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Augsburg

12.08.2018

Vermisste Haustiere: Besitzer sollen mehr Klarheit bekommen

Das Augsburger Tierheim erhält täglich bis zu 15 Suchmeldungen zu Haustieren.
Bild: Mascha Brichta, dpa (Symbolbild)

Wenn Katzen oder Hunde verschwinden, erfahren die Halter oft nie, was passierte. Die Augsburger CSU will daher tote Fundtiere auf Kennzeichnungen prüfen lassen.

„Vermisst: Schauen sie in ihrer Wohnung/Keller/Garage – gechipte, britisch Kurzhaar Mischlingskatze!“ Dieser Aufruf war Anfang Juli überall im Rosenau–Thelottviertel auf Zetteln zu lesen. Sabine Henning hat verzweifelt nach ihrer Katze Josefine gesucht. „Ich habe Zettel im ganzen Viertel verteilt, die Nachbarn informiert und auch eine Suchanzeige in der Zeitung geschalten“, sagt die Katzenbesitzerin. Tagelang hat sie auf eine Antwort gewartet.

Angerufen hat niemand. „Diese Ungewissheit ist das Schlimmste. Manchmal habe ich gedacht, es wäre besser zu wissen, dass Josefine tot ist. Nicht zu wissen was mit ihr passiert ist, das hat mich total fertig gemacht“, so Henning. Nach sechs Tagen konnte sie wieder durchatmen: Josefine kam wieder nach Hause. „Wahrscheinlich war sie in einer Garage oder in einem Keller eingesperrt“, sagt die überglückliche Besitzerin. Für Sabine Henning ist die Suchaktion noch einmal gut ausgegangen.

Teilweise wird wochenlang gesucht

So viel Glück haben andere Haustierbesitzer nicht. Besonders das Schicksal vermisster Katzen, die oft spurlos verschwinden, bleibt in vielen Fällen ungewiss. Teilweise wird noch Wochen oder Monate nach dem Tier gesucht, am Ende jedoch meist ohne Erfolg. Der Verlust des geliebten Haustieres lässt für die Besitzer oft eine Welt zusammenbrechen. Umso schlimmer ist es, wenn der Verbleib des Tieres unbekannt ist. Die traurige Gewissheit über den Tod fehlt und es fällt schwer, den Verlust zu akzeptieren.

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Um dies zu ändern hat die CSU-Stadtratsfraktion einen Antrag zur Überprüfung und Dokumentation der Kennzeichnungen toter Fundtiere gestellt. Darin wird gefordert, dass die toten Tiere künftig vor der Entsorgung auf Tätowierung, Transpondernummer und andere Kennzeichnungen überprüft werden. Konkret heißt das: Falls dabei eine Identifizierungsnummer ausgemacht werden kann, wird diese in ein System gespeichert wird.

Dadurch sollen die Besitzer ausfindig und benachrichtigt werden. In der bisherigen Praxis werden tote Fundtiere von der Berufsfeuerwehr Augsburg und dem Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetriebs Augsburg eingesammelt. Laut Dirk Wurm, Leiter des Ordnungsreferats Augsburg, verfügt jedoch nur die Feuerwehr über ein Chiplesegerät, welches die Rückverfolgung des Besitzers möglich macht. Die Identifizierung der Tiere durch die Mitarbeiter des Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb ist ohne das Gerät jedoch schwierig.

Vergangenes Jahr wurden dort zwölf Katzen und vier Hunde eingesammelt. Dieses Jahr mussten bisher sieben Katzen und ein Hund entsorgt werden. Wie viele Besitzer ausfindig gemacht werden konnten, ist nicht bekannt. Auch Zahlen der Feuerwehr zu Fundtieren fehlen.

Viele Tiere sind gar nicht gekennzeichnet

Als großes Problem sieht Sabina Gassner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Augsburg jedoch, dass viele Haustierbesitzer ihre Tiere erst gar nicht kennzeichnen. Die Kennzeichnung, die beim Tierarzt über einen Chip erfolgt, vernachlässigen viele. „Wenn alle Tiere eine Identifikationsnummer hätten, würde uns viel Arbeit erspart werden“, so Gassner. Sie fordert deshalb eine Kennzeichnungspflicht für Haustiere in Bayern.

Mit dem Gang zum Tierarzt, ist es jedoch noch nicht getan. „Ärgerlich ist, dass viele glauben, mit der Kennzeichnung sei ihr Tier in einem Register erfasst. Das stimmt so aber nicht. Die Besitzer müssen die Registrierung selbst vornehmen“, meint Gassner. Nur so kann das Tier identifiziert werden. Am schnellsten geht das online, unter dem deutschen Haustierregister (findefix.com). Der Halter gibt dort seine Anschrift und Erkennungsmerkmale des Tieres an. Das Register ist öffentlich einsehbar. Auch zugelaufenen Tiere können so leicht überprüft werden.

Fehlende Chip-Nummer ist großes Problem für Tierheime

Für die Tierheime ist die fehlende Chip-Nummer ein großes Problem. Das Augsburger Tierheim erreichen bis zu 15 Suchmeldungen pro Tag. Durch die fehlende Kennzeichnung ist es aber schwierig, weiterzuhelfen. Was die Suche nach einem verschwundenen Tier noch schwieriger macht ist die private Entsorgung. „Anstatt bei offiziellen Stellen Bescheid zu geben, werden gefundene Tiere oft einfach vergraben. Zu einer Überprüfung der Nummer kommt es da nicht“, so Gassner.

Auch im Ordnungsreferat der Stadt sieht man die fehlende Registrierung der Identifikationsnummern als Problemursache. Bevor die Kennzeichnung der toten Vierbeiner also überprüft wird, sollten die Halter über die Registrierung aufgeklärt werden.

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