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16.11.2017

Volkswagen steht in China unter Strom

Volkswagen-Produktion in China.
Bild: Ole Spata, dpa

In keinem anderen Land werden mehr Elektroautos verkauft. Davon will VW profitieren - mit 40 neuen E-Modellen.

Peking/Wolfsburg Mit Milliardeninvestitionen und neuen Modellen will Volkswagen den boomenden E-Auto-Markt China aufrollen. In den nächsten sieben Jahren sollten zehn Milliarden Euro gemeinsam mit chinesischen Partnern in das Segment gesteckt werden, sagte VW-China-Chef Jochem Heizmann im Rahmen der Automesse im südchinesischen Guangzhou. Der Markt für Elektroautos entwickle sich in der Volksrepublik „schneller als in anderen Teilen der Welt“.

Erst vor kurzem hatte Konzernchef Matthias Müller angekündigt, dass VW bis 2030 die Investitionen in die E-Mobilität auf 20 Milliarden Euro hochfährt. Am Freitag entscheiden die VW-Kontrolleure über die Planung für die kommenden fünf Jahre. Dabei dürfte es sich um hohe zweistellige Milliardenbeträge handeln. Nur: Die Affäre um die Manipulationen bei Abgaswerten von Dieselmotoren machen Investitionen für Volkswagen zu einem Balanceakt. Allein die Beilegung des Skandals in den USA kostete bereits mehr als 25 Milliarden Euro.

Geklärt werden soll auch, wo die neuen E-Autos gebaut werden. Dabei kristallisiert sich das Werk in Zwickau als möglicher Standort heraus. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Zwickau ins Spiel gebracht – er will erreichen, dass alle Modelle zunächst in nur einem Werk produziert werden.

Branchenbeobachter mahnen zur Umsicht: „Im Moment ist das Geld da, aber man muss es gut einsetzen“, meinte der Autoexperte Stefan Bratzel. Vor allem mit Blick auf den Wandel zur E-Mobilität sagte er: „Es waren noch nie solche Investitionen notwendig wie für diese Transformation.“

Heizmann kündigte an, dass in China bis 2025 rund 40 Fahrzeugmodelle mit alternativen Antrieben produziert werden sollen – noch einmal 25 mehr als bisher vorgesehen. Auf dem wichtigsten Automarkt der Welt will er bis 2020 rund 400000 Elektroautos jährlich verkaufen. Bis 2025 soll der Absatz auf 1,5 Millionen Stück pro Jahr steigen. Heizmann hatte diese Absatzpläne für China kürzlich auch bei einem Auftritt in Augsburg skizziert (wir berichteten). Nach früheren Angaben Müllers bringen die VW-Konzernmarken bis 2025 insgesamt über 80 neue Modelle mit E-Motor auf den Markt, darunter rund 50 reine E-Autos und 30 Plug-in-Hybride. Aber: „Für E-Mobilität Geld einzusetzen, ist eine Wette auf die Zukunft“, warnte Bratzel.

Als „richtige Lösung“ bezeichnete Heizmann den im September von der chinesischen Regierung verkündeten Kompromiss bei der geplanten Produktionsquote für Elektroautos. Anders als von den deutschen Herstellern befürchtet, sollen die neuen Regeln nicht schon 2018, sondern erst 2019 gelten. Nach einem Punktesystem müssen dann zehn Prozent der in China hergestellten oder importierten Fahrzeuge über einen Hybridantrieb oder einen reinen Elektromotor verfügen. Dank staatlicher Subventionen beim Kauf eines E-Autos ist das Reich der Mitte inzwischen zum größten Markt für Elektrofahrzeuge aufgestiegen. Mehr als eine halbe Million Wagen mit alternativen Antrieben waren Ende 2016 bereits auf Chinas Straßen unterwegs. In vielen luftverschmutzten Millionenstädten des Landes herrschen strenge Zulassungsbeschränkungen für Autos mit Verbrennungsmotoren.

Nach einem zweistelligen Wachstum im Vorjahr lief das China-Geschäft für VW in diesem Jahr bislang durchwachsen. Heizmann gab sich aber optimistisch, bis zum Jahresende aufholen und mit einem Zuwachs von vier bis fünf Prozent so schnell wie der Markt wachsen zu können. In den ersten zehn Monaten hatten die Wolfsburger in China insgesamt fast 3,3 Millionen Autos ausgeliefert – 2,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Im Oktober gab es ein Plus von 9,4 Prozent auf 398 000 Autos.

Auch in Deutschland wächst die Zahl der Elektro- und Hybridautos – wenngleich das Niveau noch gering ist. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie wurden im Oktober 5067 E-Autos zugelassen – 93 Prozent mehr als im Oktober 2016. Der Elektroanteil sei zwar gering, stieg aber im Jahresverlauf auf 1,5 Prozent – nach 0,7 Prozent vor Jahresfrist. Jörn Petring

und Thomas Strünkelnberg, dpa

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