sozialarbeiter Bliesener kennt den Grund. Seit den Bauarbeiten am Hauptbahnhof könne man beobachten, wie die Szene auf den Königsplatz umzieht. Überstürzte Maßnahmen seien jedoch der falsche Weg. „Von heute auf morgen kann man die Situation nicht verbessern“, erklärt Bliesener.

Die Suchtszene ist der 50-jährigen Karola Kronawitter noch gar nicht aufgefallen. Sie fühlt sich wohl am neuen Kö: „Früher war er nicht einladend, aber heute habe ich kein mulmiges Gefühl mehr, wenn ich drüber gehe“, sagt die Passantin.

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