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Kriminalität in Augsburg

20.07.2020

Verbrechen gehören zum Alltag: Augsburgs neuer Kripo-Chef über seinen Job

Dirk Schmidt ist seit mehr als 30 Jahren bei der Polizei. Seit Kurzem ist er Chef der Augsburger Kriminal-Polizei mit etwa 260 Beamten.
Bild: Bernd Hohlen

Plus Dirk Schmidt hat seit dem Frühjahr eine der wichtigsten Positionen in der Augsburger Polizei inne. Der erfahrene Ermittler erzählt, wie er seinen Job sieht.

Dirk Schmidt war wenige Wochen neuer Kripo-Chef, als Anfang April in Augsburg ein 15-Jähriger in einem Augsburger Asylheim umgebracht wurde. Ein 29-jähriger Mann aus Afghanistan soll mit einem Messer auf den Jugendlichen losgegangen sein und ihn tödlich verletzt haben, der mutmaßliche Täter sitzt seither in Untersuchungshaft. Es sind erschütternde Verbrechen dieser Art, die dafür sorgen, dass die Arbeit der Augsburger Kriminalpolizei regelmäßig in besonderem Fokus steht. Für Schmidt, 53, ist das keine neue Erfahrung.

Der Polizist war zuvor knapp zwei Jahre lang Chefs des Innenstadtreviers der Augsburger Polizei – ebenfalls eine Dienststelle, die von der Öffentlichkeit besonders beachtet wird, da sie sich etwa um die Auswüchse des Nachtlebens in der Maximilianstraße und eine Vielzahl von Demonstrationen kümmert. Die Arbeit als Leiter der Augsburger Kripo sei aber schon etwas anders, sagt Schmidt. Nicht nur, weil der Einzugsbereich deutlich größer sei und neben der Stadt auch die Landkreise Augsburg und Aichach-Friedberg umfasse. Vor allem sei die Komplexität der Fälle in der Regel eine andere.

Kripo Augsburg: Dirk Schmidt ist der neue Leiter

Es sind ja nicht nur die Mordfälle, die in der Öffentlichkeit besonders beachtet werden, sondern auch Mammutermittlungen wie jene um die mutmaßlichen Betrugstaten von acht Augsburger Pflegediensten. Die Umzugskartons mit Akten zu dem Komplex füllten bereits vergangenes Jahr eine ganze Halle beim Polizeipräsidium. Schmidt hat die Zahl der Ermittler der Sonderkommission, die sich speziell um Kriminalität in der Pflegebranche kümmert, zuletzt noch einmal aufstocken lassen. „Es ist unser Wunsch, die Ermittlungen in diesem Jahr abzuschließen“, sagt er.

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Doch nicht nur die spektakulären Fälle, sondern auch die alltägliche Kriminalität wie Einbrüche oder Drogendelikte machen die Führungsaufgabe bei der Kripo reizvoll. „Für die Bürger ist alles, was wir machen, wichtig“, sagt Schmidt. Die ersten Monate als Kripo-Chef seien intensiv gewesen, sagt Schmidt. Nicht nur der mutmaßliche Mordfall im Asylheim in Göggingen, auch der Macheten-Angriff eines vermutlich psychisch kranken Mannes im Augsburger Univiertel sorgte für enormes Aufsehen.

Der neue Kripoleiter ist ein erfahrener Polizist. Seit 1986 ist er bei der Polizei, in früheren Stationen war er unter anderem stellvertretender Leiter der Augsburger Kripo und Chef der Kriminalpolizeiinspektion für Zentralaufgaben – die hiesige Dienststelle für Organisierte Kriminalität. Zudem war er mehrere Jahre im Innenministerium tätig. Schmidt sagt, all diese Erfahrungen würden ihm nun in seinem neuen Job helfen. Der Kripo-Chef ist eine wichtige Position innerhalb der Augsburger Polizei. Die Dienststelle ist mit etwa 260 Beamten die größte ihrer Art in ganz Bayern; ihre Leiter haben in der Vergangenheit oft selbst die Führung in Sonderkommissionen bei spektakulären Mordfällen übernommen.

Mord in Augsburg: Kripo klärt seit Jahren jeden Fall

Die Arbeit als Kripo-Chef sei aber vor allem eine Führungsaufgabe, sagt Schmidt. Eine Arbeit, die ihm Spaß mache, auch wenn er es manchmal vermisse, selbst als Polizist zu arbeiten. Ermitteln sei zudem vor allem Teamarbeit. Den einsamen Kommissar, der Morde im Alleingang klärt, mag es in Fernsehsendungen geben – in der praktischen Arbeit der Polizei gibt es ihn nicht. Viele Fälle würden auch immer umfangreicher, sagt Schmidt. Oft müssen die Polizisten etwa gewaltige Mengen Datenmaterial sichten, das auf beschlagnahmten Festplatten liegt.

Bei Schwerverbrechen wie Mord, Totschlag und Vergewaltigung bewegen sich die Augsburger Zahlen seit Jahren auf vergleichsweise eher niedrigem Niveau. Die sogenannte Aufklärungsquote bei diesen Delikten hingegen ist hoch – seit Jahren etwa hat die Kriminalpolizei jeden Mörder in der Region gefasst. Er hoffe natürlich, dass das so bleibe, sagt der neue Kripo-Chef. Eine Garantie darauf geben könne er aber nicht. Zwar würden die Ermittlungsansätze, die Polizisten zur Verfügung stehen, immer besser, die Ansprüche an die Beweise würden aber auch immer höher.

Dirk Schmidt ist gebürtiger Nördlinger und lebt in Augsburg. Der verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes hat privat ein Hobby, das für ihn nicht nur Ausgleich zum Beruf ist, sondern tatsächlich eine Leidenschaft: Er liest in seiner Freizeit gerne Comics.

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