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Augsburg

07.12.2020

Umstrittener Bau mit Versuchstieren kommt erst später an die Uniklinik

Am Universitätsklinikum Augsburg soll ein Gebäude entstehen, in dem auch Tierversuche stattfinden sollen. Dagegen regt sich Widerstand.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Mit dem Bau des dritten Medizingebäudes nahe der Uniklinik, in dem auch Tierversuche geplant sind, wird später begonnen. Was die Gründe sind und welche Auswirkungen das hat.

Den ein oder anderen Tierschützer wird diese Nachricht freuen, an der Uni hat man damit offenbar auch keine Probleme: Der Baubeginn des Zentrums für integrierte und translationale Forschung (kurz ZeIT), der auf dem Medizincampus neben der Uniklinik entstehen soll, verschiebt sich von Ende 2022 auf Anfang 2024. Das geht aus einer Antwort des bayerischen Wissenschaftsministeriums auf eine Anfrage unserer Redaktion hervor. In dem Neubau sollen auch Tierversuche für Forschungszwecke stattfinden.

So sehen die Pläne für das "Zentrum für integrierte und translationale Forschung" in Augsburg aus. Der Baubeginn verzögert sich nun.
Bild: Nova Architekten (Illustration)

Verantwortlich für die Verzögerung, so das Ministerium, sei die Corona-Pandemie. "Zudem wurden während des Planungsprozesses vereinzelt Umplanungen erforderlich", schreibt Julia Graf aus dem Wissenschaftsministerium.

26.000 Menschen unterschrieben Online-Petition gegen Tierversuche in Augsburg

Diese betreffen jedoch nicht die Tierversuchshaltung, wie Annette Bubmann vom staatlichen Bauamt klarstellt. Der Aufbau einer Tierversuchsabteilung in dem geplanten Gebäude hatte für Proteste gesorgt, eine Petition des Vereins Ärzte gegen Tierversuche gegen das Vorhaben haben allein online aktuell mehr als 26.000 Menschen unterschrieben. Auch der Augsburger Tierschutzverein unterstützt die Petition.

Mitglieder der Organisation „Ärzte gegen Tierversuche“ setzen sich gegen die Pläne für den Augsburger Medizincampus ein.
Bild: Klaus Rainer Krieger (Archivfoto)

Laut Bubmann sind die Umplanungen "im Zuge des üblichen Planungsprozess" aufgrund der sehr komplexen technischen Anforderungen an das Gebäude erfolgt. "Die vorgesehene Nutzung des Gebäudes und die Gesamtnutzfläche des vom Wissenschaftsministerium genehmigten Raumprogramms wurde beibehalten." Neben den Umplanungen sei auch das Corona-Virus für die Verschiebung verantwortlich. "Der vorgesehene Planungsstart fiel genau in die Zeit des Beginns der Corona-Pandemie." Planung sei aber Teamarbeit und erfordere gerade in dieser Startphase "eine gute Kommunikation", sagt Bubmann.

Gebäude mit Tierversuch-Haltung: Baubeginn nicht vor Anfang 2024

Den weiteren Weg des Gebäudes skizziert Julia Graf vom Wissenschaftsministerium so: "Nach Fertigstellung der Vorplanung muss der Haushaltsauschuss des Landtages dem Vorhaben zustimmen." Dies sei aktuell für das Frühjahr 2022 geplant. Daran, so Graf weiter, würden dann die Ausführungsplanungen anschließen. "Nach derzeitigem Stand gehen wir von einem Baubeginn Anfang 2024 aus." Bei einer kalkulierten Bauzeit von vier bis fünf Jahren, die das Bauamt angibt, kann das Gebäude wohl erst 2028/29 in Betrieb genommen werden - ein Jahr später als ursprünglich geplant.

Wie Corinna Härning von der Uni-Pressestelle betont, hat das aber keine Auswirkungen auf Studium und Lehre. "Das ZeIT-Gebäude ist das dritte auf dem Campus, das Lehrgebäude sowie das Institut für theoretische Medizin (ITM) werden früher fertig." Eine spätere Inbetriebnahme des ZeIT-Gebäudes, dessen Bedeutung für die Spitzenforschung die Uni in der Vergangenheit immer wieder betont hatte, habe auch keine Auswirkungen auf den Aufbau der Medizinfakultät.

"Wir haben genug Räume zur Verfügung", sagt Härning. Sie verweist etwa auf die Räumlichkeiten der alten Kinderklinik, in denen die Medizinfakultät aktuell untergebracht ist und wo Kapazitäten frei werden, wenn Lehrgebäude und ITM fertig werden. "Wenn es nötig sein sollte, wird es Interimslösungen geben. Wie etwa im Sigma-Park", sagt Härning.

Für den Augsburger Medizincampus werden noch Professoren gesucht

Sie glaubt auch nicht, dass es zu Verzögerungen bei der Berufung von neuen Professoren kommen werde. "Für einen Professor ist die räumliche Situation ein Verhandlungspunkt unter vielen. Ob das Labor dann in einem Gebäude steht oder in der Interimslösung, ist erst mal egal."

Von den insgesamt 100 Medizinprofessoren sind nach Uni-Angaben aktuell schon zwanzig (inklusive der Dekanin) berufen, immer 15 bis 20 Berufungsverfahren würden parallel laufen.

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