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27.02.2015

Von einer Weichenstellung weit entfernt

Die Chancen auf eine Reaktivierung der Hesselbergbahn zwischen Wassertrüdingen und Nördlingen sind auf absehbare Zeit auf den Nullpunkt gesunken, aber gestorben sind sie noch nicht.

Hesselbergbahn Die Chancen auf eine Reaktivierung des Südabschnittes stehen schlecht. Ein Experte erklärte im Oettinger Stadtrat, warum. Er hatte aber auch gute Nachrichten

Oettingen Als Tilman Gänsler seinen Vortrag schließlich beendet hatte, machte sich Ernüchterung unter den Zuhörern breit. 45 Minuten hatte der Experte des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) geredet, Zahlen heruntergebetet, Prognosen aufgestellt, Statistiken erklärt. Am Ende empfahl er dem Stadtrat von Oettingen, der ihn eingeladen hatte, zunächst einmal wenig zu tun, um die Reaktivierung des Südabschnittes der Hesselbergbahn voranzutreiben. Bevor man weitere Szenarien untersuche, sagte Gänsler, müsse man die bisher getroffenen Annahmen absichern. Also warten.

Dahinter steckt folgendes: Ein Gutachten des VGN aus dem Jahr 2012 hatte ergeben, dass auf der Strecke zwischen Wassertrüdingen nach Nördlingen lediglich 830 Reisende pro Werktag die Strecke nutzen. Der magische Schwellenwert liegt aber bei 1000, das ist die notwendige Zahl, um einen Betrieb vom Freistaat finanziert zu bekommen. Im Januar hatte es eine neue Fahrgastprognose gegeben, die sehr optimistisch war, was die Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die Region und die Städte Nördlingen und Oettingen betrifft. Es reichte dennoch nicht. Dieses Mal ergab die Prognose 960 Reisende pro Werktag, also immer noch 40 zu wenig. So ist der Stand. Bürgermeisterin Petra Wagner ( CSU/PWG) hatte diese Zahlen im Januar im Oettinger Stadtrat präsentiert, die Mitglieder des Gremiums hatten daraufhin angeregt, den Verkehrsplaner Gänsler in die nächste Sitzung einzuladen, um die Prognose zu erklären.

So kam es nun. SPD-Fraktionschef Robin Bhattacharya zeigte sich kämpferisch. „Wir sind kurz davor und müssen uns nur noch bestärkt bemühen, die 1000 zu knacken“, sagte er. Erwin Taglieber (CSU/FWG) fragte Gänsler, ob denn berücksichtig worden sei, dass eine Bahnanbindung in Oettingen ein enormes Entwicklungspotenzial entfalten könne. Sei es nicht, antwortete Gänsler. Einen positiven Effekt der Hesselbergbahn dürfe man einfach nicht unterstellen.

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Besonders Albrecht Röttger ist überzeugt davon, dass die Hesselbergbahn diesen positiven Effekt für Oettingen und die ganze Region hätte. Röttger ist kein Stadtrat, sondern Leiter des Arbeitskreises Bahnreaktivierung in Oettingen, er kommt aus der Stadt. Mittlerweile lebt und arbeitet der 47-Jährige in Nürnberg als Arbeitsvermittler. Und damit wie viele Menschen, die er kennt, nicht mehr in seiner Heimatstadt. Röttger ist überzeugt davon, dass der geforderte Schwellenwert erreicht werde, würde man zusätzliche Haltepunkte in Hainsfarth und im Nördlinger Industriegebiet vorsehen. Und dass es mit der Reaktivierung der Bahnlinie gelingen würde, mehr Leute wie ihn in Oettingen zu halten. „Mit einer Bahn gäbe es mehr Fachbetriebe vor Ort, und damit auch mehr Arbeitsplätze für Fachkräfte“, sagt er.

Auch Bürgermeisterin Wagner sagte im Stadtrat, sie sehe eine mögliche Reaktivierung der Hesselbergbahn als „Chance, unseren Standort zu stärken“. Nur ob sich diese Chance tatsächlich ergibt, ist nach der Präsentation der bekannten Zahlen im Oettinger Stadtrat so zweifelhaft wie zuvor. Dabei gab es durchaus Überraschendes zu hören. Die Steigerung in den Prognosen, von 830 auf 960 Reisenden pro Werktag, sei auch deshalb zustande gekommen, weil das Statistische Landesamt für den Landkreis Donau-Ries keine negative Bevölkerungsentwicklung mehr erwarte, sagte Gänsler. Während man 2011 noch davon ausging, die Bevölkerungszahl im Landkreis würde sich in den kommenden zwei Jahrzehnten verringern, so heißt es nun, dass sie bis 2032 steigen wird.

Und auch die Anzahl der Arbeitsplätze auf der geplanten Bahnstrecke spielte in die Neuberechnung mit rein: Gab es 2010 in Wassertrüdingen, Auhausen, Oettingen und Nördlingen insgesamt noch 21743 Arbeitsplätze, waren es 2013 entschieden mehr, nämlich 23356. „Wenn diese positive Entwicklung anhält“, sagte Gänsler. „Vielleicht reicht das dann auch.“

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