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10.02.2009

"Viele retten sich von Monat zu Monat"

"Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten" heißt es am Mittwoch und Donnerstag wieder im Pfarrsaal von St. Max. Alle zwei Monate versteigert dort das städtische Leihamt - das älteste in Deutschland - Wertgegenstände, die nicht ausgelöst wurden. Auktionator Franz Mundigl über Schmuckstücke, Schnäppchenjäger und Schicksale.

Herr Mundigl, boomt Ihr Geschäft in Zeiten der Finanzkrise?

Mundigl: Es könnte besser sein. So schlecht sind die Zeiten noch nicht. Das wird erst noch kommen.

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Mundigl: Die würden wir auch gar nicht nehmen, nicht mal die faulen.

Was ist denn Ihr Hauptgeschäft?

Mundigl: Über 90 Prozent sind Schmuck. Goldschmuck boomt zurzeit, Diamanten dagegen gehen eher schlecht. Und natürlich die ganze Technik - Playstation, X-Box, neuere Fernseher und Digitalkameras.

Welche Gegenstände kommen bei der Versteigerung unter den Hammer?

Mundigl: So genau ist das vorher nicht zu sagen. Die Leute können ihr Pfand bis kurz vor Beginn auslösen. Das meiste wird aber Schmuck sein, die eine oder andere Uhr, ein oder zwei Fahrräder und diverse technische Geräte. Insgesamt sind es so zwischen 200 und 250 Pfänder.

Sind es vor allem Schnäppchenjäger, die mitbieten?

Mundigl: Wir haben einen festen Kundenstamm, vor allem Händler, die sich für Technik oder Schmuck interessieren. Für die Privatkunden sind Einzelstücke interessant, wenn einem ein Stück wirklich gut gefällt.

Was passiert mit den Sachen, die nicht versteigert werden?

Mundigl: Bei Goldschmuck ist das nicht der Fall, eher bei Diamantringen. Was nicht zum Aufruf-Preis versteigert wird, wird im Leihamt zum Verkauf angeboten. Wir haben auch einzelne Teile, die schon länger liegen. Diamantherzen und Piaget-Uhren etwa waren früher in Mode, heute sind sie schwer zu verkaufen.

Wie lange liegt dann die Ware im Leihamt, bevor sie unter den Hammer kommt?

Mundigl: Wenn die Leute sich nicht mehr rühren, wird die Ware nach fünf bis sechs Monaten versteigert. Aber es gibt ja die Möglichkeit, ihre Pfänder zu verlängern. Viele retten sich wirklich von Monat zu Monat. Wir haben Teile da, die schon zu Mark-Zeiten beliehen wurden.

Schaffen es denn die meisten Leute, ihre Pfänder wieder auszulösen?

Mundigl: Die meisten wollen ihre Sachen nach kurzer Zeit abholen. Aber wenn das alle machen würden, bräuchten wir nichts zu versteigern.

Berühren Sie die Schicksale, die hinter den Pfandgegenständen stecken?

Mundigl: Manchmal ist es schon hart. Wir tun unser Möglichstes, stellen ein Pfand schon mal zurück für die nächste Versteigerung. Aber irgendwann können wir auch nicht mehr helfen. Interview: Sonja Krell

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