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Augsburg

25.09.2019

Wahl 2020: Wie weiblich wird die Augsburger Stadtpolitik?

Im Moment ist der Augsburger Stadtrat zu 70 Prozent mit Männern besetzt. Das könnte sich ändern.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Im März kann Historisches eintreten: Gut möglich, dass erstmals eine Oberbürgermeisterin ins Augsburger Rathaus einzieht. Das sagen die Kandidatinnen.

Bei der Kommunalwahl 2014 gab es in Augsburg neun Oberbürgermeisterkandidaten. Es waren ausschließlich Männer. In die danach gewählte Stadtregierung schaffte es gerade mal eine Frau. Eva Weber ist als Finanz- und Wirtschaftsreferentin im Dreierbündnis von CSU, SPD und Grünen tätig. Sie steht in dieser Funktion an der Seite von Oberbürgermeister Kurt Gribl und immerhin sechs männlichen Referentenkollegen. Der Frauenanteil im Stadtrat liegt gegenwärtig bei 30 Prozent. In absoluten Zahlen ausgedrückt, sind es 18 Frauen gegenüber 42 Männern. Sechs Monate vor der Kommunalwahl zeichnet sich ab, dass die Kommunalpolitik in Augsburg künftig weiblicher wird.

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Wird Augsburg künftig von einer Frau regiert?

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Augsburg erstmals ab Mai 2020 von einer Frau regiert wird. Auch die Zahl der Stadträtinnen wird deutlich steigen. Das Interesse der Frauen an einer Kandidatur ist so groß wie nie zuvor. 167 Kandidatinnen sind es derzeit, es werden mehr. Die Marke von 200 Stadtratskandidatinnen wird wohl übersprungen.

Eva Weber
Bild: Klaus Rainer Krieger

Vier Parteien und Gruppierungen setzen auf eine Frau als Oberbürgermeisterkandidatin. Eva Weber (CSU), Martina Wild (Grüne), Claudia Eberle (Pro Augsburg) und Anna Tabak (WSA) treten an. Auf jeder Stadtratsliste stehen 60 Plätze zur Verfügung: Bei den Grünen sind es 30 Frauen, die kandidieren – also exakt die Hälfte. Danach folgen die Linkspartei (28 Frauen), WSA (27), SPD (25), Freie Wähler (24), CSU (21) und FDP (12). Während die Liste der Grünen bereits 2014 paritätisch besetzt war, sind bei den anderen beiden Regierungsparteien CSU (2014: 15 Frauen) und SPD (22) mehr Kandidatinnen auf der Liste als bei der letzten Wahl. Die Linke verzeichnet die gleiche Entwicklung, nur die Freien hatten 2014 zwei Frauen mehr auf ihrer Vorschlagsliste. Noch haben nicht alle Parteien ihre Stadtratslisten aufgestellt. Es fehlen Pro Augsburg, ÖDP, AfD und Polit-WG sowie „Augsburg in Bürgerhand“.

OB-Wahl: Eva Weber und Martina Wild haben gute Chancen

Gerade bei der OB-Wahl gehen zwei Kandidatinnen mit guten Chancen ins Rennen. Weber und Wild gehören zum engsten Favoritenkreis. Es wird darüber spekuliert, ob Weber und Wild in die Stichwahl kommen. Chancen auf das Amt des Oberbürgermeisters rechnet sich zudem SPD-Kandidat Dirk Wurm aus. Andere Männer, die antreten, gelten als Außenseiter. CSU-Frau Eva Weber gilt als Topfavoritin für die Nachfolge von Amtsinhaber Kurt Gribl (CSU). Die Wahl einer Frau zur Oberbürgermeisterin wäre historisch: Erstmals würde eine Frau die Stadt regieren. Weber hat sich frühzeitig positioniert: „Ich mag das Wort historisch nicht. In welcher Zeit leben wir, dass wir es immer noch besonders finden, wenn Frauen Geschäftsführerinnen oder Vorstände in Unternehmen oder Vereinen sind? In diesen Kategorien denke ich nicht.“

Anna Tabak ist OB-Kandidatin der WSA.

Wie ist es zu erklären, dass mehr Frauen sich politisch engagieren? Anna Tabak sagt: „Ich glaube, es gibt mehr als eine Erklärung. Unter anderem, dass nach dem langen Emanzipations- beziehungsweise Gleichberechtigungsprozess Frauen in Führungsrollen gesellschaftlich in allen Lebensbereichen immer mehr akzeptiert werden, so auch in der Politik.“

Claudia Eberle
Bild: Peter Fastl

Claudia Eberle, die seit 23 Jahren im Stadtrat sitzt, sagt: „Derzeit sind Frauen im Stadtrat mit 30 Prozent Anteil deutlich unterrepräsentiert.“ Insofern sei es ein erfreuliches Signal für die gesellschaftliche Entwicklung, dass mehr Frauen kandidieren. Die langjährige Kommunalpolitikerin, die von der CSU über die CSM zu Pro Augsburg wechselte, ergänzt: „Frauen legen mehr Wert auf Empathie, deren Politik ist daher oftmals näher an den Menschen und damit an ihren wahren Bedürfnissen orientiert.“ Studien zeigten, dass Frauen in der politischen Kultur mehr Wert auf Dialog legen, statt sich in Endlos-Diskussionen zu verstricken.

Verwundert über die Diskussion

Weber teilt die Einschätzung und verweist auf eine ähnlich klingende Studie der Europäischen Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft: Kritikpunkte seien demnach Grabenkämpfe, Profilierungssucht, Endlosdiskussionen, Vetternwirtschaft und monologartige Vorträge. „Ich überlasse es jedem, ob er diese Kritik einem Geschlecht zuordnen möchte“, sagt Weber. Anna Tabak, Kandidatin der Gruppe WSA hält nichts von Pauschalisierungen: „Es gibt bei beiden Geschlechtern solche und solche. Mit anderen Worten, ich traue mir aufgrund meines Frauseins weder mehr noch weniger zu, sondern ausschließlich aufgrund meiner persönlichen Eigenschaften.“

Martina Wild ist die OB-Kandidatin der Augsburger Grünen.
Bild: Stefan Puchner

Martina Wild (Grüne) hält die Diskussion über die Rolle der Frau in der Politik und das damit verbundene Selbstverständnis für verfehlt: „Zuallererst einmal bin ich erstaunt, dass im Jahr 2019 immer noch diese Fragestellungen da sind.“ Man habe schließlich in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert. Es handle sich um ein Recht, das von mutigen Frauen hart erkämpft wurde. Allerdings sei festzuhalten, dass auch noch 100 Jahre danach Frauen in politischen Gremien unterrepräsentiert seien: „Gerade in kommunalen Führungsfunktionen sind Frauen verschwindend gering vertreten.“ Für Martina Wild gilt: „Ich will, dass sich das ändert, und dass auch in Augsburg Frauen gleichberechtigt darauf Einfluss nehmen, wie wir in unserer Stadt leben wollen. Denn Frauen sind schließlich die Hälfte der Bevölkerung.“ Frauenstatut und Quotenregelung, die bei den Grünen gelten, seien jedenfalls eine frauenpolitische Erfolgsgeschichte. Die Stadtratsfraktion der Grünen setzt bei der Führung schon jetzt auf 100 Prozent Frauenpower. Wild ist Fraktionschefin, es gibt zwei Stellvertreterinnen. "

Lesen Sie dazu den Kommentar: Stadtpolitik: Frauen sind nicht ausreichend repräsentiert

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