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Streit um Hotel-Namen

07.09.2018

Uni-Wissenschaftler schlägt Alternativen zu "Drei Mohren" vor

Im Foyer des Hotels Drei Mohren sind diese Büsten zu sehen. Bei seinem Logo verzichtet das Unternehmen teilweise auf die Darstellung der drei Mohren.
Bild: Silvio Wyszengrad

Uni-Wissenschaftler Philipp Bernhard wünscht sich eine weitere Debatte um Logo und Namen des Hotels Drei Mohren in Augsburg.

Das Steigenberger Hotel Drei Mohren in Augsburg wirbt seit Kurzem mit einem Logo, das auf die traditionelle Darstellung der drei Mohren verzichtet. Was sagen Sie zu diesem Schritt?

Philipp Bernhard: Meine Kollegin Ina Hagen-Jeske (Europäische Ethnologie/Volkskunde) und ich verfolgen schon länger, wie sich die Debatte über den Namen und das Logo des Hotels entwickelt. Und wir waren überrascht, welche hohen Wellen dieses Thema in Augsburg schlägt. Wir begrüßen nun auch, dass das Hotel einen Anfang macht und auf das Bildlogo der „Drei Mohren“ teilweise verzichtet.

Warum?

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Bernhard: Auch uns hat dieses Logo schon öfter in ein peinliche Situationen gebracht. Wenn wir Gäste aus anderen deutschen und internationalen Universitäten zu Gast haben, sind sie teilweise empört über die drei Köpfe im Logo. Entsetzt war erst kürzlich der Gastdozent Achille Mbembe. Der in Südafrika ansässige Historiker und Philosoph gilt als einer der wichtigsten Denker des Postkolonialismus und setzt sich auch mit solchen Phänomenen auseinander.

Warum löst das Logo bei Wissenschaftlern immer wieder Kritik aus?

Bernhard: Es zeigt die typische Darstellung des schwarzen Sklaven im Kolonialismus, einen vereinfachten sogenannten „Negertypus“ ohne menschliche Züge. Das ist problematisch. Die Mohrenbüsten am Hotel haben dagegen individuelle menschliche Züge, sie sind weniger problematisch als das Logo.

Was halten Sie vom Vorschlag, das „Drei Mohren“ in „Drei Möhren“ umzubenennen? Viele Menschen fanden das völlig daneben...

Bernhard: Ich war überrascht, dass der alternative Vorschlag „Drei Möhren“, den die Amnesty-International-Jugendgruppe ins Spiel brachte, von vielen Leuten so ernst genommen wurde. Dabei war er nur als strategisches Mittel gedacht, um Aufmerksamkeit zu erregen. Das ist zwar gelungen, doch die Debatte über den Hotelnamen zeigt, dass die Auseinandersetzung mit dem Augsburger Anteil an der Kolonialgeschichte noch ganz am Anfang steht. In anderen großen Städten wie etwa Berlin ist die Diskussion schon weiter.

Worum geht es in Berlin?

Bernhard: In Berlin etwa läuft schon länger eine Diskussion über die Umbenennung der Mohrenstraße.

Kritiker von Umbenennungen beanstanden, dass damit ein Stück Geschichte ausgelöscht wird ...

Bernhard: Das Interessante in Berlin ist, dass die Aktivisten das Ziel haben, den Bezug zur deutschen Kolonialgeschichte zu belassen, dass sie aber einen Perspektivenwechsel erreichen wollen. Sie schlagen vor, die Mohrenstraße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umzubenennen. Amo stammte aus dem heutigen Ghana. Er wurde Anfang des 18. Jahrhunderts als Kind versklavt, kam als „Hofmohr“ an den Braunschweiger Hof und erhielt dort eine sehr gute Ausbildung. Er wurde der erste bekannte Philosoph und Rechtswissenschaftler afrikanischer Herkunft in Deutschland, stellte damit aber eine Ausnahme dar.

Aber wo sehen Sie die Grenzen der Namensdiskussion? Wenn man das Hotel „Drei Mohren“ umbenennen würde, müsste man dann nicht auch dem Lokal „Mohrenkopf“ einen neuen Namen geben, um politisch korrekt zu sein?

Bernhard: Die Debatte sollte in jedem einzelnen Fall differenziert geführt werden. Das Hotel „Drei Mohren“ ist nicht irgendein Haus, sondern es hat ein internationales Publikum. Wichtig ist auch, dass der Name in diesem Fall auf eine Legende zurückgeführt wird und nicht historisch belegbar ist. Denkbar wäre zum Beispiel, dass das Hotelmanagement selbstkritisch handelt und eine Lösung im Dialog sucht, etwa mit der Bezeichnung „Drei Mauren“ oder „Drei Mönche“.

Es gibt viele Menschen in Augsburg, die finden, das es wichtigere Probleme auf der Welt gibt als die Umbenennung des Hotels „Drei Mohren“...

Bernhard: Die Reaktionen auf Facebook zeigen mir, wie wenig Wissen zum Kolonialismus vorhanden ist. Die deutsche Kolonialzeit war relativ kurz und wird deshalb bis heute oft bagatellisiert. Tatsächlich standen damals die Ausbeutung der Kolonien und Gewalt gegen die Bevölkerung im Vordergrund. Es geht aber nicht nur um damalige Verbrechen, sondern auch um Rassismus und Stereotype, die mit dem Kolonialismus verbunden sind und auch danach fortwirken.

Aber müsste eine Debatte über Kolonialismus nicht deutschlandweit geführt werden?

Bernhard: Diese Debatte wird bereits geführt. Die Hafenstadt Hamburg hat beispielsweise beschlossen, ein gesamtstädtisches Konzept zur Erinnerung an Hamburgs koloniales Erbe zu erarbeiten. Aber auch in Freiburg gibt es eine Auseinandersetzung mit „Kolonialismus in der Provinz“. Das Thema sollte aber insgesamt eine noch größere öffentliche Aufmerksamkeit bekommen, auch in Augsburg. Denn auch hier gibt es noch viele offene Fragen, etwa zur historischen Rolle von Augsburger Handelshäusern wie den Fuggern und Welsern. Augsburg war in der frühen Neuzeit ein weltweites Wirtschaftszentrum, die Welser hatten eine eigene Kolonie in Venezuela und auch die Fugger profitierten indirekt über Handel und Finanzwesen vom Kolonialismus. Es könnte noch mehr getan werden, um dies ins öffentliche Geschichtsbewusstsein zu rücken.

Was wünschen Sie sich als Geschichtsdidaktiker für die weitere Diskussion?

Bernhard: Ich wünsche mir eine offene und konstruktive Debatte, damit sich möglichst viele Leute eine eigene Meinung bilden können. Bislang sieht es für mich so aus, als ob die Befürworter und Gegner der Namensdiskussion auf ihren Positionen verharren.

Hier geht es zur Online-Petition der Augsburger Amnesty International Jugendgruppe.

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07.09.2018

Ich finde nicht, dass der Begriff "Mohr" negativ belegt ist - vielmehr wurden wir im Laufe der Zeit zur Nichtnutzung dieses Begriffes erzogen. Als Kind konnte man noch "Mohrenküsse" essen - bis man auf das politisch korrekte "Schaumküsse" gedrängt wurde. Was hat sich dadurch für die besagte Personengruppe (Mohren, Schwarze, Afrikaner etc.) verändert - gar nichts. Nur die breite Mehrheit, die nie eine negative Konnotation mit dem Begriff "Mohr" verbunden hatte, wird von einer Gruppe, die sich im Besitz der Moralischen Überlegenheit glaubt, in die rechte Ecke gedrängt. Der Begriff "Mohr" wird nicht Rassistisch gesehen/verwendet (insbesondere nicht im Zusammenhang mit historischen Hotels, Strassennamen, Apotheken etc.), vielmehr habe ich das Gefühl dass die Gegner der Begriffsverwendung selbst ein Rassissmusproblem haben sie dadurch diesen Zusammenhang herstellen. Mit dieser leidigen Diskussion erweisen wir den Betroffenen wirklich einen Bärendienst ... für sie wird sich nichts ändern und es lenkt nur von den wahren Problemen dieser Leute ab.

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07.09.2018

in unserer satten Gesellschaft braucht man sich meistens nicht um echte Probleme zu kümmern. Dann versucht man halt krampfhaft eins zu konstruieren um wahrgenommen zu werden.

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07.09.2018

Fragen Sie doch mal, die Leute die es betrift ??
Nur der Deutsche hat ein Problem ???

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07.09.2018

@Andrea F.

Sie lenken ab Frau F. Erklären Sie lieber warum der Afrikaner Sitson den Ausdruck Afrikaner für abwertend hält.

Auch wenn der Begriff heute nicht mehr üblich ist, scheint er doch positiv besetzt gewesen zu sein. Oder glauben Sie, dass auch nur ein Unternehmer, ein Gastwirt, ein Hotelier seinem Produkt oder seiner Institution einen Namen gegeben hätte, der einen schlechten Beigeschmack hat?

Sie denken rassistisch, wenn Sie die Deutungshoheit über den Begriff erlangen wollen und anderen erklären, dass Sie abfällig über Dunkelhäutige sprechen würden, wenn sie Gefallen darin finden in ein Lokal namens Mohrenkopf zu gehen.

Zu den Kolonialwaren fällt Ihnen nichts ein?

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07.09.2018

Ausgerechnet ein Mitabeiter im Fachbereich Geschichte beteiligt sich an diesen seltsamen Diskussionen, die nicht zwischen einer Gründungslegende aus dem 15. Jahrhundert und dem Kolonialismus des 19. Jahrhunderts unterscheiden wollen. Mohr ist einfach eine historische Bezeichnung für Menschen aus Schwarzafrika. Die ganzen Albernheiten rund um den traditionellen Namen eines Hotels lenken doch nur von echten aktuellen Rassismusproblemen ab. Dem berechtigen Anliegen der Political Correctness, also ein Bewußtsein für beleidigende und diskrimierende Sprache zu schaffen, wird mit solchen Aktionen ein Bärendienst erwiesen.
Auch als stilisiertes Logo verweisen diese Köpfe auf die Gründungslegende - und in der geht ja einfach nur um Gastfreundschaft für Fremde. Für geachtete Mönche. Wenn seither jemand Afrikaner mit Sklaven gleichsetzt, liegt das Problem doch wohl in dessen Kopf und nicht im Namen eines Hotels.

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07.09.2018

Woran erkennt man an den stilisierten Köpfe im Logo, dass das Mönche sein sollen? An den dicken Lippen, dem krausen Haar oder der schwarzen Farbe? Und woran erkennt man, dass es sich um "geachtete Mönche " handelt? Schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen, finden Sie nicht auch?

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07.09.2018

So entfacht man eine Debatte zum Rassismus dens eigentlich so gar nicht gibt. "Mohr" wurde nie als Bezeichnung eines Sklaven benutzt. Es ist eine (deutsche?) Ableitung aus den Namen der Mauren und wurde im deutschsprachigen Raum schon seit dem 16.Jh. für dunkelhäutige Menschen benutzt ohne dabei an Rassismus zu denken. Eigentlich ist die Ableitung "Mohr" in der Aussprache schon seit mehr als 1200 Jahren gebräuchlich!
Dies jetzt mit der deutschen Kolonialzeit zu verbinden uns als Rassismus zu deuten ist schon abwegig.
Aktuell jetzt mit den Hotel 3 Mohren wird hier ein unselige Debatte um Rassismus angestoßen, die so völlig fehl am Platze ist.

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07.09.2018

Wann benutzen Sie denn heute noch den Begriff Mohr? Ganz ehrlich, würden Sie einen Schwarzen heute mit diesem Begriff beschreiben? Gesetzt den Fall, Sie haben eine Tochter, die einen Schwarzen als Freund hätte. Würden Sie sagen: Mein zukünftiger Schwiegersohn ist ein Mohr? Vermutlich nicht. Da streubt sich dann doch etwas in einem - zumindest, wenn man ein gewisses Maß an Sensibilität hat. Ist heute vielleicht also doch kein so gebräuchlicher Begriff mehr, oder?

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07.09.2018

Die Köpfe aus dem Logo zu nehmen war richtig, denn diese waren in der stilisierten Form tatsächlich wenig ansprechend und würdevoll und konnten ggf. fehlinterpretiert werden.

Ansonsten gehen die Ausführungen von Herrn Bernhard aber fehl. Er reitet (vermutlich mangels wirklicher Argumente) auf der deutschen Kolonialzeit herum, deren Aufarbeitung man sich endlich stellen müsse.

Nur: Wann begann diese denn und wie lange gibt es schon das Hotel Dreih Mohren unter dieser Bezeichnung?

Kolonien wurden im Kaierreich Ende des 19. Jahrhunderts gegründet. Da hieß das Drei Mohren schon vierhundert Jahre so.

Also wenn man sich über etwas aufregen sollte, dann beispielsweise, wenn heute noch Kaufhäuser und Läden als Kolonialwarenladen firmieren (beispielsweise ein Geschäft am verlängerten Perlachberg). Warum hat sich AI, warum hat sich Herr Bernhard nicht diesen Namen vorgeknüpft?

In einem Filmbeitrag der ARD ( https://www.ardmediathek.de/tv/Abendschau/Politisch-korrekte-M%C3%B6hren/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14913430&documentId=55367124 ), ist der Deutschkameruner Nijami Sitson, der seit 18 Jahren in Augsburg lebt, darüber viel gekränkter und empörter als über die drei Mohren die an der Fassade des Hotels prunken und die er durchaus würdevoll findet.

Pflichtgemäß stört er sich am Begriff Mohr. Aber interessant ist, dass er in der Aufzählung der Abwertungen für die dieser stünden (Diener, Bettler, der Arme) auch 'der Afrikaner' nennt.

Das ist ein Hinweis darauf, dass sich die Afrikaner einfach per se als Menschen zweiter Klasse fühlen, egal wie man sie bezeichnet. Denn wie soll man einen Menschen schwarzer Hautfarbe denn benennen, wenn nicht mit dem Kontinent seiner Herkunft.

Und m.E. ist das genau die Schiene, die mit dem positiv besetzten Begriff Mohr in deutschen Namensgebungen gefahren wird. Etwas wird ins Gegenteil verkehrt. Das positive Empfinden, das Augsburger beim Nennen ihres ersten Hauses am Platze haben, soll ihnen als eine rassistische, diskriminierende zumindest ignorante Haltung eingeredet werden und das im Namen der Aufklärung.

Das ist schlicht ein falscher Ansatz.



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07.09.2018

Maja S., Sie fragen "wie soll man einen Menschen schwarzer Hautfarbe denn benennen, wenn nicht mit dem Kontinent seiner Herkunft." Es gibt Schwarze, deren Herkunft nicht Afrika ist. Sie stammen aus Amerika, Europa, Asien, Australien. Man kann von der Hautfarbe nicht auf die Herkunft schließen, ebenso wenig wie dies umgekehrt möglich ist. Und auch in Afrika leben übrigens nicht nur Schwarze, sondern auch jede Menge Weiße und alle Schattierungen dazwischen.
Was Ihre andere Argumentation angeht: Nur weil der Name des Hotels älter ist als die deutsche Kolonialgeschichte, rechtfertigt dies doch nicht, dass ein Begriff, der inzwischen als rassistisch empfunden wird, heute immer noch beibehalten wird. Und der Begriff "Mohr" ist nicht positiv besetzt, glauben Sie mir. Vielleicht haben Sie ein positives Empfinden, wenn Sie an das Hotel denken, das mag durchaus berechtigt sein, denn schließlich handelt es sich um ein erstklassiges Hotel. Doch wäre der Rückschluss falsch, dass dadurch auch der Name, den das Hotel trägt, positiv besetzt wäre.

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