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Augsburg

14.03.2018

Umstrittene Tarifreform: Was sagen die ersten Zahlen?

Mehr als 60 Millionen Fahrgäste pro Jahr haben zuletzt den Nahverkehr in Augsburg genutzt. Die Stadtwerke kalkulieren damit, dass sich die Zahl der Kunden weiter erhöht.
Bild: Klaus Rainer Krieger (Archiv)

Die neuen Preise im Nahverkehr haben Proteste ausgelöst. Die Stadtwerke legen erste Zahlen zu Kartenverkäufen vor. Wir erklären, welche Tendenz man ablesen kann.

Die Stadtwerke haben eine erste Bilanz gezogen zur Entwicklung der Fahrgastzahlen nach der umstrittenen Tarifreform. Wie fällt sie aus?

Aus Sicht der Stadtwerke positiv. Das Ziel, mehr Kunden in ein Abo zu bringen, werde erreicht, sagt Sprecher Jürgen Fergg. Die Stadtwerke berufen sich vor allem auf eine Zahl: Zum 1. März gab es 41.000 Abo-Kunden. Ein Jahr zuvor, im März 2017, waren es 36.000 Abos. Das entspricht einer Steigerung um rund 14 Prozent. In diesen Zahlen sind alle Abo-Modelle enthalten, die die Stadtwerke anbieten.

Wie ist dieser Anstieg bei den Abos zu bewerten?

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Für die Stadtwerke Augsburg ist das gut, weil sie Kunden damit langfristiger an sich binden. Es sind sichere Einnahmen. Das 9-Uhr-Abo führte lange ein Schattendasein. Jetzt ist es, mit rund 11.500 Tickets zum am meisten nachgefragten Abo geworden. Es ist auch der einzige Tarif, der mit der Tarifreform im Augsburger Verkehrsverbund (AVV) zum Jahreswechsel deutlich günstiger geworden ist. Der Preis sank um etwa zehn Euro auf 30 Euro im Monat für den Inneraum. Zudem wurden alle Seniorenabos, zuletzt gut 8000, automatisch in ein 9-Uhr-Abo umgewandelt. Das Seniorenabo gibt es nicht mehr. Daran gab es Kritik, weil Senioren mit ihrer Karte bislang schon vor 9 Uhr Bus und Tram nutzen durften. Wenn sie jetzt früh los wollen, müssen sie extra zahlen.

Einen Rückgang gibt es beim Premium-Abo. Was könnte die Ursache dafür sein?

Das Premium-Abo ist übertragbar, zudem kann man abends und am Wochenende weitere Personen mitnehmen. Dafür zahlt man im Innenraum (Zone 10 und 20) inzwischen aber auch 59 Euro im Monat. Der Preis wurde zum Jahreswechsel noch einmal um zwei Euro angehoben. Innerhalb von sechs Jahren stieg der Preis für das Premium-Angebot damit um fast 17 Prozent. Das es jetzt einen Rückgang um 2,2 Prozent gibt, könnte ein Zeichen dafür sein, dass der Preis bei diesem Abo ausgereizt ist. Immerhin bekommt man für das das selbe Geld jetzt zum Beispiel auch zwei Neun-Uhr-Abos.

Bei den Schüler-Abonnements gibt es in der Stadt Augsburg eine Steigerung um fast 20 Prozent auf 10.700. Wie ist das zu erklären?

Die Stadt subventioniert die Schüler-Abos seit diesem Jahr. Ein Abo für Schüler für den Innenraum (Zone 10 und 20) kostet eigentlich 49,50 Euro im Monat. Weil die Stadt Augsburg aber 16 Euro übernimmt, bleiben 33,50 Euro als Eigenanteil. Das scheint für Familien attraktiv zu sein. Wer außerhalb Augsburgs lebt und keinen Zuschuss bekommt, muss für ein Abo für zwei Zonen dagegen die vollen 49,50 Euro bezahlen. Der Preis stieg innerhalb der vergangenen sechs Jahre um rund 16 Prozent.

Wie ist die Situation für Gelegenheitsfahrer?

Sie zahlen durch die Tarifreform teils deutlich mehr – durch die Zusammenlegung der Zonen 10 und 20 zum Innenraum muss jetzt immer für zwei Zonen gezahlt werden. Es sei denn, man kann das für vier Haltestellen gültige Kurzstreckenticket nutzen. Der Verkauf von Einzelfahrscheinen lag aktuell im Februar um acht Prozent unter den Verkäufen im Februar 2017. Absolute Zahlen – also um welche Größenordnungen es konkret geht – wollen die Stadtwerke nicht nennen. Das macht eine Bewertung schwierig. Die Verkauf von Streifenkarten legte um fünf Prozent zu – auch hier gibt es keine absoluten Zahlen. Wie der Zuwachs zustande komm, darüber kann man nur spekulieren. Teils könnte es daran liegen, dass Fahrgäste wegen der Zusammenlegung der Zonen 10 und 20 jetzt mehr Streifen abstempeln müssen und daher mehr Karten verbrauchen.

Die Stadtwerke gehen aktuell von einem Zuwachs bei den Fahrgästen von rund vier Prozent aus. Wie kommen sie auf diesen Wert?

Wie sie darauf genau kommen, bleibt das Geheimnis der Stadtwerke. Die Fahrgastzahlen werden nach einem speziellen Schlüssel berechnet. So wird zum Beispiel für jedes Abo mit einer bestimmte Zahl an Fahrten kalkuliert. Zählungen hätten ergeben, dass diese Werte relativ gut passen, sagt Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg. Zuletzt stieg die Zahl der Fahrgäste in Augsburg jedes Jahr im Bereich zwischen drei und vier Prozent, auch ohne Reform. 2016 nannten die Stadtwerke eine Zahl von 61,6 Millionen Fahrgästen. Wie sich die Tarifreform außerhalb von Augsburg auswirkt, also im gesamten AVV-Gebiet, ist bislang nicht bekannt. Der AVV hat noch keine Zahlen zu den Kartenverkäufen veröffentlicht.

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14.03.2018

Warum nennen die Stadtwerke die konkreten Zahlen zum Einzelfahrschein- und Streifenkarten-Verkauf nicht? Etwa, damit man nicht nachvollziehen kann, wie sich die Tarifreform genau auswirkt? Den Stadtwerken geht es nur darum, ihre Einnahmen konstant zu halten und ihren Aufwand zu minimieren. Wie aber zu Recht kommentiert wurde ist öffentlicher Nahverkehr Teil der Daseinsvorsorge. Das heißt die Politik muss dafür sorgen, dass die Qualität des Nahverkehrs stimmt, die Preise attraktiv sind und möglichst Viele zum Umsteigen bewegt werden. Gelegentliche Fahrten können auch Teil eines umweltfreundlichen Mobilitäts-Mixes aus Radfahren, zu Fuß gehen und ÖPNV sein - allein deshalb darf es nicht so teuer sein!

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