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Augsburg

26.05.2020

Verzweifelte Gastronomen auf dem Stadtmarkt: Keine Lockerungen in Sicht

Dana Trpkovic hat in der Viktualienhalle des Stadtmarktes einen Imbissstand. Sie darf momentan ihre Speisen nur zur Mitnahme verkaufen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Die Regelungen für die Gastronomie wegen der Corona-Pandemie sind gelockert. Aber nicht überall. Warum das Regelwerk am Augsburger Stadtmarkt streng geblieben ist.

Es ist Tag eins der gelockerten Regelungen für Gastronomiebetriebe in Bayern: Wirte dürfen drinnen bis 22 Uhr öffnen. Außengastronomie ist bereits seit vergangener Woche möglich. Allerdings endet hier der Betrieb um 20 Uhr. Ein Ort, an dem vor der Corona-Pandemie gerade zur Mittagszeit sehr viel konsumiert wurde, ist der Augsburger Stadtmarkt. Von Lockerungen im Gastrobereiche spüren Imbisshändler am Markt nichts. Verzehr von Speisen und Getränken ist weiterhin verboten. Sitzbänke im Freien sind mit Absperrbändern versehen. Ein Blick in Fleischhalle und Viktualienhalle zeigt am Montagmittag eine fast schon trostlose Stimmung.

Augsburger Stadtmarkt: In der Fleischhalle ist mittags fast nichts los

In der Fleischhalle darf sich gegenwärtig kein Kunde an den Stehtischen aufhalten. In der benachbarten Viktualienhalle sind hingegen alle Tische und Stühle verräumt. Durchkommen ist ohne Weiteres möglich. Stammkunden kennen die Situation völlig anders – vor Corona. Hungrige Gäste drängten sich zur Mittagszeit um die Stände. Am Montag ist ganz wenig los. Dana und Zoran Trpkovic haben ihren Imbiss erstmals wieder nach einer längeren Pause geöffnet. „Es ist eine sehr schwierige Situation“, sagt Zoran Trpkovic.

So sah es am Montag gegen 12.30 Uhr in der Fleischhalle aus. Kunden waren fast schon an einer Hand abzuzählen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Gegenwärtig sei ihnen und den Kollegen auf dem Markt lediglich erlaubt, Speisen zur Mitnahme anzubieten. Er habe Verständnis für diese weit reichende Entscheidung der Stadt: „Wir sind mit Marktamtsleiter Werner Kaufmann im ständigen Austausch.“ Weil es sich in der Fleischhalle und in der Viktualienhalle um ein Gemeinschaftsangebot handle, könne es keine Freigabe von Verzehrmöglichkeiten vor Ort geben, heißt die Vorgabe der Stadt. Auch in der Bäckergasse auf dem Markt dürfen im Außenbereich keine Tische und Stühle aufgestellt werden.

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Corona-Regelung: Das sagt der Augsburger Marktamtsleiter

Auf Anfrage erläutert Marktamtsleiter Werner Kaufmann die Position der Stadt: „Die Gastronomie in der Fleisch- und in der Viktualienhalle kann aufgrund der örtlichen Gegebenheiten, also zum Beispiel keine Zuordnung der Essensbereiche für einzelne Betriebe, die vorgegebenen Hygieneregeln für die Gastronomie nicht einhalten.“ Bei größerem Besucheraufkommen könne daher vor allem in der Mittagszeit keine Bewirtung an den Tischen oder Theken erlaubt werden. Kaufmann: „Auch eine Erhebung von Kontaktdaten ist unter diesen Umständen nicht möglich.“ Dafür fehlten unter anderem die Personalkapazitäten. Kaufmann verweist auf Absprachen: „Daher sind wir in Übereinstimmung mit den Betreibern zu der Auffassung gelangt, dass nach wie vor Getränke und Speisen nur zur Mitnahme angeboten werden können.“

Anders sieht es bei der Marktgaststätte und dem Café vorne am Tor des Marktes in Richtung Annastraße aus. Hier ist die Bewirtung erlaubt, wobei Vorgaben einzuhalten sind. Dazu zählt der Mindestabstand der Tische.

Die Sitzmöglichkeiten im Außenbereich des Stadtmarktes sind gesperrt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Dass die Tische vor der Fleischhalle derzeit gesperrt seien, habe ebenfalls Gründe, erläutert Kaufmann: „Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, wurde in Absprache mit dem Ordnungsreferat auf die Möglichkeit eines Verzehrs auf den Freiflächen des Stadtmarktes verzichtet.“ Auch in diesem Fall wäre eine Aufnahme von Kontaktdaten nicht leistbar. Der Stadtmarkt sei im Unterschied zum allgemeinen öffentlichen Raum als städtische öffentliche Einrichtung zu sehen, „die in Bezug auf die Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes eine gewisse Vorbildfunktion zu erfüllen hat“. Laut Kaufmann wäre an den Tischen beim Stadtmarkt-Brunnen die Einhaltung der Corona-Regeln nicht machbar: „Deshalb haben wir uns aktuell noch weiter für die Absperrung entschieden.“

Die derzeit geltenden Regelungen dienten dem Schutz von Händlern und Verbrauchern, sagt der Marktamtsleiter: „Diese Pandemie ist in der Tat kein Vergnügen.“ Man werde die weitere Entwicklung nun abwarten.

Der griechische Wirt Nikos Mparkas zur Lage der Gastronomie

Ein Gast, der sich mittags am Markt aufhält, ist der griechische Gastronom Nikos Mparkas. Er betreibt in der Altstadt seit 15 Jahren eine beliebte Taverne. Am Montag war vor Corona Ruhetag, diese Regelung gilt weiterhin. Ansonsten haben sich die Abläufe gravierend geändert. Mehrere Wochen lang blieb die Taverne wegen der Corona-Pandemie geschlossen. Als erste Lockerungen erlaubt waren, hatte Mparkas an ausgewählten Tagen auf Straßenverkauf gesetzt. In der Vorwoche öffnete er den Außenbereich. Ab Dienstag läuft der Betrieb auch wieder im Lokal.

Nikos Mparkas vor seinem Lokal in der Altstadt.
Bild: Michael Hörmann

Mparkas hat sich Gedanken gemacht, wie er organisatorisch vorgeht „Wir bedienen im Außenbereich. Für das Lokal gibt es eigene Reservierungen.“ Sollte drinnen alles voll sein, könnten Gäste von außen bei plötzlich einsetzendem Regen eben nicht ins Innere. Drinnen im ohnehin kleinen Lokal ist ein Teil der Fläche zur Bewirtung freigegeben. Die Bar bleibt wegen der räumlichen Enge gesperrt. „Wir müssen jetzt abwarten, wie sich die Regelung bewährt“, sagt Mparkas.

Für die Gastronomie sei es eine schwierige Zeit. Der Biergartenbetrieb sei für ihn ganz gut angelaufen, sagt der Gastronom. Das Geschäft sei jedoch wetterabhängig: „Als am Samstag absehbar war, dass es regnen wird, haben wir dann nicht geöffnet.“ Problem sei gewesen, „dass wir bereits Waren gekauft hatten“. Was also tun? Mparkas beschenkte Nachbarn. Aus dem erhofften Umsatz wurde folglich nichts: „Dies mag ein kleines Beispiel sein, wie herausfordernd die Situation für uns Wirte zuletzt gewesen ist“.

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