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Augsburg

08.01.2020

Vater soll Tochter missbraucht haben: Angeklagter kommt nach 16 Monaten frei

Hat ein Vater aus Augsburg seine kleine Tochter missbraucht? Die Staatsanwaltschaft wirft ihm dies vor. Mittlerweile ist der Mann aus der U-Haft entlassen worden, der Prozess gegen ihn läuft weiter.
Bild: Patrick Pleul/Symbol (dpa)

Plus Einem Mann aus Augsburg werden schwerwiegende Taten vorgeworfen. Er soll seine Tochter missbraucht und seine Frau geschlagen haben. Vor dem Landgericht wird hart gerungen.

Sie haben sich nichts mehr zu sagen. Manfred K.*, 44 Jahre alt, und seine Ehefrau Nathalie* treffen an diesem Tag in einem Gerichtssaal aufeinander. Nicht zum ersten Mal. Manfred K. ist Angeklagter, Nathalie K. ist eine wichtige Zeugin im Prozess am Landgericht. Im Internet lassen sich noch Bilder der beiden finden, sie zeigen die Eheleute als glückliches Paar. Heute ist die Distanz zwischen ihnen so groß, wie sie nur sein kann, auch wenn beide in diesem Raum nur wenige Meter voneinander entfernt sitzen. Kein Wunder: Die Taten, die Manfred K. von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen werden, haben es in sich.

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Er soll seine Tochter laut Anklage im Zeitraum von 2015 bis 2018 mehrfach sexuell missbraucht haben, als das Mädchen gerade einmal zwischen einem und drei Jahre alt war. Außerdem geht es um häusliche Gewalt, immer wieder soll der Mann seine Frau geschlagen haben, mal mit der Hand, mal mit einem Handtuch oder einem Schuh.

Prozess um sexuellen Missbrauch in Augsburg: Der Angeklagte schweigt

Einmal gibt es an diesem Vormittag so etwas wie direkte Kommunikation zwischen den beiden. Nathalie K. reagiert auf eine der Fragen der Verteidiger unwirsch und sagt, Manfred K. lache schon wieder so. Er antwortet knapp: „Ich lache bestimmt nicht.“ Es gibt angesichts der Schwere der Vorwürfe und der Tragweite, die das Verfahren für das Leben der Beteiligten hat, auch nichts zu lachen. Die Stimmung im Gerichtssaal ist frostig bis vergiftet, immer wieder wird die Verhandlung unterbrochen. Es ist ein ungewöhnlicher Prozess. Bereits im Februar 2019 ging er ursprünglich los, also fast vor einem Jahr. Zwischenzeitlich ist der Prozess ausgesetzt und neu gestartet worden. Ursprünglich waren mal wenige Verhandlungstage angesetzt gewesen, am Ende werden es mehrere Dutzende sein, alles in allem. Nathalie K. hat hier bereits mehrfach ausgesagt, der erneute Auftritt macht ihr sichtlich zu schaffen. Ihr gehe es nicht gut, sagt sie. Alles ziehe sich hin, sie müsse immer wieder hierher.

Vater soll Tochter missbraucht haben: Angeklagter kommt nach 16 Monaten frei

Der Trennung der beiden und dem Ermittlungsverfahren müssen bittere Streitigkeiten vorausgegangen sein, Nathalie K. berichtet, sich in der Ehe zunehmend sozial isoliert gefühlt zu haben. Ihrem Mann sei gekündigt worden, von der Abfindung habe die Familie allerdings nicht viel gehabt; die Frau berichtet von Nächten, in denen ihr Mann irgendwo Poker gespielt und Geld verzockt habe. Nathalie K. macht einen angegriffenen Eindruck, sie sagt, sie habe Angst vor Manfred K., davor, was er ihr antun könne.

Prozess in Augsburg: Anwälte befragen die Zeugin stundenlang intensiv

Die Anwälte befragen sie stundenlang intensiv, von der Aussage der Frau hängt viel ab. Nicht alles hängt mit den unmittelbaren Tatvorwürfen zusammen, es geht den Verteidigern offenkundig auch um die Glaubwürdigkeit der Frau. Als einer der Anwälte Fragen zum Babyschwimmkurs des Kindes hat und es darum geht, ob es untergetaucht worden sei, reagiert die Zeugin kurzzeitig perplex.

Nathalie K. sagt, ihre Tochter sei nach der Trennung des Ehepaares im Jahr 2018 zu ihr gekommen und habe von einem „Inselspiel“ gesprochen, das sie nun nicht mehr spielen könne, denn dafür brauche es den Papa. Was für ein Spiel? Das Kind habe zunächst gesagt, dies sei ein Geheimnis. Zum ersten Mal, sagt Nathalie K., habe ihre Tochter das Wort „Geheimnis“ gebraucht – und später dann doch gesagt und auf ihre Art erklärt, was es mit dem Spiel auf sich habe.

Welche konkreten Handlungen es beinhaltete. Das „Inselspiel“, so schildert es Nathalie K., war demnach nichts anderes als sexueller Missbrauch. Auch sei ihr eine Wesensveränderung am Kind aufgefallen, eine Leere im Blick etwa.

War es so, hat Manfred K. seine Tochter missbraucht, seine Frau geschlagen? Oder ist da jemand schlicht in die Mühlen der Justiz geraten? Es ist ein hartes Ringen vor Gericht. Der Angeklagte ist ein drahtiger Mann, der die Aussage seiner Frau aufmerksam verfolgt und viele Notizen anfertigt. Gegenüber der Polizei hat er den sexuellen Missbrauch vehement bestritten, im Prozess schweigt er. Er wird von drei Anwälten vertreten, den Verteidigern Thorsten Junker, Michael Baitinger und Felix Dimpfl.

Sie haben zumindest einen Teilerfolg erreicht. Mittlerweile ist ihr Mandant aus der Untersuchungshaft freigekommen – nach 16 Monaten. Ein Teil der Vorwürfe wurde eingestellt. Vom Landgericht heißt es auf Anfrage, der Haftbefehl gegen den Angeklagten sei nach einer Sitzung im November aufgehoben und der Angeklagte aus der U-Haft entlassen worden. Die Jugendkammer unter Vorsitz von Richter Lenart Hoesch habe teilweise den dringenden Tatverdacht zu diesem Zeitpunkt verneint und hinsichtlich der verbleibenden Taten die weitere U-Haft für nicht mehr verhältnismäßig erachtet. Der Prozess wird fortgesetzt. * Namen geändert

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