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Reinheitsgebot

23.04.2016

Warum der Riegele-Chef mit dem Biergesetz hadert

Brauerei-Chef Sebastian Priller in der Riegele-Biermanufaktur mit handwerklich gebrautem Craftbier.
Bild: Anne Wall

Der Chef der Augsburger Riegele-Brauerei sieht sich und andere in der Branche in Bayern benachteiligt. Welche Rolle das Reinheitsgebot dabei spielt.

Böse Stimmen könnten behaupten, das Brauhaus Riegele verstoße gegen das Reinheitsgebot. „In diese Ecke lassen wir uns nicht stellen“, widerspricht Brauereichef Sebastian Priller energisch. Der Biersommelier-Weltmeister gehört zu den Vorreitern bei der Herstellung moderner „Brauspezialitäten“, die als Craftbier ein Publikum finden, dem traditionelles Bier weniger gut mundet.

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Bei drei dieser handwerklich gebrauten neuen Craftbiersorten weicht Riegele vom Reinheitsgebot ab. Dumm nur: Während in der gesamten Europäischen Union inklusive Deutschland besondere Biere gebraut werden dürfen, verhindert in Bayern ein fehlender Zusatz im vorläufigen Biergesetz eine laut Priller „kreative Biervielfalt“.

500 Jahre Reinheitsgebot: Kritik am Biergesetz

Politik und Verbände fordert er auf, diese „wirklich bizarre Situation“ zu beenden. Die Möglichkeit, Craftbiere etwa im benachbarten Baden-Württemberg zu brauen und in Bayern zu verkaufen, sollte seines Erachtens nicht ernsthaft als Lösung in Betracht gezogen werden.

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In Bayern fehle im Biergesetz der in allen anderen Bundesländern enthaltene Zusatz, „besondere Biere nach einem Natürlichkeitsgebot brauen zu dürfen“. Riegele fordert deshalb „Chancengleichheit für bayerische Brauer“. Juristische Experten geben der Brauerei Recht und halten die aktuelle Situation im Freistaat für ungerecht und nicht haltbar.

Neuerdings bekommt Priller Zuspruch von Leuten in der Branche, die vom Gesetzgeber fordern, das Reinheitsgebot ganz abzuschaffen. Auf diese „Freunde“ legt er aber überhaupt keinen Wert, da er das Reinheitsgebot selbst nicht in Frage stellt. „Wir brauen alle unsere Traditionsbiere streng nach dem Reinheitsgebot und dies soll auch so bleiben“, versichert er.

Die neuen Brauspezialitäten aus dem Hause Riegele aber werden nach traditionellen Rezepten anderer großer Biernationen kreiert – mit natürlichen Rohstoffen wie Gerste oder Honig. Bei einer seiner Craftbiersorten bestehe die Abweichung vom Reinheitsgebot einzig darin, dass die Gerste nicht befeuchtet (vermälzt), sondern in natürlicher Form geröstet wird. Bei einer anderen Sorte ist eine zweifache auf Honig basierende Gärung im Spiel.

Die Nachfrage nach Craftbier steigt

Der Umsatzanteil der neuen Brauspezialitäten liege unter zehn Prozent. Die Fangemeinde wächst, die diese Art von Bier wie einen guten Wein trinkt – auch aus entsprechenden Gläsern. Riegele war Craftbierbrauer 2015. Panscherei muss sich das Haus nicht vorwerfen lassen. Sonst wäre es gestern nicht zum neunten Mal vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit dem Preis für Qualität von Traditionsbieren ausgezeichnet worden – neben 21 weiteren deutschen Brauereien.

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