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Augsburg

08.07.2019

Vom Onlineshop in die reale Welt

Anja Licht ist mit „Pauli kocht“ am Mauerberg sesshaft geworden.
Bild: Michael Hochgemuth

Immer mehr Händler vor Ort betreiben einen Webshop, um am Markt bestehen zu können. Dabei haben sie eigentlich einen entscheidenden Vorteil.

Im Einzelhandel ist es mittlerweile gang und gäbe, dass neben dem stationären Handel zusätzlich online verkauft wird. Das gilt zunehmend auch für inhaber-geführte Geschäfte. Dafür gibt es auch in Augsburg Beispiele. So bieten unter anderem der Modehändler Rübsamen oder das Tabakwarengeschäft Nr7 ihre Waren im Netz an. Die Digitalisierung gehört bei ihnen zur Strategie. „Der Kunde erwartet heutzutage digitale Sichtbarkeit, beispielsweise auch bei Google oder Facebook. Daher empfehlen wir den stationären Händlern, das Internet zumindest als Marketingkanal zu nutzen“, erklärt Franziska Behrenz, bei der IHK Expertin für den Handel.

Die Frage, wie viel Internet heutzutage sein muss und wie viel stationärer Handel in Zeiten der Digitalisierung noch Sinn macht, könne man dabei nicht pauschal beantworten. „Welche Vertriebswege die Händler einschlagen, hängt von der Kundenstruktur, dem Produktsortiment und den Wettbewerbern ab“, erklärt die Expertin. In Augsburg gibt es laut IHK mehr als 3700 Einzelhändler, davon sind rund 370 reine Versand- und Onlinehändler.

Manche Produkte gibt es auch im Supermarkt

Zur letzten Gruppe gehörten einige Zeit auch Thomas Halder und Anja Licht. Sie betreiben Onlineshops für exklusiven Hundebedarf (dogandliving.de) beziehungsweise den Vertrieb von selbst kreierten Gewürzmischungen („Pauli kocht“). Wer ihre Produkte haben wollte, war bis vor Kurzem weitestgehend auf Onlinebestellungen angewiesen. Manche Produkte von Anja Licht gibt es auch in den Regalen von Rewe.

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Nun haben die beiden den Schritt gewagt, sich gegen den Trend zu stellen und ihre Geschäfte aus der virtuellen Welt zusätzlich in die Realität zu verlegen. In der Nähe von Altem Stadtbad und dem Kino Liliom haben Halder und Licht je einen eigenen kleinen Laden eröffnet. In beiden Fällen war es mehr der Zufall, der dazu geführt hat. Bei Halder wurden die Räume zu Hause zu klein, um von hieraus weiter den stetig wachsenden Onlineshop zu betreiben. Also wurden Lager und Versandräume am Schmiedberg 17 angemietet. „Und irgendwann dachte ich mir, dass ich das Lager doch auch als Laden herrichten und stundenweise öffnen könnte. Denn vor Ort bin ich ja sowieso“, erklärt Halder. Ganz ähnlich war es bei Anja Licht. Auch sie hat freie Flächen von Büro, Onlineshop und Versand in einen Laden umgebaut und nun alles unter einem Dach.

Thomas Halder in seinem Laden am Schmiedberg.
Bild: Michael Hochgemuth

Stationärer Handel bietet entscheidenden Vorteil

„Das ist definitiv eine sinnvolle Kombination“, sind sich die beiden einig. Vor allem weil der stationäre Handel aus ihrer Sicht einen wesentlichen Vorteil bietet: „Die Leute können vor Ort die Produkte anfassen und ausprobieren. Das ist das am häufigsten genannte Lob seit unserer Ladeneröffnung“, sagt Halder. Auch Anja Licht hat diese Erfahrung gemacht. „Manche Kunden nehmen sehr lange Fahrtstrecken in Kauf, nur um sich direkt im Laden beraten zu lassen und zu testen“, so ihr Fazit.

Ein Argument, das auch von Handelsexperten immer wieder ins Feld geführt wird, wenn es darum geht, wie es dem stationären Einzelhandel gelingen kann, sich gegen die Konkurrenz aus dem Netz zu behaupten oder – wie im Fall von Halder und Licht – beide Vertriebswege sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Die Beispiele, also der Weg raus aus dem Netz, rein in den stationären Einzelhandel, sind dennoch die Ausnahme. „Zwar gibt es so etwas immer mal wieder, aber von einem Trend zurück in den stationären Einzelhandel können wir nicht sprechen“, bestätigt IHK-Expertin Franziska Behrenz.

Überflüssige Sorge bei Augsburger Start-ups

Anja Licht kann die Zurückhaltung mancher Kollegen gut verstehen. „Ein eigener Laden verursacht deutlich mehr Kosten wie ein Onlinehandel“, sagt sie. Neben Strom, Ausstattung und Personal seien es vor allem die Mieten, die enorm zu Buche schlagen. Ein Geschäft in Innenstadtlage hätte sich weder Halder noch Licht leisten können, weshalb sie weiter außerhalb ansässig geworden sind. Was häufig als Nachteil empfunden wird, hat sich bei den Augsburger Start-ups allerdings als überflüssige Sorge entpuppt. Die beiden Geschäfte profitieren vom starken Durchlauf an Touristen, die bei ihren Führungen und Besichtigungstouren sowohl am Mauerberg 26 („Pauli kocht“), als auch am Schmiedberg 17 (Dogandliving) vorbei kommen. Und hier schließt sich auch wieder der Kreis von Online- und stationärem Handel: „Manche Touristen wollen die Ware nicht den ganzen Weg durch die Stadt tragen. Sie fragen dann nach der Möglichkeit, online zu bestellen. Da bin ich dann froh um den Shop“, so Anja Licht.

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