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Augsburg

13.01.2020

Unikindergarten: Elternbeirat erwägt rechtliche Schritte

Der Unikindergarten wird nun von der Stadt Augsburg betrieben.
Bild: Schoene

Plus Eine Einrichtung im Textilviertel wird geschlossen, weil es Vorwürfe gegen die Erzieher gibt. Das Jugendamt wird eingeschaltet - doch die Mütter und Väter zweifeln.

Nach dem Aus des Unikindergartens geht jetzt der Elternbeirat an die Öffentlichkeit. Er äußert massive Zweifel an der Aussage einer Frau, die dem Jugendamt vor acht Monaten einen Vorfall in der Einrichtung im Textilviertel gemeldet hatte. Wie berichtet, soll die Leiterin der Einrichtung demnach einem Jungen die Hände mit seiner eigenen Jacke fixiert haben.

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Der Elternbeirat ist überzeugt, dass dies so nie stattgefunden hat. Im Gegenzug wirft er der Behörde vor, Verein und Personal durch "Drohungen und voreingenommene Prüfungen über Monate unter Druck" gesetzt zu haben. Der Verein, in dem vor allem Eltern Mitglied sind, die Kinder in der Einrichtung haben, beschloss daraufhin im Sommer seine Auflösung. Doch noch ist er nicht gelöscht. Der Elternbeirat erwägt, rechtliche Schritte sowohl gegen die Behörde als auch gegen die beschwerdeführende Mutter einzuleiten.

Birgit Kahn hatte zwei Kinder in der Einrichtung im Textilviertel. Die achtmonatige Hängepartie, während der unklar war, ob das Jugendamt die Kita schließen würde oder nicht, zermürbte die Familie. "Ich konnte nicht mehr schlafen. Ab November hatte ich endlich einen neuen Job als Flugbegleiterin und wusste nicht, wie es mit der Betreuung weiterging. Wir hingen völlig in der Luft", so Kahn. Erst Mitte Dezember gab die Stadt bekannt, dass das Bildungsreferat die Einrichtung ab Januar weiterführen wird. Da war bei Kahn die Luft schon raus: Zeitgleich erhielt sie eine Platzzusage von einer anderen Elterninitiative und nahm sie an. "Klar wäre es bequemer gewesen, nach den Ferien in die altbekannten Räume zurückzukehren. Aber ein städtischer Kindergarten kam für mich nicht in Frage."

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Mit "Kanonen auf Spatzen geschossen"

"Das Jugendamt hat hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen", sagt Martin Empl. Wie Kahn wünscht er sich eine Aufarbeitung der Vorgänge im Jugendamt. "Unserer Leitung drohte ein Tätigkeitsverbot. Aber laut den Vorwürfen soll auch die zweite Erzieherin Kinder fixiert haben. Dem ging das Jugendamt aber nie nach. Warum?" Insgesamt habe die Kommunikation der Behörde einen "chaotischen Eindruck" gemacht. "Ein Elternabend eskalierte so, dass der Abteilungsleiter seiner Fachbereichsleiterin die Gesprächsführung aus der Hand nehmen musste."

Im Oktober schrieb das Amt an einzelne Eltern, der Kindergarten würde von einem anderen Träger übernommen. Diese Ansage sei kurz darauf wieder zurückgenommen worden. "Wir wussten einfach lange nicht, woran wir waren", sagt Empl. Seine Frau sagte ihre Referendariatsstelle ab, weil die Betreuung der beiden Kinder ungewiss war. "Die Stelle wäre in Augsburg gewesen. Jetzt ist sie erst einmal arbeitslos." Das Betreuungsproblem für seine Kinder ist inzwischen aber gelöst: Seit dieser Woche läuft die Kita als städtische Einrichtung. Sieben Kinder sind dort, darunter Empls Töchter. Unglücklich ist er damit nicht, die Vorstellung des neuen Personals sei zufriedenstellend verlaufen.

In 15 Jahren kein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung

Verena Wowra-Weis vom Dachverband der Eltern-Kind-Initiativen Augsburg ist in den vergangenen 15 Jahren kein Verdacht auf Kindeswohlgefährdung in einer der Mitgliedseinrichtungen begegnet. Sie war zu Beginn vom Unikindergarten konsultiert worden und kritisiert: "Das Jugendamt hätte ein Gespräch mit allen organisieren müssen, inklusive der Beschwerdeführerin." So hätte sich eine Eskalation möglicherweise verhindern lassen.

Nils Espenhorst, Referent für Kita-Betreuung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, beobachtet bundesweit eine steigende Zahl von Konflikten um das Kindeswohl. Dass solche Krisensituationen professionell gemanagt werden sollten, sei heute in der Fachwelt Konsens. "Für ein effektives Konfliktmanagement ist eine externe Schlichtungsstelle notwendig. Die sollte zwischen freien Trägern und Jugendämtern angesiedelt sein, Elternbeschwerden entgegennehmen und Verwaltungsmechanismen transparent machen." In Brandenburg sei eine solche Anlaufstelle bereits eingerichtet, andere Bundesländer und Kommunen prüfen sie.

Jugendamt und Stadt Augsburg sind überzeugt, die Angelegenheit korrekt geregelt zu haben. Man habe die Einrichtung durch unangemeldete Besuche geprüft und daraufhin eine Änderung in der Leitung sowie eine Fortbildung für die Erzieherinnen angekündigt. Man habe sich, so Sozialreferent Stefan Kiefer, aber auch dafür eingesetzt, dass der Betrieb weitergehen könne. Dies tut er seit dieser Woche auch. Träger der Einrichtung ist nun die Stadt Augsburg.

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